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"Love Object" ist einer von den
Filmen, die zuerst einen anderen Inhalt vermitteln, als sie letztendlich
transportieren. Wer sich die Inhaltsangabe durchliest und dazu die blutigen
Bilder auf der Rückseite der DVD Hülle betrachtet, der denkt sicherlich
sofort, dass es sich hier um ein äußerst trashiges, dämliches B-Movie
handelt, in dem eine Gummipuppe ganz in der Tradition von "Chucky"
diverse Leute umbringt. So ist es allerdings ganz und gar nicht, "Love
Object" ist glücklicherweise sehr viel mehr als ein reißerisches
Horrorfilmchen, dass nur dazu dienen soll, den Blutdurst mancher Konsumenten
zu stillen. Was wir hier vielmehr haben, ist nachdenklicher Horror, der bei
genauerer Betrachtung sogar in das Genre des Dramas eingeordnet werden darf.
Außerdem, und das ist ebenso erwähnenswert, haben wir hier einen cleveren,
modernen Film, fernab von allen unsäglichen Remakes und Fortsetzungen, die
jegliche Innovation im Genre ersticken. Für "Love Object"
verantwortlich zeichnet sich ein gewisser Robert Parigi, der hiermit
außerdem seinen ersten eigenen Film drehte, während er zuvor jahrelang nur
als Produzent tätig war.
Der Mittelpunkt von dem Streifen ist, wie oftmals, wenn es nicht gerade
sexbesessene Teenager sind, die Gedankenwelt eines Außenseiters. Diese
eignen sich bekanntlich immer wieder gut, um als Verrückte, Perverse,
Mörder oder ähnliches dargestellt zu werden, da macht auch "Love
Object" keine Ausnahme. Allerdings offenbart Parigi nicht gleich, mit
wem wir es hier zu tun haben. Er stellt seinen Hauptcharakter, Kenneth, als
einen Menschen wie Du und ich dar, der fleißig seinem Job nachgeht, auf
eine Beförderung hofft und eben bei alledem etwas wenig Kontakt zu seinen
Mitmenschen hat. So weit so gut, insofern ist das noch alles
nachvollziehbar, allerdings scheinen die Jahre der Einsamkeit so ihre Spuren
bei dem guten Kenneth hinterlassen zu haben. Für 10.000 Dollar legt er sich
eine Sexpuppe zu, die er dem Abbild seiner neuen Kollegin gleich herstellen
lässt. Allerdings wird spätestens dann klar, dass der unscheinbare,
gutaussehende Kerl eine Schraube locker hat, wenn er sich nicht nur mit ihr
unterhält und -natürlich- Sex mit ihr hat, sondern meint, ein schlechtes
Gewissen haben zu müssen, wenn er sich plötzlich mit der realen Lisa
trifft.
Das mag nun für viele sicherlich lächerlicher klingen, als es tatsächlich
ist, denn "Love Object" gibt sich nie die Blöße, sich selbst als
das darzustellen, was man zuerst von ihm vermuten wurde. Der Film ist
wirklich zu keinem Zeitpunkt lächerlich oder peinlich in Szene gesetzt,
sondern meist plausibel. Anders als dies in billigen Trashmovies der Fall
wäre, läuft die Puppe nicht plötzlich durch die Gegend, woraufhin der
Zuschauer erst am Ende erfährt, dass sich alles im Kopf des
Hauptprotagonisten abgespielt hat. In "Love Object" ist man sich
als Zuschauer stets absolut im Klaren darüber, dass Kenneth ein Rad ab hat
und sich das Eigenleben seiner Sexpuppe nur vorstellt, was aber nicht
heißt, dass es nicht doch Momente gibt, in denen einem ein Schauer den
Rücken hinunterläuft. Der Wahnsinn, der den jungen Mann immer öfter
überfällt und ihn glauben machen lässt, die Puppe würde ihm aus
Eifersucht nach dem Leben trachten, wurde sehr schön eingefangen. Als
Beispiel möchte ich hier eine Verfolgungsjagd in einem unterirdischen
Parkhaus nennen, bei der Kenneth glaubt, von der Puppe Nikki verfolgt zu
werden. Parallel dazu sehen wir immer wieder kurze Aufnahmen der Puppe,
werden aber kurz darauf davon in Kenntnis gesetzt, dass es sich bei der
"Verfolgerin" nur um Lisa gehandelt hat, die mit Kenneth reden
wollte.
So schafft es der Regisseur, ein schwieriges Thema, die
"Bedrohlichkeit" einer Sexpuppe, glaubhaft rüberzubringen ohne
sich dabei in Absurditäten zu verlieren. Man begibt sich auf Dauer immer
tiefer in die Gedankenwelt Kenneth's. Er will eine Beziehung mit Lisa,
bekommt aber die Puppe nicht aus seinem Kopf, der er sich verpflichtet
fühlt. Als Lisa dann hinter die Ganze Sache kommt, bricht sie den Kontakt
zu Kenneth ab und die Situation eskaliert. Das ist dann auch der Moment, in
dem "Love Object" plötzlich ganz andere Züge annimmt. Die erste
Stunde des Films ist sehr ruhig gehalten, der Wahn Kenneth's ist zwar
durchaus beklemmend, aber man sieht nichts, was einen daran erinnert, dass
man sich einen Horrorfilm ab 18 ansieht. Erst gegen Ende, wenn Kenneth sich
nicht mehr zu helfen weiß und sich alles immer weiter zuspitzt, wird man
auch mal mit blutigen Szenen konfrontiert, so etwa der Zersägung eines
Menschen. Allerdings werden Splatterfans keine Freude an "Love
Object" haben, denn obwohl das Blut durchaus mal spritzt, ist das Ganze
viel zu ernst geraten.
Im Großen und Ganzen habe ich kaum Kritikpunkte zu vermelden. Der Film ist
spannend, spitzt sich immer weiter zu und bietet eine reihe interessanter
Charaktere. Die Inszenierung ist einwandfrei, lediglich eines hätte noch
mehr ins Licht gerückt werden können: Wir erfahren kaum etwas darüber,
wie Kenneth derart verrückt wurde, dass er plötzlich glaubt, einer
Sexpuppe verpflichtet zu sein. Natürlich ist da die Erklärung mit der
Isolation, doch dies alleine ist, wie ich finde, etwas knapp. Von dem
abgesehen hat "Love Object" allerdings keinerlei Aspekte, die
einem negativ auffallen würden. Dies gilt ebenso für die Schauspieler,
allen voran Desmond Harrington in der Hauptrolle. Harrington ist ein Akteur,
der zwar noch nicht ganz so bekannt ist, den ich persönlich aber immer
wieder gerne sehe, nicht zuletzt durch seine überzeugenden Leistungen in
Filmen wie "Ghost Ship" oder "Wrong Turn". Der
Schauspieler mit der einzigartigen Ausstrahlung hat einfach das gewisse
Etwas, das es ihm möglich macht, einen Film wie "Love Object"
fast im Alleingang zu tragen. Ihm zur Seite stehen dabei zusätzlich Melissa
Sagemiller, welche eine glaubhafte Lisa abgibt, sowie der Deutsche Udo Kier
in einer Nebenrolle.
Es gibt heutzutage einfach viel zu wenig Filme wie "Love Object",
die sich auch mal trauen, eine neue, interessante Geschichte zu erzählen.
Obwohl man dies im ersten Moment wohl kaum annehmen würde, ist der Streifen
dabei von Anfang bis Ende ziemlich ernst geraten und beleuchtet die
Problematik der Isolation und ihrer Folgen. Ein Horrorfilm im eigentlichen
Sinn ist "Love Object" dabei eigentlich nicht, vielmehr ein Drama
mit einigen erschreckenden Szenen. Da es allerdings durchweg spannend und
gekonnt in Szene gesetzt wurde, spricht nichts dagegen, dass sich auch mal
diejenigen den Film ansehen, die ihn angesichts seiner absurden Story für
ein dämliches Trashmovie halten. Tolle Darsteller und ein unerwartetes Ende
runden das Ganze exzellent ab. |