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Déjà vû mit
drallen Damen...
"Texas
Chainsaw Massacre", "Wrong Turn",
"Shining", "Francis Ford Coppola's Dracula".
Darf's noch ein bisschen "Blairwitch Project" sein??
"Forest of
the Damned" bedient sich gnadenlos bei den oben genannten
Klassikern. "Dreister Diebstahl!", werden einige Stimmen
laut, angesichts der Tatsache, dass stellenweise ganze Szenen fast
1:1 kopiert sind. Doch was soll man sagen? - Ganz so schlecht, wie
viele Kritiker ihn finden, ist der Film nicht. Im
Gegenteil: Hat sich der Zuschauer damit abgefunden, dass der Film
nun wirklich nicht das Rad neu erfinden will, wird er sehr gut
unterhalten.
Die Story ist
nicht gerade Anwärter auf den filmischen Innovationspreis. Hier ein
bisschen Mystik à la "God's Army", dort ein bisschen
Backwood, hier ein paar Teenies, dort das Grauen im Wald. Alles
schon tausend mal gesehen. Doch alles auch 1001mal immer wieder
GERNE gesehen. Zumal hier mit neuer Location: Statt
Rocky-Mountains-Texas-Prärie gibt es zur Abwechslung mal Einblicke
in die englische Forstwirtschaft.
Direkt zu Beginn
zitiert eine Stimme aus dem Off einen Bibelvers über Engel, Lust
und Frauen. Das ist schön. Das ist stimmungsvoll. Das ist etwas,
wovon man mehr hätte hören und sehen wollen. Leider greift der
Film dieses Thema im weiteren Verlauf der Handlung nur noch am Rande
auf. Die Mythologie dient lediglich als Aufhänger, die Existenz
barbusiger blutgieriger Frauen mitten im Wald zu begründen.
Nackte Frauen
aus dem Nebel...
Die gefallenen
Engel, vampirische Waldnymphen, sind sehr nett anzusehen. Sie rennen
die ganze Zeit nackig durch die Büsche, becircen ihre Opfer
zunächst mit sinnlicher (Lesben-) Erotik, um dann ihre
mörderischen Fangzähne in Hals oder Gesicht zu rammen. Anfangs
wirklich bildhübsch, verwandeln sie sich in schaurige
Monster. Kontaktlinsen-Effekte stehen hier hoch im Kurs.
"Ihr dürft ihnen nicht in die Augen schauen!" Die Augen -
das zentrale Thema des Films. Auch die Kamera fokussiert
entsprechend auf die Pupillen der Darsteller. Bei Vampiren oder
Opfern. Terror oder Furcht spiegelt sich in ihnen wider.
Bei den
Schauspielern hat man sich zum Glück keiner Rednecks bedient. Die
jungen Darsteller machen ihre Sache sehr ordentlich, wobei ihre
Rollen zugegebener Maßen auch nicht gerade sehr anspruchsvoll sind.
Tom Savini, dessen Stärken dann doch eher hinter der Kamera liegen,
ist hier mit seinem irren Blick als Bürgerschreck in seinem
Element. Besonders hervorzuheben sind die Hauptdarstellerin Nicole
Petty, die ein wenig an Liv Tyler oder Bettina Zimmermann erinnert,
und Sophie Holland, als zynisches Spießer-Girl. Optisches Highlight
sind jedoch die "gefallenen Engel"-Ladies.
Klischees und gespaltene Persönlichkeiten
Alle Klischees
werden bedient: Kruzifixe helfen gegen Vampirschlampen, Vollmond,
Nebel, Rednecks mit Redneck-Sprüchen, Teenies mit Teenie-Sprüchen.
Bei den Teenies ist natürlich die Hauptdarstellerin der Ruhepol und
die Vernunft in Person. Remember Wrong Turn? Remember TCM?
Dass die Teenies natürlich strikt die Regeln des Horror-Kinos
beachten, dürfte wohl klar sein:
"Ich sagte doch, da draußen im Wald ist irgendwas. Ich hol'
noch ein bisschen Holz!"
Und wohl kaum jemand dürfte in Zeiten von Feminismus und
Emanzipation auf die Idee kommen, ohne höfliche Anfrage zu drei
nacktbadenden Frauen ins Wasser zu hüpfen...
Wenn schon
Klischees bedient werden, dann soll der Splatter nicht hinten
anstehen. Gesplattert wird ordentlich, wenn auch nicht übermäßig.
Köpfe werden abgerissen, Gesichter abgebissen, Gedärme
rausgerissen. Tom Savini, der hier eigentlich als Schauspieler den
verschrobenen Einsiedler-Psycho gibt, wird zwar nicht offiziell als
Special-Effects-Kraft angegeben, dürfte aber bei den ein oder
anderen Effekten unterstützend eingegriffen haben. Zumindest als
Inspirationsquelle: Die Szene, in der einer der Teenies von den
Furien auseinandergerissen wird, erinnert stark an den
"zwiespältigen" Soldaten aus "Day of the Dead".
Gelungen ist auf
jeden Fall der Spannungsaufbau mancher Szenen. Musik und Kamera
ergänzen sich dabei gut. Auch zwei drei Schockeffekte, zum Beispiel
direkt zu Beginn, funktionieren. Insgesamt ist "Forest of
the Damned" zwar eine billige Klassiker- Kopie, kann jedoch
über die ganze Filmlänge gut unterhalten.
Bleiben noch folgende Fragen:
Ist die
Überbelichtung und etwas merkwürdige Farbgebung des Films
stilistisches Mittel des Regisseurs oder auf beschränkte
finanzielle Mittel zurückzuführen?
Hören Briten nur
Drum'n'Bass?
Haust Marilyn
Manson in englischen Wäldern?
Fazit:
Blairwitch meets Wrong Turn meets TCM: Britischer Backwood-Horror
mit Vampir-Einschlag. Anspruchslos aber unterhaltsam. |