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Die
Filmwelt ist ungerecht. Da gibt es einerseits Filme, die niemand
wirklich braucht, und andererseits Filme, die kaum jemand kennt. Zu
letztgenannter Gruppe gehört zweifelsohne der japanische Thriller
„Das Dorf der acht Grabsteine“, der hierzulande – nicht
zuletzt mangels deutschsprachiger Veröffentlichung – bislang zu
Unrecht ein unliebsames Schattendasein fristen musste. Das ist jetzt
vorbei.
Als sechsten Teil der Serie “Japanische Meisterregisseure” präsentiert
Polyfilm Video den Film nun erstmals auch dem deutschen Publikum und
lässt es endlich in den Genuss dieses hochkarätigen Mixes aus
Mystery-Thriller, Historiendrama und klassischem whodunnit-Krimi
kommen. Über 145 Minuten Spielzeit bietet das Werk des
preisgekrönte Regisseurs Yoshitaro Nomura ebenso vielschichtige wie
spannende Unterhaltung.
Der Film entführt den Zuschauer in das historische, von Gewalt geprägte
Japan des 16. Jahrhunderts, fesselt ihn im Japan der Gegenwart mit
einer packenden Kriminalgeschichte und einer Mörderhatz à la
Agatha Christie und zieht ihn mit einem permanenten Hauch dezenter
Mystik in seinen Bann.
Bei der Verfilmung des Kriminalromans „Yatsuhaka-mura“ von
Seishi Yokomizo konnte sich Yoshitaro Nomura auf ein erfahrenes Team
japanischer Filmvirtuosen verlassen. So stand dem vielseitigen
Filmemacher, der in verschiedenen Genres zuhause war, sich aber in
erster Linie durch Thriller wie „Dämon“ („Kichiku“, 1978)
einen Namen machte, als Drehbuchautor niemand geringeres als Shinobu
Hashimoto zur Seite. Der Scriptwriter, der seinerzeit schon an den
Akira Kurosawa-Meisterwerken „Rashomon“ (1950) und „Die sieben
Samurai“ („Shichinin no samurai“, 1954) beteiligt war, zeigt
auch hier, dass er sein Handwerk versteht. So verwundert es nicht,
dass manche historische Rückblenden im Film nicht selten an die
Werke Kurosawas erinnern.
Seiner
Entstehungszeit gemäß - Meiko Kaji oder Sonny Chiba zogen als
„Lady Snowblood“ („Shurayukihime“, 1973) oder „Streetfighter“
(„Gekitotsu! Satsujin ken“, 1974) gerade erfolgreiche Blutspuren
auf der japanischen Kinoleinwand der 70er Jahre - spart der Film
dann stellenweise auch nicht mit graphischer Gewalt. Letztendlich überwiegen
vor den teils prächtigen Kulissen (u.a. einer fast schon surreal
wirkenden Tropfsteinhöhle) jedoch die ruhigen Momente. Actionverwöhnte
Zuschauer sollten also angesichts mancher Längen keine
nonstop-Achterbahnfahrt erwarten...
Doch nicht nur optisch macht „Das Dorf der acht Grabsteine“
etwas her. Als herausragend zu erwähnen ist der wunderschöne
Soundtrack von Yasushi Akutagawa, der in aller Regelmäßigkeit die
Werke Yoshitaro Nomura’s musikalisch begleitete.
Während sich die Romanvorlage im Wesentlichen auf die Figur des
Detektivs Kôsuke Kindaichi konzentriert, reduzierten Regisseur
Nomura und Drehbuchautor Hashimoto diesen Part lediglich auf eine
Nebenrolle, die dann aber glänzend ausgefüllt wird von Kiyoshi
Atsumi, dem Star der japanischen Kult-Comedy-Serie „Tora-San“.
Wesentlich mehr Spielraum hat hingegen Hauptdarsteller Kenichi
Hagiwara („Kagemusha - Der Schatten des Kriegers“, 1980), dem
die Ehre zuteil wird, nach dem Mörder zu suchen, selbst als Mörder
verdächtigt zu werden, das Geheimnis um den Fluch aufzudecken und
sich gleichzeitig noch um die Klärung seiner eigenen Identität zu
bemühen.
Viele Dinge auf einmal, die ein Mann alleine kaum bewältigen kann.
Als Unterstützung gegen Fluch und Verdammnis steht ihm daher auch
die attraktive Mayumi Ogawa zur Seite, die ein Jahr später auch in
Nomura’s „Dämon“ dem Mystischen frönen durfte und die
immerhin auch mit einer Beteiligung an der japanischen
Schwertkampf-Saga Zatoichi („Zatoichi:
The Blind Swordsman's Vengeance“
(1966)) gesegnet ist.
Schauspielerische Leistung, Story und Soundtrack sowie sicherlich
auch der Erfolg der Romanvorlage sorgten dafür, dass der Film 1977
zum japanischen Kinohit wurde. Bleibt zu wünschen, dass er nun auch
hierzulande die gebührende Anerkennung findet.
Regisseur Yoshitaro Nomura, der 2005 im gesegneten Alter von 86
Jahren starb, beendete 1985 seine Laufbahn als Film-Regisseur. Sein
letztes Werk: „Kiken na onnatachi“ (1985). Bezeichnender Weise
eine Verfilmung eines Romans von Agatha Christie…
Fazit: Kurosawa und „Okami“ treffen auf Agatha Christie und
bieten Japanische Mystik, einen Fluch, blutige Morde und einen
wunderschöner Soundtrack. „Das Dorf der acht Grabsteine“: Ein
unbedingt zu entdeckendes Kleinod aus dem Land der aufgehenden
Sonne! |
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Die
DVD von Polyband Video kommt in klassischer Amaraybox mit
schmuckem Pappschuber. Begleitend dazu ist eine 20seitige
Broschüre zur Serie „Japanische Meisterregisseure“ beigefügt,
in der die Regisseure Yoshitaro Namura, Keisuke Kinoshita und
Yasujiro Ozu bio- und filmographisch vorgestellt werden. Ein
interessantes Dokument japanischer Filmgeschichte.
„Das
Dorf der acht Grabsteine“ ist auf der DVD - in sehr guter Bild-
und Tonqualität - im japanischen Originalton verfügbar. Optional
lassen sich dabei deutsche Untertitel einblenden.
Zwar
bietet die DVD, abgesehen von einer Trailershow in japanischem
Originalton, keine weitere Extras. Das schmälert das Sehvergnügen
allerdings in keinster Weise. Schließlich gilt hier: Der Film ist
der Star…
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