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Charles
Band, bei uns weitgehend unbekannt, ist ein großer Name im B-Movie
Bereich. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der sich fast
ausschließlich dem Horrorfilm verschrieben hat, inszenierte nicht
nur zahlreiche billige und trashige Machwerke selbst, sondern
gründete zudem das Produktionsstudio Full Moon Features. Band ist
bekannt für die "Puppet Master" Reihe, die mittlerweile
schon ganze 9 Teile umfasst. Es scheint eine Vorliebe Bands zu sein,
ganz nach dem Vorbild von "Chucky", kleine, unscheinbare
Spielzeuge auf Menschen loszulassen. Diesem Laster frönt Band auch
in "The Gingerdead Man", wobei es hier allerdings keine
Spielzeuge sind, die 60 Minuten lang diverse Leute massakrieren
dürfen, sondern sage und schreibe ein lebendig gewordener
Lebkuchenmann. Das ist so dämlich und abstrus, dass es eigentlich
nur Spaß machen kann.
Ganz so unterhaltsam, wie ich mir den Streifen ausmalte, war er dann
aber auch wieder nicht. Doch der Reihe nach. Obwohl angegeben ist,
dass "The Gingerdead Man" eine Laufzeit von knapp 70
Minuten hat, dauert der Hauptfilm nur eine Stunde, die restlichen 10
Minuten gehen für den Abspann drauf. Nun ja, sicherlich auch eine
Art, ein an und für sich viel zu kurzes Werk noch ein bisschen zu
strecken. Doch wer mit den Arbeiten von Charles Band vertraut ist,
der weiß, dass derartige Laufzeiten bei ihm keine Seltenheit sind
und so habe ich an dieser Stelle auch keinen Grund zur Beschwerde.
Dass die Story bei einem Film, der von einem lebendig gewordenen
Lebkuchenmann handelt, nicht sehr anspruchsvoll ist, das versteht
sich natürlich von selbst. Doch anstatt die ganz trashige Schiene
zu befahren, scheint die Handlung von "The Gingerdead Man"
gewohnt altbekannt und in wenigen Sätzen geschildert. Die
Ereignisse finden über den ganzen Film lediglich in der kleinen
Bäckerei statt, denn ein riesiges Budget war, wie bei allen
Band-Produktionen, natürlich nicht vorhanden. Das Erfreuliche
hieran ist jedoch wieder einmal, dass Charles Band weiß, wie man
ein billiges B-Movie dennoch gut aussehen lässt und so erweckt
"The Gingerdead Man" auf den aller ersten Blick
tatsächlich noch den Eindruck einer ordentlichen, gut
ausgestatteten Produktion. Doch beim näheren Hinsehen finden sich
schnell Mängel: Die Story wird in keinster Weise eingeleitet oder
plausibel eingeführt, schon in der ersten Sekunde befinden wir uns
in der Bäckerei und sehen dem hässlichen, unverwechselbaren
Schauspieler Gary Busey dabei zu, wie er den Vater und den Bruder
von unserer austauschbaren Hauptdarstellerin Sarah umlegt. So weit
so gut, als nächstes gibt es einen kleinen Zeitsprung und anhand
von Zeitungsartikeln werden wir darüber in Kenntnis gesetzt, dass
besagter Mörder auf dem elektrischen Stuhl gegrillt wurde.
Diese und weitere Aspekte werden in knapp 5 Minuten abgehandelt, was
unterstreicht, dass Band keinerlei Wert auf seine Charaktere legt.
Aber warum sollte er auch? Ein Film über einen mordenden
Lebkuchenmann braucht derlei Kleinigkeiten nicht. Bei
Berücksichtigung auf das Hauptanliegen des Films - pures
Entertainment - beginnt man schnell, sich auf die wesentlichen
Faktoren zu konzentrieren, die bei einem derartigen Machwerk
entscheidend sind, doch auch diese treten -leider- nur vereinzelt
auf. Obwohl der Lebkuchenmann schnell durch eine Verkettung
unglücklicher Umstände zum Leben erwacht, kommt der Streifen
zuerst nicht richtig in die Gänge. Zu allem Überfluss entschied
sich Band nämlich doch dafür, dass eine kleine Pause für ein
Einführen seiner Charaktere wohl ganz angebracht sein könnte und
so gibt es durchaus die eine oder andere, längere Dialogszene.
Logik hat der Film in keinster Weise zu bieten. Nicht nur, dass sich
spät abends noch so viele Leute zufällig in der Bäckerei
befinden, es wird auch nicht recht klar, wieso sich die
Protagonisten nicht einfach aus dem Staub machen. Anstatt dass sie
nach dem ersten Mord fliehen, verweilen die Hauptakteure lieber noch
länger in der Bäckerei und machen sich Gedanken darüber, wie sie
den Lebkuchenmann töten können - was letztendlich, bei einem
derartigen Gegner - auch nicht all zu schwer ist. Das Verhalten der
Figuren ist total künstlich und dient natürlich nur dazu, dass sie
dem Lebkuchenmann früher oder später zum Opfer fallen.
"The Gingerdead Man" wendet also Schema F an und ist nicht
halb so einfallsreich, wie es die Grundthematik verspricht. Eine
Gruppe Vollidioten nimmt den Kampf gegen ein Gebäckstück auf, mehr
ist da nicht. Allerdings heißt das nicht, dass der Streifen nicht
auch mit Einfallsreichtum protzen könnte. Dieser ist nämlich
durchaus gegeben. So kann der Gingerdead Man trotz seiner Größe
nicht nur problemlos Auto fahren, sondern ist sogar in der Lage,
mehr als 10 Schuss aus einem 6 Schuss Revolver abzugeben. Schon sehr
erstaunlich. Das Hauptaugenmerk des Films liegt einfach darauf, dass
es ein Lebkuchenmann ist, der hier für Chaos und Terror sorgt, das
alleine ist der Ansicht von Charles Band nach schon ausreichend für
einen gelungenen Film. Und tatsächlich: Dank der kurzen Spieldauer
ist "The Gingerdead Man" eine kurzweilige und eigentlich
durchaus vergnügliche Angelegenheit, aber all zu viel Lob hat das
Werk auf der anderen Seite doch nicht verdient.
Hier und da wird uns mal ein Mord serviert, wobei sich der
Splattergrad allerdings sehr zurückhält. Eine Hand wird blutig
abgehackt und ein Messer in einen Kopf gestochen, mehr wird dem
Horrorfilmfan nicht geboten. Die, meiner Meinung nach, gelungenste
Szene ist die, in der ein Protagonist ein großes Stück aus dem
Lebkuchenmann herausbeißt und dieser dann große Mengen an Blut
verliert. Im Großen und ganzen dürfte der Streifen für
Splatterfans aber nicht interessant sein, vielmehr ist er für
Freunde des puren Nonsens geeignet. Trash à la Troma wird einem
hier allerdings nicht geboten, so gibt es keinerlei Sexszenen und
auch keine all zu offensichtlich bewusst billige Aufmachung. Auch
gibt es nicht ganz so viel zu lachen, wie man das vielleicht
erwarten könnte, doch zumindest die Schauspieler lassen einen nicht
im Stich. Allesamt spielen sie so schlecht, dass es einfach
wunderbar zum Film selbst passt. Erwähnenswert ist dabei nur Gary
Busey, dessen Visage einem sofort bekannt vorkommt und das nicht
grundlos. Der Akteur, der schon in über 100 Filmen mitwirkt,
verfügt über ein Antlitz, das man so schnell nicht wieder vergisst
und passt dadurch gut in die Rolle des Killers. Später leiht er dem
Lebkuchenmann natürlich noch seine Stimme. Dieser sieht übrigens
ganz passabel aus und wurde nicht so schlecht in Szene gesetzt, wie
es das Budget des Filmes zuerst vermuten lässt.
"The Gingerdead Man" bietet einem das, was er verspricht:
Einen mordenden Lebkuchenmann. Nicht mehr, und nicht weniger. Wer
nun meint, dies sehen zu müssen, der ist mit einem Kauf des Filmes
gut beraten, doch einen herausragenden Streifen sollte dabei niemand
erwarten. Denn mehr als das, was das Cover bereits verspricht, gibt
es hier nicht zu sehen: Einen mordenden Lebkuchenmann. Ja, das ist
so weit hergeholt, dass ich es gar nicht oft genug sagen kann. Da
ich mir ohnehin jeden noch so billigen Mist ansehe, hatte ich
durchaus meinen Spaß mit dem Titel, doch objektiv betrachtet ist
der Streifen natürlich Schund, den sich Herr Band hätte sparen
können. Für die etwas sinnloseren 60 Minuten zwischendurch aber
ganz nett anzusehen.
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