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Kevin
Hall (Michael Sopkiw), der als Paläontologe für ein Institut in Boston
arbeitet, befindet sich zur Zeit in Brasilien, um dort Ausgrabungen
vorzunehmen. In einer Bar hört Kevin zufällig das Gespräch zweier
Männer, die mit dem bekannten Forscher Pedro Ibanez (Leonidas Bayer) einen
Flug in das berühmte Tal der Dinosaurier planen. Kevin ist sofort versessen
von der Idee, ebenfalls am Flug teilzunehmen. Dass besagtes Tal dabei in
einem Gebiet liegt, in dem noch ein kannibalistisches Urvolk lebt, ist im
dabei herzlich egal, erhofft er sich doch den Fund von höchst
gewinnbringenden Dinosaurierknochen. Und nachdem er Ibanez mitteilt, dass er
alle seine Bücher kennt, ist dieser sogar sofort bereit, Kevin mitzunehmen.
In dem kleinen Flugzeug befinden sich neben Kevin, dem Professor und dessen
Tochter Eva (Suzane Carvalho) noch ein Vietnamveteran mit seiner Frau, sowie
ein Fotograf mit zwei Models im Schlepptau. Unerwarteter weise kommt es beim
Flug über den Dschungel des Amazonas plötzlich zu heftigen Turbulenzen,
die den Piloten dazu zwingen, die Maschine mitten im Dickicht Notzulanden.
Während bei der Bruchlandung zwei der Passagiere sofort ihr Leben
verlieren, sind die Überlebenden dazu gezwungen, zu Fuß einen Weg hinaus
aus der grünen Hölle zu finden. Dabei bekommen sie es allerdings nicht nur
mit Schlangen, Piranhas und Treibsand, sondern auch mit dem Kannibalenstamm
zu tun... |
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"Amazonas"
wurde im Jahr 1985 gedreht, also zu einer Zeit, in der der Kannibalenfilm
langsam aber sicher wieder in der Versenkung zu verschwinden drohte. Die
Grausamkeiten aus Filmen wie "Make Them Die Slowly" und
"Cannibal Holocaust" waren nicht mehr zu toppen und auch das
Publikum erkannte langsam aber sicher, dass den Regisseuren einfach nichts
neues mehr einfiel. Während Ruggero Deodato und Umberto Lenzi bereits alle
ihre Ideen auf Zelluloid gebannt hatten, lag es in der Endphase noch einmal
an unbekannteren Filmemachern, dem Genre noch einige Beiträge
hinzuzufügen. Für "Amazonas" wurde Michele Massimo Tarantini
verpflichtet, der zuvor zwar schon eine Vielzahl an Filmen drehte, im
Horrorgenre allerdings noch nicht Fuß fassen konnte. Um so überraschender
ist es da, dass aus "Nudo e Selvaggio", so der Originaltitel, ein
unbedingt empfehlenswerter Genrefilm wurde.
Mit viel Abwechslung konnten die Kannibalenstreifen ja noch nie glänzen und
so ist es auch in diesem Fall nicht weiter enttäuschend, wenn
"Amazonas" genau gleich aufgebaut ist, wie fast alle seiner
Kollegen. Der einzige wesentliche Unterschied zu den sonstigen Filmen
besteht darin, dass man am Anfang auf die Behauptung verzichtete, dass der
nun folgende Film auf wahren Begebenheiten beruhe. Ebenso, aber das ist erst
im späteren Filmverlauf von Belang, fällt auf, dass man in
"Amazonas" komplett (!) auf reale Tiertötungen verzichtete. Der
Tiersnuff war stets für viele Zuschauer ein Grund, den Kannibalenfilm zu
boykottieren, weshalb "Amazonas" alleine schon deshalb ein
größeres Publikum ansprechen dürfte als ein "Cannibal
Holocaust", um nur mal ein Beispiel mit exzessivem Tiersnuff zu nennen.
Die Atmosphäre des Films ist recht ordentlich, lässt sich jedoch nicht mit
denen vergleichen, die Deodato in seinen Werken zu erschaffen vermochte.
Insbesondere wenn am Anfang von "Amazonas" ein Mann bei einer
Prügelei geschlagen wird und mit einem unpassenden, cartoon-ähnlichen
Geräusch durch die Luft fliegt, dann fragt man sich schon, wieso das in
einen derartigen Film gehört. Nach dem Flugzeugabsturz fängt sich
Tarantini allerdings wieder und präsentiert dem Publikum genau das, was es
sehen möchte. Eine Gruppe unterschiedlicher Menschen, die sich durch den
Dschungel schlagen muss, was mitunter auch recht brutal wird. Dabei kommen
auch Freunde von Abenteuerfilmen auf ihre Kosten, sofern sie gegenüber ein
paar härteren Szenen nicht abgeneigt sind. Für mich persönlich ist der
Abenteuergehalt in diesem Subgenre auch sehr wichtig und was das anbelangt
konnte "Amazonas" genügend bieten.
Nachdem genügend an Blut geflossen ist, wird im Kannibalengenre gerne noch
einmal mit der Moralkeule draufgehauen. So im berühmten Fall von
"Cannibal Holocaust", wo einem auf unmissverständliche Art und
Weise die Frage aufgezwungen wurde, wer denn die wahren Monster sind, die
"zivilisierten" Menschen oder eben die Urvölker. Auch bei
"Amazonas" wird man wieder mit einem derartigen Denkanstoß
konfrontiert, wenn die Protagonisten nämlich in die Hände eines reichen
Amerikaners fallen, nachdem sie dem Kannibalen entkommen sind. Doch die
wahre Leidensprozedur fängt erst jetzt an, da der äußerst gefährliche
Mann heimlich nach Diamanten graben lässt und keine Zeugen gebrauchen kann.
Er wäre jederzeit bereit, Kevin und die anderen Überlebenden zu töten, um
an noch mehr Geld zu kommen, während die Eingeborenen nur aus Gründen des
Glaubens und des Hungers töten. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen,
"Amazonas" Anspruch zutrauen zu wollen, denn im Endeffekt ist es
einfach nur blutige ,abenteuerliche und spannende B-Unterhaltung für Fans
des Kannibalengenres.
Die Darsteller erledigen ihren Job sehr unterschiedlich. Während manche
ganz klar nicht für den Beruf des Schauspielers geboren wurden, machen
andere ihre Sache fabelhaft. Michael Sopkiw zum Beispiel ist ein
Hauptdarsteller, wie man ihn sich besser nicht wünschen könnte, er passt
bestens in das Bild des abenteuerlustigen Paläontologen und hat optisch
sogar eine geringe, doch nicht bestreitbare Ähnlichkeit mit Sean William
Scott.
"Amazonas" ist ein astreiner Kannibalenfilm, da lassen sich nur
wenige Abstriche machen. Jeder, der auf knallhartes Abenteuerfeeling gepaart
mit einigen blutigen Szenen steht, kommt um dieses Werk nicht herum. Michele
Massimo Tarantini inszenierte den Film nicht ganz so drastisch und
beklemmend, wie dies bei anderen Streifen des Genres der Fall war, zudem
gibt es keinerlei Tiersnuff zu sehen, deshalb ist er vielleicht für eine
etwas größere Zielgruppe interessant. Natürlich ist "Amazonas"
im Endeffekt alles andere als ganz großes Kino, doch gerade für Fans von
den sonstigen italienischen Klassikern ist der Streifen Pflicht. |