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Auf
dem Weg zur Arbeit befährt Dr. Douglas Madsen (Christopher Kriesa) eine
eher abgelegene Straße. Durch eine unglückliche Kettenreaktion,
herbeigeführt durch eine tote Krähe, die einen Stein in Bewegung brachte,
welcher anschließend auf die Frontscheibe von Madsen's Wagen krachte,
verliert der Arzt die Kontrolle über sein Fahrzeug und fährt frontal in
einen entgegenkommenden Gefangenentransporter. In Folge des Unfalls gelingt
es den Gefangenen, die Wächter bei einem blutigen Schusswechsel zu töten
und Dr. Madsen als Geisel zu nehmen. Die Psychopathen, bestehend aus dem
unberechenbaren und hochgefährlichen Anführer Arthur (Simon Newby), seinem
angeschossenen Bruder Spence (Luca Maric), sowie ihren beiden Komplizen
Vincenzo (Mehmet Yilmaz) und Stephen (Jaymes Butler) beschließen, die
Flucht nach Kanada zu Fuß durch die Wälder anzutreten. Dr. Madsen's
einzige Lebensversicherung ist dabei der verletzte Spence, dessen Leben er
um jeden Preis retten soll.
Nach einem Fußmarsch stößt der Trupp mitten in der bewaldeten Einöde auf
eine scheinbar bewohnte Hütte. Mit dem Plan, sich dort fürs Erste
niederzulassen, dringen die Verbrecher gewaltsam ein und stoßen im inneren
der Hütte auf einige Bewohner, deren Verhalten jedoch sofort unheimlich
erscheint. Sie sprechen in einer altertümlich scheinenden Sprache, tragen
mittelalterliche Kleidung und reagieren völlig ruhig auf die Eindringlinge,
ja, warnen diese sogar, schnell wieder das Weite zu suchen. Arthur und seine
Leute schlagen die scheinbar grundlosen Warnungen natürlich in den Wind,
was sicher aber noch als großer Fehler herausstellen soll. Nach einiger
Zeit verwandeln sich die unheimlichen Bewohner in blutgierige
Zombie-Vampire, die alle bis auf Dr. Madsen bestialisch abschlachten, der
durch die Hilfe der hübschen Alice (Martina Ittenbach) entkommen konnte.
Natürlich glaubt die Polizei die Geschichte von Madsen nicht, wegen
Mordverdachts wird er fürs erste ins Gefängnis gesteckt. Auf dem Weg
dorthin sorgt eine Kettenreaktion dafür, dass der Gefangenentransport einen
Unfall hat und die Häftlinge sich befreien können. Das Geschehene scheint
sich zu wiederholen... |
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Der Bayer Olaf
Ittenbach hat mit Verbissenheit und Hingabe über die Jahre das erreicht,
von dem viele andere deutsche Amateurfilmer nur träumen können. Vom
billigen Wochenenddreh mit ein paar Bekannten hat er sich dank seinen
überragenden, selbst kreierten Splattereffekten in seinem Erstlingswerk
"Black Past" aus dem Jahr 1989 immer weiter hochgearbeitet und
genießt mittlerweile schon internationale Bekanntheit. Nicht nur innerhalb
den Grenzen Deutschlands gelten seine auf Zelluloid gebannten Blutorgien als
beinahe unübertroffen, auch in den Vereinigten Staaten ist man bereits auf
Olaf aufmerksam geworden, seit einigen Jahren dreht der Deutsche
regelmäßig in den USA. "Chain Reaction" erschien im gleichen
Jahr wie die Comedy-Fake-Doku "Ittenbach's Familienradgeber" und
wurde von vielen Fans schon lange herbeigesehnt, denn die Vorabinfos ließen
auf Interessantes hoffen. Nun, wo ich den Film gesehen habe, muss ich aber
leider sagen, dass man noch wesentlich mehr aus dem Ganzen hätte machen
können.
Natürlich lässt sich "Chain Reaction" (Kettenreaktion) in
keinster Weise mehr mit den Anfängen des Regisseurs vergleichen. Aus
Amateuraufnahmen sind mittlerweile richtig professionelle Filme
mit einem ordentlichen Budget (in diesem Fall etwa 1 Million $) geworden,
allerdings hat man bei Ittenbach nur all zu oft das Gefühl, dass unter der
sauberen Optik noch immer nichts dazugelernt wurde. Aber eines nach dem
anderen. Die Story ist in ihren Ansätzen hochinteressant, und, wenn sie mit
nicht all zu vielen Überlegungen angesehen wird, wirklich mal was Anderes.
Sobald man aber beginnt, über das Geschehen nachzudenken, tun sich schnell
klaffende Logiklöcher auf. Wie aus der Inhaltsangabe hervorgeht, kommt es
im Film immer wieder mal zu Kettenreaktionen, die zur Folge haben, dass
verschiedene Gefangenentransporte in Unfälle verwickelt werden und den
Häftlingen die Flucht gelingt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die
Kettenreaktion aber so abläuft wie hier dargestellt, ist allerdings
schlichtweg unmöglich, erst recht, dass dies gleich mehrere Male geschieht.
So könnte man die Liste an Logiklücken weiter fortführen.
Was sich ganz vielversprechend anhört, zwei Häftlingsgruppen finden unter
exakt den gleichen Umständen zu einer Hütte im Wald und werden dort
abgeschlachtet, ist in der Umsetzung leider stellenweise etwas fad
inszeniert und bringt gerade durch den Umstand, dass zweimal das Gleiche zu
sehen ist, schon etwas Langeweile mit sich. Einschlafgefahr besteht hier
noch lange nicht, allerdings fällt oftmals sehr stark auf, dass Ittenbach
sein Storygerüst wichtiger als alles andere war, so dass der
Unterhaltungswert nicht selten in den unteren Ebenen liegt. In vielen
Passagen verzichtet "Chain Reaction" über einen längeren
Zeitraum auf deftige Splatterpassagen, um die Handlung zu erzählen. Und
auch, wenn die Charaktere extrem oberflächlich gehalten sind, muss man
Ittenbach doch lassen, dass es ihm gelungen ist, eine bedrohliche
Atmosphäre zu schaffen. Dr. Madsen ist von Beginn an überaus sympathisch
und gerät im Verlauf des Films in die Hände gleich zweier
Häftlingsgruppen. Obwohl sich die Verbrecher voneinander unterscheiden, ist
das Ganze stets in einem ähnlichen Schema gehalten. Dennoch ist es nicht
uninteressant, den Vergewaltigern und Mördern bei ihrem Spiel zuzusehen,
denn Ittenbach hat diese so vulgär und absolut brutal überzeichnet, dass
von ihnen eine ständige Bedrohung ausgeht. Gerade mit dem extrem
gewaltfreudigen Arthur und dem geisteskranken Hannibal Lecter Verschnitt
Paul sind Olaf Ittenbach zwei Charaktere gelungen, von denen eine stete,
angsteinflößende Präsenz ausgeht.
Oberflächlichkeit hin oder her, an den Charakteren hapert es also schon mal
nicht. Dafür fällt aber um so mehr ins Gewicht, dass die hübsch
anzusehende B-Movie Optik und die teils gelungenen Kamerafahrten einfach
nicht zum sonstig vorherrschenden Trashfilm-Charakter passen wollen. Die
Synchro ist an so manchen Stellen wirklich schlimm, besonders bei den
Bewohnern der Hütte, bei denen es wohl so rüberkommen sollte, als würden
sie einen alten Dialekt sprechen, dabei hört es sich durch die bloße
Umstellung des Satzbaus mehr so an, als hätte man sich Yoda zum Vorbild
genommen. Des weiteren ist die nur aus einem Raum bestehende Hütte sehr
spärlich eingerichtet und kann kaum für Atmosphäre sorgen. Neben diesen
Ansätzen ist es aber die kaum wendungsreiche, und sich im Prinzip zweimal
genau abspielende Story, die nicht gerade zu Begeisterungsstürmen
hinreißen kann.
Bleibt also noch die Frage offen, ob denn wenigstens die Splattereffekte
noch vieles herausreißen können. Zumindest auf technischem Niveau
präsentiert sich Ittenbach in dieser Hinsicht beinahe unübertrefflich, da
werden Gesichter mit Steinen komplett eingeschlagen, Körper mit Hämmern
und Schaufeln halbiert und geviertelt, alle möglich Körperteile
abgetrennt, Schädel in Nahaufnahme gespalten, und sogar mal in Hoden
herumgewühlt. Ja, genau so und nicht anders sollen handgemachte Effekte
aussehen, auf dieser Ebene ist Ittenbach nach wie vor ungeschlagen. Dennoch
dürfte der eine oder andere Gorehound enttäuscht sein, denn an die
Brutalität von "Beyond the Limits" reicht "Chain
Reaction" dann doch nicht heran, auch sind die Blutbäder nicht ganz so
zahlreich vorhanden, wie zuerst anzunehmen war. Vielmehr bilden sie nur den
Höhepunkt einer zuvor langwierig aufgebauten Handlung, die in diesem Film
mehr denn je im Vordergrund steht.
Wir erinnern uns alle an die "Schauspieler" aus Ittenbach's
Anfangszeiten, die eigentlich kaum das Recht hatten, sich als solche zu
bezeichnen. Hier hat sich in der Zwischenzeit zum Glück etwas getan, sogar
recht viele bekannte Namen finden sich im Cast. Jürgen Prochnow, hier in
einer Nebenrolle, ("Das Boot") dürfte vielen ebenso ein Begriff
sein wie Christopher Kriesa ("Hellraiser: Inferno", "Cast
Away - Verschollen", "The Man Who Wasn't There"), der den
Arzt wirklich absolut sympathisch und großartig spielt. Auch die Verbrecher
wurden passend gecastet, einige kennt man aus diversen deutschen Serien oder
sonstigen Filmproduktionen. Auch wenn viele Kritiker anderer Meinung sind,
sind die schauspielerischen Leistungen imo passabel, die einzige
Fehlbesetzung war die ständig den selben Gesichtsausdruck tragende Martina
Ittenbach, die ihre Rolle natürlich nur durch ihre persönliche Verbindung
zu Olaf bekam.
"Chain Reaction" ist kein Totalreinfall, jedoch auch nicht
Ittenbach's bestes Werk. Mittlerweile hat man langsam den Eindruck, dass,
egal wie groß die Budgets werden, der Regisseur aus Bayern immer wieder
nach dem gleichen Prinzip dreht und sich hier im Prinzip ein C-Movie unter
der hübschen, recht teuer wirkenden Oberfläche versteckt. Die Story ist in
ihren Grundzügen toll, in der Umsetzung aber von Logiklöchern behaftet und
leidet zudem daran, dass sie zweimal die gleiche Geschichte erzählt.
Trotzdem kann "Chain Reaction" durch extrem brutal agierende
Antipathie-Figuren punkten und eine schön bedrohliche Atmosphäre entstehen
lassen, die dann auf die für Ittenbach typischen, extrem blutigen
Gore-Effekte hinausläuft. Wer sich für brutale Gewaltexzesse begeistern
kann, wird gerade durch den sehr realistischen Look der Effekte seine Freude
an "Chain Reaction" haben, zart besaiteten Zuschauern sei
allerdings dringend abgeraten. Alles in allem konnte mich "Chain
Reaction" gut und blutig unterhalten, dennoch sollte man nach
mittlerweile 17 Jahren Regie-Erfahrung und einem Budget von 1 Million $
etwas mehr von einem Filmemacher erwarten können. |