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Urbane Legenden
werden immer gerne aufgegriffen, wenn sich neue Wege finden müssen, junge
Leute in Horrorfilmen blutig ableben zu lassen. "Düstere
Legenden" hat es vorgemacht und gilt bereits als eine Art Vorreiter auf
diesem Gebiet, nun versuchte ein kleines Horrorfilmchen aus dem Jahr 2006
mit dem Titel "Bloody Mary: Legend of the Mirror Witch" dies
seinem offensichtlichen Vorbild gleichzutun. So geht die permanente
Bedrohung auch hier von einer übernatürlichen Gefahr, einer Art Geist aus,
um den sich eine alte Legende rankt. Was in diesem Fall recht spannend wie
eine Mischung aus bereits erwähntem "Düstere Legenden" und
"Candyman" anmutet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch
leider als absolut in die Hose gegangener, billig inszenierter
Horror-Schnellschuss, dem jedwede positiven Attribute fehlen.
Regisseur Richard
Valentine brachte hiermit seinen ersten, nennenswerten Film in den Kasten,
während er zuvor jahrelang Kurzfilme realisierte, die bis heute keinerlei
Beachtung erlangten. Wenn man sich dann allerdings seinen ersten,
abendfüllenden Film, "Bloody Mary" ansieht, dann wundert diese
Tatsache kaum noch. Auf der Gegenseite überrascht es doch sehr, dass
Valentine für diesen offensichtlichen Flop überhaupt eine Crew
zusammentrommeln konnte, die ihre Zeit freiwillig für ein derart schlechtes
C-Movie opferte. Aber man lernt ja bekanntermaßen nie aus und es sollte
nicht verwunderlich sein, wenn "Bloody Mary" für viele
Beteiligten der erste und letzte Ausflug ins Filmbusiness war.
Viele
kostengünstig produzierte Horrorfilme leiden unter dem Problem, dass ihre
Macher einfach nicht genügend Geldmittel zur Hand hatten. Wenn man sich
solche Streifen zu Gemüte führt, wird sofort ersichtlich, dass dabei etwas
Großes hätte entstehen können, wenn man den Machern den nötigen,
finanziellen Freiraum gelassen hätte. Ob es sich bei "Bloody
Mary" allerdings auch um einen solchen Kandidaten handelt, ist
fraglich. So sehr man auch sucht, nur mit Mühe lassen sich bei dieser
unprofessionell hingeklatschten "Candyman" Kopie so etwas wie
überzeugende Aspekte finden.
Die Tortur beginnt
leider schon bei der Story, die den Eindruck macht, als hätte ein
Praktikant das Drehbuch versehentlich in einen Aktenvernichter fallen lassen
und etliche Passagen im Nachhinein nach eigenem Ermessen ersetzt. Die
Handlung des Films ist im Großen und Ganzen nicht viel mehr als ein
schlechter Witz. Es erscheint einfach nur lächerlich, dass drei blonde
Sexbomben in einer Irrenanstalt arbeiten und dort ausgerechnet der
Spiegelhexe Bloody Mary huldigen. Damit ist an dieser Stelle zwar einer der
Spoiler des Films vorweggenommen, doch das schadet dieser Gurke auch nicht
mehr. Die blutrünstige Hexe steckt mit den Damen und einigen Insassen der
Klapse offensichtlich unter einer Decke und tötet im Verlauf des Films
einige Leute, die es wagen, ihren Namen dreimal in einen Spiegel zu
sprechen.
Als Zuschauer
folgen wir nun der höchst unsympathischen Natalie bei ihrem Versuch, Licht
ins Dunkel der Ereignisse zu bringen, was sich jedoch als unglaublich zäh
und anstrengend erweist. Die Dialoge sind viel zu sehr in die Länge
gezogen, die Verhältnisse diverser uninteressanter Charaktere zueinander
erhält eine viel zu gewichtige Bedeutung und die Atmosphäre im Film muss
irgendwann nur noch einer Storyentwicklung weichen, die jedoch im Grunde
überhaupt nicht stattfindet. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man dann auch
nicht mehr gewillt, der Story zu folgen, da diese in immer abstrusere Bahnen
gelenkt wird und zudem so absolut langatmig erzählt wird, dass die 89
Minuten Laufzeit wie 2 Stunden erscheinen und einfach nicht enden wollen. Ab
und zu soll der Horrorfan zwar durch blutige Einlagen bei Laune gehalten
werden, doch diese sind dann meist so schnell und chaotisch geschnitten,
dass man kaum noch etwas erkennen kann. Die Art und Weise, wie die Hexe ihre
Opfer aus dem Weg räumt, nämlich indem sie ihnen die Augen herausreißt,
wiederholt sich zudem viel zu schnell und wurde in anderen Streifen optisch
bereits überzeugender gezeigt.
Den größten Bock
schießt "Bloody Mary" dann allerdings in zwei gänzlich anderen
Hinsichten. Zum einen ist die optische Präsentation des Werkes mit ihren
viel zu hellen und kräftigen Farben unter aller Sau und erinnert an eine
Realverfilmung der Teletubbies, was auch von einer scheinbaren Überpräsenz
an Schweinwerfern am Set nicht ausgebügelt wird. Zudem stellt die deutsche
Synchronisation des onehin schon sehr miesen Streifens wieder einmal eine
regelrechte Folter für alle Zuschauer dar. Die deutschen Stimmen tragen die
Texte derart lustlos und unpassend vor, dass man stets kurz davor ist, die
"Mute" Taste seiner Fernbedienung zum Einsatz zu bringen. Es muss
an dieser Stelle vermutlich nicht erwähnt werden, dass sich auch die
Schauspieler keinen Gefallen tun. Großteils unbeholfen und alles andere als
glaubwürdig machen sie ihre Sache vor der Kamera, kein einziger von ihnen
sticht sonderlich positiv hervor.
"Bloody
Mary: Legend of the Mirror Witch" ist Horror zum Abgewöhnen. Hinter
einem recht passablen Cover verbirgt sich hier eine absolut bedeutungslose
Zeitverschwendung Marke C-Movie, die in keinen Belangen wirklich überzeugen
kann. Das Fürchten lehrt uns hier bestenfalls die permanente Langeweile,
die lächerliche Story und das sture Fehlen jedweder Spannung. Die Krönung
des Ganzen ist dann noch die grausame deutsche Synchronisation, die dem
Zuschauer schnell den letzten Nerv raubt. Selbst der eine oder andere
blutige Effekt kann das Ruder zu keinem Zeitpunkt mehr herumreißen. Wer
sich dagegen mal wieder selbst quälen möchte, ist hier sicherlich bestens
aufgehoben. |