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Baltimore, 1988: Kein guter Tag für Norman
Forrester (Corey Feldman). Er wird zur Geburtstagsparty seines zukünftigen
Schwiegervaters eingeladen, die in einem alten, kurz vor dem Abriss
stehenden Hotel stattfindet und zu der beinahe ausschließlich Besucher der
oberen Gesellschaftsschicht Eintritt erhalten. Der von Natur aus ohnehin
schon äußerst nervöse und überdrehte Norman sieht diesem Tag schon
länger mit Schrecken entgegen, weiß er doch, dass er vermutlich so gar
nicht dem Ideal des Schwiegervaters in spe entspricht.
Als
wäre das noch nicht schlimm genug, verhält sich seine Freundin Alison
(Erica Prior) plötzlich sehr abweisend, während auch die irgendwie
verplant wirkenden Kellner und sonstigen Bediensteten einen merkwürdigen
Eindruck auf Norman hinterlassen. Da weiht ihn ein mysteriöser Fremder in
ein schreckliches Geheimnis ein: Die Angestellten des Hotels gehören einer
finsteren Sekte an, die in dieser Nacht eine bösartige Gottheit wieder zum
Leben erwecken wollen und damit womöglich das Ende der Welt
heraufbeschwören. Nun liegt es an Norman, dem Treiben Einhalt zu gebieten
und das Leben unzähliger Menschen zu retten.. wenn er bei seiner herrischen
Freundin und dem herablassenden Schwiegervater überhaupt mal zu Wort kommen
würde... |
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Erinnert sich noch jemand an Corey Feldman?
Ja, ganz richtig, das war der kleine Junge, der damals in den 80ern in zwei
"Freitag der 13." Teilen als stark traumatisiertes Opfer von Jason
Voorhees zu sehen war und auch recht gute Kontakte zu Steven Spielberg zu
pflegen schien, so stand er nämlich für die Kassenschlager
"Gremlins" und "Die Goonies" vor der Kamera und mauserte
sich schnell zu einem der höchstbezahlten Kinderstars seiner Zeit.
Irgendwann folgte dann der Wendepunkt und seitdem stolpert Feldman von einem
B-Movie zum Nächsten, ist zwar akut dauerbeschäftigt, aber ebenso
erfolglos. Der Durststrecke wollte er nun allem Anschein nach ein Ende
setzen, denn mit "The Birthday" erschien im Jahr 2004 ein
spanischer Film, der den Akteur nicht nur in der Hauptrolle zeigt und sich
beinahe komplett auf ihn verlässt, sondern auch von ihm co-produziert
wurde.
Der große Knaller, den man an dieser Stelle
sicherlich erwartet hätte, erwartet den Fan phantastischer Unterhaltung
hier allerdings leider nicht. Bereits die Story lässt auf ein sehr
ungewöhnliches Filmerlebnis schließen und genau das bekommt man auch
geboten. Der spanische Regie-Debütant Eugenio Mira schuf mit "The
Birthday" eine völlig skurrile Mystery-Komödie, die von seinem
Verleih gerne mal mit "Donnie Darko" oder den Werken David Lynch
und H.P. Lovecraft verglichen wird. So schmeichelhaft derlei
Nebeneinanderstellungen für "The Birthday" auch sein mögen,
genau so wenig treffen sie im Endeffekt tatsächlich zu. Nur schwerlich
lässt sich das schrille Low-Budget Project einer bestimmten Gruppierung von
Filmfans empfehlen, da hier reichlich Zutaten aus allen nur erdenklichen
Richtungen gekonnt vermischt werden. Somit lässt sich auch nach Betrachtung
des Films nur mit Mühe sagen, was man denn da nun eigentlich gesehen
hat.
Norman Forrester ist ein typischer Loser. Er
hat eine Riesenangst vor dem ersten Treffen mit seinem Schwiegervater und
setzt natürlich sogleich alles in den Sand. Zuerst will man ihn gar nicht
hineinlassen, später steht Norman wie im falschen Film inmitten einer Menge
reicher Snobs, von denen ihn keiner kennt. Er selbst ist schüchtern,
unsicher, stets widerspruchslos und einfach überfordert angesichts der
Situation. Eine typische Identifikationsfigur also und gleichsam auch der
Grund, wieso der Zuschauer das Geschehen gebannt bis zum Ende verfolgen
wird. Norman reitet sich immer wieder selbst in eine unliebsame Situation in
die nächste, etwa wenn er von seinem Schwiegervater in spe vor allen
Versammelten bloßgestellt wird und sich immer weiter um Kopf und Kragen
redet. Dennoch ist diese Figur mit all ihren Ecken und Kanten um so
liebenswürdiger.
Die erste Hälfte des Films beschränkt sich
komplett auf den komödiantischen Aspekt, auch wenn der Film unter diesem
Gesichtspunkt nicht vollends überzeugt. Richtige Lacher bleiben stets aus,
doch der Unterhaltsfaktor wird durch allerlei schräge Momente und
irrsinnige Dialoge ("Waren sie schon einmal in einer Kühltruhe?")
konstant auf einem hohen Level gehalten. Je mehr die Handlung, die hier im
Übrigen in Echtzeit geschildert wird, voranschreitet, desto mehr scheint
"The Birthday" auch die Bezüge zur Realität abzulegen, denn
irgendwann entwickelt sich das Ganze in eine gänzlich andere Richtung.
Norman bekommt es plötzlich mit dem Personal des Hotels zu tun, die in
dieser Nacht ein Menschenopfer darbringen und dadurch eine mächtige
Gottheit wieder zum Leben erwecken wollen. Fortan gerät der schüchterne
Loser von einer Prügelei in die nächste und wird von einem Fanatiker
verfolgt, der in Norman die einzige Rettung der Welt sieht.
Klingt spaßig, ist es auch, doch leider nicht
in erwartetem Maße. Die zweite Hälfte lässt deutlich eine gewisse Portion
Action vermissen, auch fließt zu keinem Zeitpunkt nennenswert Blut.
Käufer, die auf ein irres Splatterspektakel à la "Botched - Voll
verkackt" hoffen, sind also an der falschen Adresse. "The
Birthday" steigert das Tempo zwar von Minute zu Minute, mündet aber
letztendlich in einem absolut enttäuschenden Finale, das zwar technisch,
aber nicht inhaltlich überzeugen kann. Eine Zumutung ist auch das völlig
abrupte Ende, das zwar erahnen lässt, wie die Story zu Ende geht, diesen
Gedanken aber dem Zuschauer überlässt und stattdessen viel zu schnell den
Abspann einleitet, obwohl einige wichtige Fragen noch nicht geklärt sind.
Aus der "Sekte will ihren Gott wieder zum Leben
erwecken"-Geschichte hätte man im Allgemeinen einfach mehr machen
müssen, denn so überzeugt letztendlich nur die erste Hälfte des Films
vollends.
An den Schauspielern gibt es dafür rein gar
nichts auszusetzen. Corey Feldman ist durchweg gut aufgelegt und macht seine
Sache grandios. Er wusste es auszunutzen, dass er seit lange wieder einmal
eine bedeutsame Hauptrolle spielen konnte und liefert eine überzeugende
One-Man-Show. Sein Norman ist so hilflos wie sympathisch und vor allem im
Originalton durch Feldmans lustige Aussprache noch weitaus charmanter. An
seiner Seite sehen wir eine hübsche Erica Prior in der Rolle der Alison,
die Norman zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt und keinem seiner Worte
Aufmerksamkeit schenkt. Gerade die Momente, in denen Beide gemeinsam vor der
Kamera stehen, sind köstlich.
Nach "The Birthday" muss man erst
einmal durchatmen und seine Synapsen wieder in Einklang bringen. Corey
Feldman und Eugenio Mira lassen hier ein absolut schräges, undefinierbares
Mystery-Comedy-Kaliber auf ihre Zuschauer los, das zwar nicht vollends
überzeugt, dafür aber von keinem so schnell wieder vergessen wird.
"The Birthday" ist vor allem in seiner ersten Hälfte eine
charmante und zuweilen durchaus witzige Komödie, der die großen Lacher
zwar verwehrt bleiben, die aber perfekt zu unterhalten weiß, während sich
die zweite Hälfte des Films schließlich durch einen unausgerorenen Schluß
selbst ins Knie schießt. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen, überzeugen
das seltsam anmutende Finale und das offene Ende doch nur geringfügig und
machen einige Möglichkeiten zunichte, die "The Birthday"
ansonsten offen gestanden wären. Dennoch sollten sich Filmfans, die ein
offenes Auge für schräge Kost fernab des Mainstreams haben, durchaus mal
auf den Streifen einlassen, denn einen Versuch ist es wert - alleine schon
dank dem grandiosen Corey Feldman. |