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Es hat ganz den Anschein, als wäre Neil
Marshall's klaustrophobischer Höhlen-Horror "The Descent" auch in
der Ukraine ganz gut angekommen, dies scheint die einzig vernünftige
Erklärung zu sein, wieso der Regie-Neuling Lubomyr Kobylchuk auf die Idee
kam, sich an einer Kopie seines scheinbaren Vorbilds zu versuchen und den
Streifen "Shtolnya" auf die Beine zu stellen, der der besseren
Verständlichkeit wegen im Ausland als "The Pit" vermarktet wird.
Nun ist es allerdings sicherlich kein Geheimnis, dass die Ukraine im
Allgemeinen nicht gerade als Exportschlager für erfolgreiche Filme gewertet
werden darf. Genau genommen kam bis heute noch nie irgend eine nennenswerte
Produktion aus der osteuropäischen Republik. Dies wirft die Frage auf, wieso
es gerade ein B-Movie aus der Ecke des Horrorfilms, dessen Beteiligte allesamt
keinerlei Erfahrung in der Filmerstellung vorzeigen dürfen, schaffen sollte,
an diesem Faktum etwas zu ändern?
Doch wenn nun schon beinahe jedes hinterletzte,
filmtechnisch noch so unbedeutende, europäische Land in den letzten Jahren
seinen eigenen Beitrag zum Horrorfilm geleistet hat, wieso nicht auch die
Ukraine? Blöderweise ging der Versuch gehörig nach hinten los und
resultierte darin, dass nun ein weiterer Streifen in den deutschen Regalen
stehen wird, den die Welt nicht braucht, der aber dank seines relativ
passablen Covers sicherlich noch einige Käufer findet, die sich im Nachhinein
grün und blau ärgern werden. Was aber macht denn "The Pit" nun so
grottenschlecht? Es liegt natürlich die Vermutung nahe, dass das Werk
letztendlich an seiner, bereits tausendmal in ähnlicher Form da gewesenen,
Story krankt, doch dies ist nicht einmal der Hauptgrund. Schließlich lehrt
die Erfahrung den Horrorfilm-Fan des Öfteren, dass begabte Regisseure in
Ausnahmefällen auch aus den ältesten Plots noch etwas Vernünftiges zaubern
können. Doch nicht nur, dass Lubomyr Kobylchuk scheinbar nicht zu diesen
Talenten zählt, er setzt "The Pit" auch auf allen anderen Ebenen
vollends in den Sand.
Bereits der Prolog tut sich schwer damit, das
Publikum atmosphärisch einem Geschichtsunterricht zu unterziehen, so dass die
billig animierten Bilder zu den Erklärungen über die slawische Gottheit
Perun eher peinlich und deplaziert wirken. Weiter geht es im Folgenden mit den
immer wieder gerne gesehenen Klischee-Studenten und hier ist sich "The
Pit" keiner noch so lachhaften Nullnummer zu schade. Da hätten wir den
angesehenen und großmäuligen Sportler, die junge Idealistin und den
bebrillten Außenseiter, den keiner dabeihaben will und der später, wer
würde es erwarten, noch seine heldenhaften Momente hat. Charakterisiert wird
hier gar nichts, stattdessen darf man sich auf grausamste musikalische
Untermalung durch irgendeine, vermutlich ukrainische, Hip Hop Formation
gefasst machen, deren Töne allerdings bestenfalls dafür sorgen, dass man
schnellstmöglich die "Mute" Taste auf seiner Fernbedienung
sucht.
Nachdem die Studenten im Höhlensystem angelangt
sind, gehen die unfassbaren Lächerlichkeiten munter weiter. In welcher
Beziehung die Fünf zu dem Professor stehen, wird nie ganz ersichtlich,
jedenfalls scheinen sie ihm von Anfang an zu Misstrauen, was die Frage
aufwirft, wieso sie ihn überhaupt begleiten? Das sogenannte Höhlensystem
sieht indessen mehr nach einem beliebigen Bunker aus. Wenn die Studenten im
späteren Filmverlauf durch immer wieder die selben Räume und Gänge stolpern
und kriechen, dann wird man dabei an alles, aber nur nicht an ein
Höhlensystem irgendwo im Wald erinnert, was auch dadurch verstärkt wird,
dass es unter der Erde noch jede Menge funktionierender Lampen zu geben
scheint.
Die sogenannten Dialoge der Studenten sind nicht
einmal einen abwertenden Kommentar wert, während der Professor irgendwann
einfach verschwindet, was den Zuschauer aber nicht kümmert, hatte der Herr
doch zuvor ohnehin rein gar nichts zur Handlung beigetragen. Und so nimmt das
Unheil, für den Zuschauer, nicht für die Studenten, versteht sich, seinen
Lauf. Ein Klischee folgt das Nächste, während man sich immer genervter
fragt, wo denn hier nun eigentlich der Horror stattfindet? "The Pit"
wartet mit typischen Konfliktsituationen und Streitereien auf, die entfernt an
"The Hole" erinnern, der es jedoch nicht verdient, mit diesem
Schwachsinn überhaupt verglichen zu werden. Die einzige positive Leistung des
Regisseurs ist es, das ganze Geschehen nicht tot langweilig ablaufen zu
lassen, da man jeden Moment darauf wartet, dass endlich etwas passiert - und
dabei ein ums andere Mal enttäuscht wird.
Ja, die letztendliche Auflösung, was denn nun
in den Gängen auf die kleine Gruppe lauert, könnte dämlicher nicht sein und
auch der Weg zum finalen Storytwist fällt da nicht aufregender aus. Hin und
wieder wird jemand verschüttet oder kommt anderweitig zu Tode, ein Killer hat
dabei allerdings nie seine Hand im Spiel, deshalb darf man auch nicht mit Blut
oder Splatter rechnen. In dieser Hinsicht ist "The Pit" vollkommen
harmlos und hätte mit Sicherheit auch die FSK 12 Plakette erhalten können.
Auch für ein ansonsten ängstliches Publikum ist der Streifen derweil eine
bestens geeignete Einschlafhilfe, da das Werk vollständig ohne Spannung oder
Atmosphäre auskommt. Auch auf die Schauspieler sollte erst gar nicht
eingegangen werden, diese wirken wie beliebige, bezahlte Laien, die vom
Straßenstrich aufgegabelt wurden.
"The
Pit" ist der dilettantischste Dünnschiss der letzten Zeit. Lubomyr
Kobylchuk bringt schon einiges an Mut auf, diesen Totalreinfall überhaupt als
Horrorfilm vermarkten zu wollen. Gut möglich, dass so etwas in der Ukraine,
einem Land ohne nennenswerte Filmindustrie, gut ankommt, aber in vielen Teilen
der restlichen Welt ist man eben höhere Maßstäbe gewohnt. Die 08/15 Story
des Films wird hier durch so viele Peinlichkeiten scheinbelebt, dass einem das
Mittagessen wieder hochkommt. Alleine das Ende spricht Bände, wenn die beiden
Überlebenden aus dem Bunker klettern, fröhlich, als wäre nichts gewesen,
über eine Wiese hüpfen und das "Höhlensystem" im Hintergrund in
billigen CGI-Feuereffekten in die Luft fliegt. "The Pit" ist
sicherlich ein weiterer guter Grund, um ukrainische Filme weiterhin einen
Bogen zu machen. Einzig der unfreiwillige Trash-Faktor macht den Streifen noch
erträglich, was aber nichts daran ändert, dass wir es hier mit einem
absoluten Griff ins Klo zu tun haben. |