|
Die
dickliche Krankenschwester Martha Beck hat bis dato noch keinen
Lebenspartner finden können. Dies ändert sich, als eine Freundin, ohne
Marthas Wissen, eine Kontaktanzeige für sie aufgibt, woraufhin sich ein
gewisser Raymond Fernandez meldet. Er schreibt blumige Worte, umschmeichelt
Martha und zeigt ihr schriftlich, dass er keine Probleme mit ihrer üppigen
Figur hat. Martha springt auf die Umgarnungsversuche an. Ohne zu wissen,
dass Raymond Fernandez ein Heiratsschwindler ist, der viele Frauen
anschreibt um sie kurzzeitig zu lieben.
Die beiden lernen sich schließlich kennen. Für Martha beginnt nun eine
verhängnisvolle Affäre. Sie kommt dem Heiratsschwindler auf die Schliche.
Wird aber seelisch abhängig von ihm. Sie entledigt sich ihrer Mutter, mit
der bisher zusammenlebte und versucht sich an ihren Lover zu klammern.
Doch schon bald gehen die großen Probleme los. Martha zieht als Raymonds
Schwester mit los, um Geld zu ergaunern. Sie wird allerdings eifersüchtig.
Und so kann Raymond nicht mehr so handeln, wie er es gewohnt ist. Die Opfer
der beiden werden jetzt nicht nur ihres Geldes, sondern auch immer öfter
ihres Lebens beraubt… |
|
Die beiden Serienmörder Martha Beck und
Raymond Fernandez sind als „The
Lonely Hearts Killers“ in die Geschichte eingegangen. Ihr Treiben
war nicht gerade von langer Dauer, wenn man sich andere Serienmörder
betrachtet. Dafür aber sehr intensiv. Sie sollen zwischen 1947 und 1949
nicht weniger als zwanzig Menschen ermordet haben. Nachgewiesen wurde ihnen
dies aber nicht, sie gestanden „lediglich“ 12 Tötungen und plädierten
auf Schuldunfähigkeit. Dennoch sahen die Geschworenen 1949 Grund genug, um
das seltsame Pärchen zum Tode zu verurteilen. Der dann am 8. März 1951 im
New Yorker Sing Sing-Gefängnis, auf dem elektrischen Stuhl, herbeigeführt
wurde.
„Honeymoon Killers“ beschäftigt sich mit der Geschichte um Martha Beck
und Raymond Fernandez. Der Film wurde 1969 gedreht und ist für damalige
Verhältnisse recht hart und kompromisslos. Die Erzählweise des Streifens
ist eher nüchtern. Gespickt mit tödlichen Höhepunkten. Die
übergewichtige Krankenschwester Martha führt eher ein normales Leben,
zusammen mit ihrer Mutter. Ähnliches gilt für Raymond. Er ist zwar ein
Krimineller, doch bis zur Zusammenkunft mit Martha traut man ihm keinerlei
körperliche Gewalt zu. Als die beiden dann aufeinandertreffen entwickeln
sich merkwürdige Kräfte. Die Beziehung wird hervorragend dargestellt. Man
hat nie den Eindruck, als ob sich die beiden wirklich lieben. Man merkt aber
auch, dass beide nach recht kurzer Zeit nicht ohne den anderen können. Auch
wenn es für ihn als auch für sie mit Sicherheit das Beste wäre, sie
würden getrennte Wege gehen. Doch sie liebt ihn und er hat Angst, weil sie
zu viel weiß.
Wer sich für die Psyche von Serienmördern
interessiert, ist mit „Honeymoon Killers“ nicht so gut bedient. Dafür
ist er zu oberflächlich, zu uninteressiert an seinen eigenen Charakteren.
Es wird zwar von beiden Protagonisten ein gewisses Bild gezeichnet, welches
sicherlich auch der Realität entspricht, die Morde scheinen aber nur zu
passieren, weil sie passieren müssen.
Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film wurde von Musikprofessor Leonard Kastle
in den Kasten gebracht. Es war sein erster und auch letzter Film.
Prinzipiell kann man ihm keine handwerklichen Fehler nachweisen. Vielleicht
nur, dass es etwas an Tempo fehlt und manche Dialoge nur Füllszenen sind.
Denn Leonard Kastle schrieb auch das Drehbuch. Was man dem Regisseur hoch
anrechnen muss, ist die Tatsache dass er sich auch Zeit für die Opfer
nimmt. In den Szenen des Ablebens entsteht eine bizarre Stimmung, mit einem
teilweise nur schwer erträglichen Spannungsbogen. Auch wenn man nicht alles
zu sehen bekommt. Auf Spezialeffekte wurde verzichtet.
Gute Leistungen können auch den Protagonisten attestiert werden. Shirley
Stoler spielt die dicke Krankenschwester. In ihrem Gesicht kann man ein
manches Mal die Erbittertheit und ihren immer wieder aufkeimenden Hass
sehen. Tony Lo Bianco spielt den emotionslosen Gigolo und notorischen
Lügner etwas glaubhafter.
„Honeymoon Killers“ ist an sich ein ganz
passabler Film, der mit einigen Höhepunkten daher kommt. Um ein richtig
guter Film zu sein ist er zu nüchtern gedreht. Um das Denken der
Serienmörder zu präsentieren ist er zu oberflächlich. Aber er ist
sicherlich alles andere als schlecht und für Interessierte auf jeden Fall
einen Blick wert. |