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Exorzismus, Dämonen, biblische Mystik -
Eigentlich DER ideale Stoff für einen Horrorfilm. Irgendwie
ist es daher komisch, dass in der Vergangenheit sich nur wenige Filme dieser
Thematik angenommen haben. Gänsehautgarantie bedeutet ja schließlich oft
auch volle Kinokassen.
Damit es mit einem Erfolg an der Kinokasse
auch klappt, ist man bei "Der Exorzismus von Emily Rose"
offensichtlich auf Nummer sicher gegangen: Das altbekannte Exorzismus-Motiv
wird eingebunden in ein packendes Gerichtsdrama à la John Grisham.
Inklusive "Einspruch, Euer Ehren!", Überraschungszeugen,
sympathischer Anwältin, karrieregeilem Staatsanwalt und allem was sonst
noch dazugehört. Hinzu kommt dann noch ein Hauch von True-Crime-Cinema,
schließlich vermarktet der Verleih den Film als "Eine wahre
Geschichte".
Was soll man sagen? Der Film funktioniert! Die
Gruseleffekte sind wohldosiert und verfehlen ihre Wirkung nicht. Der
Spannungsbogen ist gut gedehnt, da die Geschichte der Emily Rose in Form von
Rückblenden bei den Zeugenaussagen vor Gericht erzählt wird. Rededuelle
der verschiedenen Parteien vor Gericht wechseln sich ab mit
übernatürlichen Heimsuchungen der Beteiligten und eben schaurigen Momenten
aus der Leidensgeschichte Emily's.
Die junge Jennifer Carpenter macht ihren Job
als Emily Rose wirklich sehr gut. Der Wandel vom unbeschwerten fröhlichen
Teenager hin zur verstörten, abgemagerten Besessenen kommt gut rüber.
Anfangs bildhübsch ist Emily Rose gegen Ende des Films arg ramponiert. In
physischer wie psychischer Hinsicht.
Auch die anderen Schauspieler, allesamt vom
Bekanntheitsgrad nicht gerade das, was man unter Hollywood-Größen
versteht, beherrschen ihr Handwerk. Allen voran Laura Linney als zunächst
skeptische Rechtsanwältin, die im Verlauf der Handlung selbst von
dämonischen Kräften heimgesucht wird. Heimgesucht wird auch Tom Wilkinson
in seiner Rolle als Father Moore. Er ist der nette Priester von nebenan, der
es erstmals mit dem Leibhaftigen zu tun bekommt. Er ist eindeutig als
Sympathieträger des Films installiert.
Also ist "Der Exorzismus von Emily
Rose" ein durch und durch gelungener Film? - Einspruch, Euer Ehren!!
Wirklich RICHTIG überzeugend ist "Der
Exorzismus von Emily Rose" lediglich während der ersten guten Stunde,
zumindest als Horrorfilm. Hier wird geschockt und gegruselt, dass sich der
Film wirklich nicht sehr weit hinter dem One-and-only Original "Der
Exorzist" verstecken bräuchte. Die Schockeffekte, Atmosphäre und
wirklich gruseligen Momente während der ersten Hälfte des Films sind
absolut over the top und für eine FSK Freigabe ab 12 wirklich sehr
albtraumhaft inszeniert. Der Zuschauer wird sich sicherlich dabei
erwischen, wie er sich das ein oder andere Mal die Hand vor die Augen hält:
Welche Schrecken mögen da jetzt hinter der Tür lauern? Welche schreckliche
Dämonenfratze taucht als nächstes auf?
Danach verlagert sich der Schwerpunkt des Films jedoch zunehmend auf die
Geschehnisse im Gericht. Dabei wird dann leider in den Plädoyers,
Zeugenaussagen etwas sehr dick und schnulzig aufgetragen. Statt Spannung
überwiegt hier pseudoreligiöses Gelaber.
Das Ende, das Urteil samt Begründung, ist irgendwie unbefriedigend. Hier
mussten die Macher Tribut an ihren Anspruch zollen, die Story als
"wahre Geschichte" zu verkaufen.
Der Film brüstet sich nämlich mit dem
Hinweis, die Geschichte basiere auf einer wahren Begebenheit. Das mag
vielleicht sogar stimmen, als Vorlage diente wohl der berühmte
Exorzismusfall der Anneliese Michel aus dem Jahr 1976. Allerdings ist
eben dieser krampfhafte Versuch, alles als authentisch zu präsentieren,
letztendlich das einzige Manko dieses an sich sehr gelungenen
Films. Die Verantwortlichen hätten vielleicht besser daran getan, true
story true story sein zu lassen und den Film als rein fiktiven
Gruselschocker durchzuspulen. Nichtsdestotrotz ist "Der Exorzismus
von Emily" ein qualitativ hochwertiger, sehr unterhaltsamer
Genrebeitrag, der auch einen Blick über den Tellerrand wagt.
Fazit: Gelungener Mix aus Exorzisten-Grusel
und Gerichtsdrama!! Sehr unterhaltsam!! |