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Fürst
Arnolfini (Fernando Hilbeck) benötigt die Hilfe eines Söldnertrupps, um
seine ehemalige Festung wieder in seinen Besitz bringen zu können. Als
Gegenleistung verspricht er den Söldnern, dass sie die Festung
anschließend plündern dürfen. Nach einer siegreichen Schlacht hält
Arnolfini sein Wort allerdings nicht, sondern knöpft der Söldnerschar das
ganze erbeutete Gold wieder ab und treibt sie aus der Burg. Die Söldner,
geführt von dem toughen Martin (Rutger Hauer), schmieden allerdings schnell
einen Plan, um sich für diese Demütigung zu rächen. So überfallen sie
eines Tages eine Kutschen-Eskorte Arnolfinis, verletzen ihn und seine
Männer schwer und entführen außerdem die bildhübsche Agnes (Jennifer
Jason Leigh), welche Arnolfinis Sohn Steven (Tom Burlinson) versprochen war.
Agnes muss daraufhin einiges über sich ergehen lassen, schafft es aber,
Martins Herz für sich zu gewinnen. Die Söldner nisten sich in einer
großen Burg ein und frönen dem neuen Luxus, der sich ihnen bietet,
während Arnolfini und seine Männer ihnen dicht auf den Fersen sind. Es
kommt letztendlich zu einer großen Belagerung, bei der auf beiden Seiten
deutliche Verluste zu verzeichnen sind und Steven in die Hände von Martin
und seinen Leuten gerät. Nun muss sich Agnes für einen von Beiden
entscheiden...
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"Fleisch
& Blut" war der erste aufwändige US-Film des niederländischen
Skandal-Regisseurs Paul Verhoeven. Mit diesem Namen sollte jeder etwas
anfangen können, steht er doch in Verbindung mit derart bekannten Werken
wie "Basic Instinct", "Starship Troopers",
"Robocop" oder "Total Recall". Obwohl er zu Verhoeven's
besten Arbeiten überhaupt zählt, konnte der 11 Millionen Dollar teure
Mittelalterfilm "Fleisch & Blut" im Jahr 1985 nur für
mäßige Erfolge sorgen und gehört auch eher zu den oftmals weniger
genannten Streifen des Filmemachers. Eine Frechheit eigentlich, denn nie
zuvor wurde das Mittelalter so brutal, dreckig, düster und roh eingefangen,
wie es hier der Fall ist. Der Streifen kombiniert all das, wofür der Name
Paul Verhoeven steht und macht daraus einen unwiderstehlichen Mix aus
Abenteuer, Romantik, Action und Provokation.
Hoch anrechnen darf man dem Werk, dass es sich technisch auf absolut
höchstem Niveau befindet. Dank der Zusammenarbeit mit Kameramann Jan de
Bont ("Speed") und dem ordentlichen Budget sieht "Fleisch
& Blut" in keinster Weise nach einem günstigen Werk aus, sondern
vermittelt sofort die Atmosphäre eines teuren Hollywood-Spektakels. Auch
die Handlung des Films verdient ein Lob, so ist sie nämlich nicht nur auf
Gewalt und die düstere Seite des Mittelalters aus, sondern bringt dazu noch
einen äußerst interessanten Liebes-Aspekt ein. Die gebildete, gesittete
und jungfräuliche Agnes, welche dem Naturwissenschaftler Steven versprochen
ist, wird von einem Pack abstoßender, mordender und vergewaltigender
Söldner entführt und entwickelt eine Art Abhängigkeit von deren Anführer
Martin, weil er der Einzige ist, der sie vor den anderen beschützen kann.
Auf der anderen Seite steht Steven, ein junger Mann, der keine Erfahrung im
Kampf hat und sich lieber hinter Büchern versteckt. Bei seiner
Befreiungsaktion muss er allerdings beweisen, dass auch in ihm ein Mann
steckt und darf im Verlauf des Films immer weiter über sich hinauswachsen.
Man muss in jedem Fall etwas für das Mittelalter übrig haben, um Gefallen
an "Fleisch + Blut" finden zu können. Hier wird nämlich all das
gezeigt, was man aus Geschichtsbüchern und laschen Hollywoodfilmen nur
erahnen kann, nämlich die düsterste und dreckigste Seite dieser harten
Zeit. Frauen sind für die Söldner nicht mehr als Huren, die nach belieben
vergewaltigt werden, was Paul Verhoeven auch offen und ungeniert zeigt. Es
gibt zahlreiche Sexszenen in "Fleisch + Blut" welche allesamt
nicht für prüde Zuschauer geeignet sind. Der Regisseur hat es wie kein
zweiter verstanden, den harten Ton des Mittelalters perfekt auf Zelluloid zu
bannen. Brandschatzung und Gewalt dürfen ebenso nicht fehlen wie die Pest,
welche sich gegen Ende des Films in all ihrer Unbarmherzigkeit ihre Opfer
sucht. Blut spritzt zwar nicht in unerschöpflichen Mengen, aber wenn es mal
zur Sache geht, dann zeigt uns "Fleisch & Blut" alles und
blendet kein Detail aus. Man hat hier zu wirklich jedem Zeitpunkt das
Gefühl, sich im finstersten Mittelalter zu befinden, wofür man Verhoeven
nur loben kann.
Die Sets und Bauten sind mindestens genau so fabelhaft und tun ihr übriges
für ein einfach nur stimmiges Gesamtbild. Die riesige Festung, welche die
Söldner einnehmen, wurde wunderbar in Szene gesetzt. Was vielen an
"Fleisch & Blut" nicht gefallen dürfte, ist die Tatsache,
dass einem hier nicht gerade Action am Fließband geboten wird. Es gibt
eigentlich nur zwei große Action- bzw. Kampfszenen, die sich jeweils am
Anfang des Films und gegen Ende finden, dazwischen konzentriert sich
Verhoeven auf das raue Leben der Söldnertruppe um ihren Anführer Martin.
Ich persönlich hatte kein Problem damit, keinen reinrassigen Actionfilm zu
sehen, sondern kann dies sogar nur gut heißen. Dadurch gewinnt das Werk
sogar noch etwas an Tiefe. Auch der romantische Anteil im Film ist nicht
unwichtig und wurde schön eingearbeitet, ohne das Ganze zu kitschig werden
zu lassen. Die Frage, ob sich Agnes letzten Endes für Martin oder für
Steven entscheiden wird, steht permanent im Raum und macht das Geschehen
noch spannender, als es ohnehin schon ist.
Kleinere Logikfehler tauchen dann und wann zwar auf, doch darauf werde ich
an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Ich habe an "Fleisch &
Blut" absolut nichts auszusetzen und kann nicht verstehen, wieso er bis
heute im Schatten von Verhoeven's anderen Werken steht. Der Film ist absolut
unterhaltsam, abwechslungsreich, wunderbar inszeniert und gibt ein
glaubhaftes Bild des Mittelalters wieder. Auch die Schauspieler agieren
schlichtweg überragend. Rutger Hauer, den man noch aus "Hitcher - Der
Highwaykiller" kennt, wurde einfach perfekt für die Rolle des
knallharten Söldnerführers Martin ausgewählt, da er eine romantische Ader
mit einer psychopatischen Ausstrahlung problemlos verknüpfen kann. Respekt
zollen muss man auch Jennifer Jason Leigh, denn die damals noch überaus
junge Schauspielerin ließ sich in einigen durchaus gewagten und sehr
freizügigen Szenen filmen, was sicherlich nicht jede Darstellerin hätte
über sich ergehen lassen. Auch die restliche Besetzung, Tom Burlinson als
Steven, Jack Thompson als Hawkwood und Fernando Hilbeck als Arnolfini
agieren überragend und in jedem Fall glaubwürdig.
Ich habe "Fleisch + Blut" schon einige Male gesehen und mag ihn
von Mal zu Mal mehr. Dank seiner Kompromisslosigkeit in jeder Hinsicht ist
Paul Verhoeven hiermit ein dreckiger, pessimistischer und harter
Mittelalter-Film gelungen, der seine provokante Seite bestens mit einer
unterhaltsamen und zu keiner Sekunde langweiligen Liebesgeschichte verbinden
kann. Zwei Stunden lang entführt uns Skandalregisseur Verhoeven hier in
eine Welt aus Krieg, Liebe, Mord und Pest und lässt einen am Ende
vollkommen zufrieden und bestens unterhalten zurück. Schauspieler, die
besser nicht hätten gecastet werden können, runden das Meisterwerk ab.
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