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Erinnert sich noch jemand an Corey Feldman? Ja,
ganz richtig, das war der kleine Junge, der damals in den 80ern in zwei
"Freitag der 13." Teilen als stark traumatisiertes Opfer von Jason
Voorhees zu sehen war und auch recht gute Kontakte zu Steven Spielberg zu
pflegen schien, so stand er nämlich für die Kassenschlager
"Gremlins" und "Die Goonies" vor der Kamera und mauserte
sich schnell zu einem der höchstbezahlten Kinderstars seiner Zeit. Irgendwann
folgte dann der Wendepunkt und seitdem stolpert Feldman von einem B-Movie zum
Nächsten, ist zwar akut dauerbeschäftigt, aber ebenso erfolglos. Der
Durststrecke wollte er nun allem Anschein nach ein Ende setzen, denn mit
"The Birthday" erschien im Jahr 2004 ein spanischer Film, der den
Akteur nicht nur in der Hauptrolle zeigt und sich beinahe komplett auf ihn
verlässt, sondern auch von ihm co-produziert wurde.
Der große Knaller, den man an dieser Stelle
sicherlich erwartet hätte, erwartet den Fan phantastischer Unterhaltung hier
allerdings leider nicht. Bereits die Story lässt auf ein sehr ungewöhnliches
Filmerlebnis schließen und genau das bekommt man auch geboten. Der spanische
Regie-Debütant Eugenio Mira schuf mit "The Birthday" eine völlig
skurrile Mystery-Komödie, die von seinem Verleih gerne mal mit "Donnie
Darko" oder den Werken David Lynch und H.P. Lovecraft verglichen wird. So
schmeichelhaft derlei Nebeneinanderstellungen für "The Birthday"
auch sein mögen, genau so wenig treffen sie im Endeffekt tatsächlich zu. Nur
schwerlich lässt sich das schrille Low-Budget Project einer bestimmten
Gruppierung von Filmfans empfehlen, da hier reichlich Zutaten aus allen nur
erdenklichen Richtungen gekonnt vermischt werden. Somit lässt sich auch nach
Betrachtung des Films nur mit Mühe sagen, was man denn da nun eigentlich
gesehen hat.
Norman Forrester ist ein typischer Loser. Er hat
eine Riesenangst vor dem ersten Treffen mit seinem Schwiegervater und setzt
natürlich sogleich alles in den Sand. Zuerst will man ihn gar nicht
hineinlassen, später steht Norman wie im falschen Film inmitten einer Menge
reicher Snobs, von denen ihn keiner kennt. Er selbst ist schüchtern,
unsicher, stets widerspruchslos und einfach überfordert angesichts der
Situation. Eine typische Identifikationsfigur also und gleichsam auch der
Grund, wieso der Zuschauer das Geschehen gebannt bis zum Ende verfolgen wird.
Norman reitet sich immer wieder selbst in eine unliebsame Situation in die
nächste, etwa wenn er von seinem Schwiegervater in spe vor allen Versammelten
bloßgestellt wird und sich immer weiter um Kopf und Kragen redet. Dennoch ist
diese Figur mit all ihren Ecken und Kanten um so liebenswürdiger.
Die erste Hälfte des Films beschränkt sich
komplett auf den komödiantischen Aspekt, auch wenn der Film unter diesem
Gesichtspunkt nicht vollends überzeugt. Richtige Lacher bleiben stets aus,
doch der Unterhaltsfaktor wird durch allerlei schräge Momente und irrsinnige
Dialoge ("Waren sie schon einmal in einer Kühltruhe?") konstant auf
einem hohen Level gehalten. Je mehr die Handlung, die hier im Übrigen in
Echtzeit geschildert wird, voranschreitet, desto mehr scheint "The
Birthday" auch die Bezüge zur Realität abzulegen, denn irgendwann
entwickelt sich das Ganze in eine gänzlich andere Richtung. Norman bekommt es
plötzlich mit dem Personal des Hotels zu tun, die in dieser Nacht ein
Menschenopfer darbringen und dadurch eine mächtige Gottheit wieder zum Leben
erwecken wollen. Fortan gerät der schüchterne Loser von einer Prügelei in
die nächste und wird von einem Fanatiker verfolgt, der in Norman die einzige
Rettung der Welt sieht.
Klingt spaßig, ist es auch, doch leider nicht
in erwartetem Maße. Die zweite Hälfte lässt deutlich eine gewisse Portion
Action vermissen, auch fließt zu keinem Zeitpunkt nennenswert Blut. Käufer,
die auf ein irres Splatterspektakel à la "Botched - Voll verkackt"
hoffen, sind also an der falschen Adresse. "The Birthday" steigert
das Tempo zwar von Minute zu Minute, mündet aber letztendlich in einem
absolut enttäuschenden Finale, das zwar technisch, aber nicht inhaltlich
überzeugen kann. Eine Zumutung ist auch das völlig abrupte Ende, das zwar
erahnen lässt, wie die Story zu Ende geht, diesen Gedanken aber dem Zuschauer
überlässt und stattdessen viel zu schnell den Abspann einleitet, obwohl
einige wichtige Fragen noch nicht geklärt sind. Aus der "Sekte will
ihren Gott wieder zum Leben erwecken"-Geschichte hätte man im
Allgemeinen einfach mehr machen müssen, denn so überzeugt letztendlich nur
die erste Hälfte des Films vollends.
An den Schauspielern gibt es dafür rein gar
nichts auszusetzen. Corey Feldman ist durchweg gut aufgelegt und macht seine
Sache grandios. Er wusste es auszunutzen, dass er seit lange wieder einmal
eine bedeutsame Hauptrolle spielen konnte und liefert eine überzeugende
One-Man-Show. Sein Norman ist so hilflos wie sympathisch und vor allem im
Originalton durch Feldmans lustige Aussprache noch weitaus charmanter. An
seiner Seite sehen wir eine hübsche Erica Prior in der Rolle der Alison, die
Norman zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt und keinem seiner Worte Aufmerksamkeit
schenkt. Gerade die Momente, in denen Beide gemeinsam vor der Kamera stehen,
sind köstlich.
Nach "The Birthday" muss man erst
einmal durchatmen und seine Synapsen wieder in Einklang bringen. Corey Feldman
und Eugenio Mira lassen hier ein absolut schräges, undefinierbares
Mystery-Comedy-Kaliber auf ihre Zuschauer los, das zwar nicht vollends
überzeugt, dafür aber von keinem so schnell wieder vergessen wird. "The
Birthday" ist vor allem in seiner ersten Hälfte eine charmante und
zuweilen durchaus witzige Komödie, der die großen Lacher zwar verwehrt
bleiben, die aber perfekt zu unterhalten weiß, während sich die zweite
Hälfte des Films schließlich durch einen unausgerorenen Schluß selbst ins
Knie schießt. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen, überzeugen das seltsam
anmutende Finale und das offene Ende doch nur geringfügig und machen einige
Möglichkeiten zunichte, die "The Birthday" ansonsten offen
gestanden wären. Dennoch sollten sich Filmfans, die ein offenes Auge für
schräge Kost fernab des Mainstreams haben, durchaus mal auf den Streifen
einlassen, denn einen Versuch ist es wert - alleine schon dank dem grandiosen
Corey Feldman. |