|
Für
das junge Ehepaar Norma und Arthur Lewis könnte es durchaus
besser laufen. Der aufstrebende NASA-Wissenschaftler hat gerade
vom Aus seines viel versprechenden Mars-Projekts durch die
Regierung erfahren. Der attraktiven Lehrerin macht ihre
Beinbehinderung zu schaffen, zudem ist auch ihr Job in Gefahr.
Eines Tages erhalten sie die Chance ihres Lebens. Ein Paket liegt
vor der Haustür.
Der
Inhalt: Eine unscheinbare schwarze Box mit einem roten Knopf. Kurz
darauf der Besuch: Ein mysteriöser Fremder mit grausam
entstellten Gesicht macht ihnen ein unmoralisches Angebot der tödlichen
Art: Eine Millionen Dollar, wenn Norma und Lewis den Knopf drücken.
Dafür stirbt irgendwo in der Welt ein Mensch, den sie nicht
kennen. Ihnen
bleiben 24 Stunden, sich zu entscheiden… |
|
Bei
Knopfdruck Mord… Ein Sprichwort sagt: „Jeder Mensch ist käuflich,
es ist nur eine Frage des Preises.“ Wie hoch dieser ist, und wie
leicht die moralische Grenze zum unmoralischen Tun überschritten
ist, damit befasste sich Richard Matheson, eine der Ikonen der
Science-Fiction- und Horrorliteratur („I am Legend“, „The
Shrinking Man“) in seiner Kurzgeschichte „Button, Button“.
1970 im amerikanischen Playboy veröffentlicht, erfuhr die Story
erstmals 1986 eine filmische Umsetzung. Für die Kurzfilm-Episode
im Rahmen der TV-Serie „Twilight Zone“ wurde seinerzeit
Matheson’s Vorlage um einige dramaturgische Elemente geändert.
Offensichtlich schien der Autor davon wenig begeistert gewesen zu
sein und zog es vor, seine Beteiligung als Drehbuchautor unter
seinem Pseudonym Logan Swanson auszuweisen.
Knapp
40 Jahre nach Erstveröffentlichung von Matheson’s
Kurzgeschichte, nahm sich nun Regisseur Richard Kelly der Story
an, um sie erstmals als abendfüllenden Spielfilm zu präsentieren
und bietet mit „The Box“ eine solide Vorstellung, derer sich
auch Richard Matheson sicherlich nicht schämen braucht, die
allerdings auch einige Schwächen besitzt.„The Box“ beginnt
stark, lässt dann eher nach, um schließlich zum großen Finale
anzusetzen. Für seine Version der Story hat Richard Kelly einen
Kreis illustrer Schauspieler um sich scharen können.
Als prominentes Zugpferd wendet sich Cameron Diaz („Verrückt
nach Mary“, „Gangs of New York“) erstmals von den von ihr
sonst eher bekleideten Rollen ab und gibt statt Powerfrau oder
Vamp die biedere, zudem körperbehinderte Hausfrau und Mutter. Ein
Part, den sie sehr gut und glaubhaft verkörpert. Als Film-Ehemann
steht ihr der ebenfalls gut aufgelegte James Marsden („X-Men“,
„Dich kriegen wir auch noch“) zur Seite.
Frank Langella („Dracula’79“, „Brainssan“) brilliert
einmal mehr in der Rolle des mysteriösen Fremden, der ein
unheimliches Geheimnis verbirgt. Als Arlington Steward, durch
einen Blitzschlag grausam im Gesicht entstellt, sorgt allein schon
seine Anwesenheit für Unwohlsein. Seine ruhige aber gebieterische
Stimme trägt ihr Übriges zu diesem Eindruck bei. Die
schauspielerische Leistung steht also außer Frage. Vielmehr sind
es dramaturgische Mängel, die den Film statt zum Top-Thriller zum
gehobenen Mittelmaß machen.
Um die 110 Minuten auszufüllen hat Regisseur Kelly, der sich
durch seinen außergewöhnlichen „Donny Darko“ (2001) nicht
nur bei Insidern einen Namen gemacht hat, die Vorlage der
Kurzgeschichte um eigene Handlungsstränge erweitert. Insbesondere
stand er dabei vor der Aufgabe, den Hauptpersonen der Handlung,
die in der Kurzgeschichte lediglich skizziert waren,
charakterliche Tiefe zu verleihen. Kurzerhand verquickte er daher
Film mit Realität, nämlich dem realen Leben seiner Eltern, einem
NASA-Wissenschaftler als Vater und einer Lehrerin als Mutter.
Schließlich verlagerte er noch die Handlung in die 70er
Jahre.
Vor
wirklich schönen Seventies-Kulissen, inklusive
bewusstseinserweiternder Mustertapeten sind es dann letztendlich
aber genau diese „Füll-Szenen“, die dem Film teilweise die
Spannung und den Fluss rauben. So Kelly verliert sich zu sehr in
Details, Gefühle und Dialoge. Doch das ist nicht das einzige
Manko, das der Film besitzt.
Zwar
schafft es Kelly in den ersten Minuten des Films eine großartige
Spannung aufzubauen, die ohne Zweifel aus dem Mysterium um die Box
und den geheimnisvollen Fremden sowie dessen noch
geheimnisvolleren Angebot hervorgeht. Je mehr die Geheimnisse im
Laufe des Films aufgedeckt werden, umso mehr verliert der Film an
Intensität und Spannung und driftet schließlich in kitschige
Fantasy ab. Das gelungene Finale entschädigt hierfür dann
wieder.
Ein Sprichwort sagt: „Weniger ist oft mehr“. „The Box“ ist
ein gutes Beispiel dafür, dass dies auch auf Verfilmungen von
Kurzgeschichten durchaus zutrifft. Dennoch
bietet „The Box“ solide Unterhaltung. Fans von Richard
Matheson, Richard Kelly oder Cameron Diaz können den Knopf (der
Fernbedienung selbstverständlich!) ohnehin bedenkenlos drücken... |