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Wenn sich ein Filmemacher an das Genre des
Horrorfilms wagt und nicht schon wieder die alten, ewig gleichen Schemen
durchkauen will, dann verlangt ihm dies durchaus Mut zum Risiko ab. Fred
Calvert versuchte sich, als er das Drehbuch zu "Killing Ariel"
schrieb, sicherlich ein Stück weit von dem aktuellen Trend der sadistischen
Folter-Flicks zu entfernen, da sich sein Mysterythriller vielmehr auf die
eigentliche Handlung, als auf die Ausübung perverser Gewalttaten
konzentriert. Da Calvert bislang noch über eher wenig Erfahrung im
Filmgeschäft verfügt, holte er sich sogleich noch David J. Negron Jr. an
Bord, der hier zwar ebenfalls sein Regiedebüt ablieferte, dafür aber schon
in namhaften Produktionen wie "Anaconda", "Mr. & Mrs.
Smith" oder "Das Vermächtnis der Tempelritter" involviert war
und dabei oftmals den Posten des Storyboard-Artisten übernahm.
"Killing Ariel" ist vordergründig
eines dieser B-Movies, das man sich ansieht, passabel unterhalten wird und es
dann sehr schnell wieder vergisst. Massenware, im Grunde, die sich von den
vielen anderen, Direct-to-Video Produktionen, die Monat für Monat die
Videotheken fluten, weder positiv heraushebt, noch negativ aufstößt. Das
hauptsächlich Interessante an diesem Werk ist die, zugegeben, nicht 100%
innovative, dafür aber durchaus schräge und eigenwillige Story, der man
gerne zu folgen bereit ist. Endlich geht es mal nicht wieder um ein paar
Teenager, die von einem maskierten Schlitzer verfolgt und getötet werden -
"Killing Ariel" bietet vielmehr einen surrealen Trip in den
Wahnsinn. Es werden in den 83 Minuten viele Fragen aufgeworfen, die der
Streifen allesamt in der Auflösung, dem Highlight des Films, zu erklären
weiß und damit eine ganz gute Figur abgibt.
"Killing Ariel" bietet einen
waschechten Mindfuck, der nicht nur den Hauptprotagonisten Rick, sondern auch
die Zuschauer stellenweise sehr verwirrt. Dabei ist die Story anfangs noch
sehr bodenständig und plausibel: Ein vom Eheleben gelangweilter Mann lässt
sich auf eine Affäre mit einer bildhübschen Femme Fatale ein, woraufhin er
seinen Verstand verliert und die bezaubernde Fremde scheinbar immer und immer
wieder tötet. Doch bereits die Eröffnungsszene, in der wir einen Einblick in
Rick's Kindheit gewährt bekommen, macht schnell klar, dass sich noch mehr
hinter dem Ganzen verbirgt. Durch einen Unfall wird Rick's Vater an den
Rollstuhl gefesselt, woraufhin ihn seine Mutter zu hassen beginnt und seitdem
mit einem unheimlichen Fremden zu schlafen beginnt. Dieser Fremde scheint ein
Inkubus zu sein, ein Dämon aus der jüdischen und christlichen Mythologie. Im
späteren Verlauf des Films hat dieser Dämon noch weitere Auftritte und
scheint Mitschuld am Verlust von Rick's Verstand zu tragen, so dass schnell
die Frage aufgeworfen wird, wie die albtraumhafte Gestalt in den restlichen
Film passt.
Die Inszenierung von "Killing Ariel"
ist sicherlich nicht der Hauptgrund, weshalb man sich den Film ansehen sollte.
Alles wirkt eher kostengünstig und ganz klar aus dem B-Movie Bereich, weshalb
sich auch ausschließlich Liebhaber dieser Filmgattung mit dem Film anfreunden
werden. Weiterhin werden viele ihre Probleme damit haben, dass der Film nur
wenige, wirkliche Spannungsmomente besitzt und auch deutlich mit brutalen
Details spart. Wenn Rick Ariel immer wieder tötet, greift er dabei durchaus
mal zur Axt oder zur Kettensäge, doch bis auf wild spritzendes Blut bekommt
man hier nur wenig geboten. Vielmehr zieht "Killing Ariel" seinen
Unterhaltungswert aus seiner eigenwilligen Story. Was geht hier vor sich?
Wieso kehrt Ariel immer wieder von den Toten zurück? Was hat es mit dem
Inkubus auf sich? Die letzten 10 Minuten, die Auflösung also, sind dann
richtig umwerfend geraten und der eindeutige Höhepunkt des Films. Plötzlich
ergibt alles Sinn und beschert dem Zuschauer eine eiskalte Gänsehaut.
Doch gerade deshalb entsteht der Gedanke, dass
das Vorangegangene nur Mittel zum Zweck war, um letztendlich mit einer
exzellenten Auflösung dienen zu können. Fred Calvert hatte einen wirklich
guten Einfall und versuchte, um diesen eine brauchbare Vorgeschichte zu
spinnen, was ihm zwar einigermaßen glückte, aber nicht jedem zusagen wird.
Die Story ist schon sehr abgefahren und sollte mit Interesse verfolgt werden,
damit man dem Streifen etwas abgewinnen kann. Was deshalb letzten Endes
zurückbleibt, ist ein leicht zwiespältiges Gefühl, wenn der Verdacht
aufkommt, dass die eigentliche Story nur Aufhänger für die brillanten,
letzten Minuten der Auflösung waren. Dennoch wird man im Grunde durchweg
passabel unterhalten, richtige Langeweile kommt nie auf. Wir folgen der
langsamen Annäherung des Hauptprotagonisten zum Wahnsinn immer mehr und
erleben dessen seelischen Zerfall durchaus glaubhaft mit, was von Michael
Brainard überzeugend gespielt wurde. Auch Axelle Grelet erledigt einen
soliden Job als verführerische Ariel, die hier nicht mit ihren Reizen geizt
und sich des öfteren textilfrei präsentiert.
"Killing Ariel" bietet B-Movie
erfahrenen Filmfans einen surrealen Höllentrip, der besonders durch seinen
tollen Schlusstwist gegen Ende durchaus überzeugt. Dennoch sollte man hierbei
nicht mit einem absoluten Must-See rechnen, denn die eigentliche Handlung
kommt mit nur durchschnittlicher Spannung und wenig Gekröse aus, vielmehr
trägt die Atmosphäre den sonstigen Gehalt im Alleingang. Wer sich mal wieder
auf einen verwirrenden, surrealen Mindfuck im B-Movie Gewand einlassen
möchte, ist hier allerdings richtig und kann nicht viel falsch machen. |