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Ein Filmsektor, dem allgemein kaum Beachtung
geschenkt wird, der aber stetigen Zuwachs findet, ist der Amateurfilm. Gerade
im deutschen Bereich haben sich darin einige Namen etabliert, die man
bisweilen sogar mit durchaus brauchbarer Horrorkost in Verbindung bringt. Von
Ittenbach, der das Amateur-Genre mittlerweile verlassen hat, über Buttgereit,
bis hin zu den unverbesserlich schlechten Schnaas und Taubert. Nicht ganz so
bekannt wie die genannten, aber mindestens gleichwertig interessant, präsentiert
sich dem Amateur-interessierten Zuschauer der Nachwuchsregisseur Sebastian
Radtke, der zwischen 2002 und 2006 insgesamt sieben Kurzfilme und einen
richtigen Film auf den Markt brachte, die er alle selbst inszenierte,
finanzierte und auf die Beine stellte.
Zwei der durchaus unterschiedlichen Kurzfilme
erschienen nun als Double-Feature auf DVD, auch wenn die beiden Werke
inhaltlich nur wenig Gemeinsamkeiten aufweisen. Während sich beim 10 minütigen
"Während es Nacht wird..." um eine düstere und fast schon
klassische Vampirgeschichte handelt, erweist sich "Tränen einer
Rose" als mittelalterliches Märchen. Eine logische Grundvoraussetzung für
beide Werke ist natürlich eine Sympathie zum Amateurfilm, denn wenn diese
nicht vorhanden ist, wird man auch nur schwer einen Zugang in Radtke's
Kurzfilme finden. Es handelt sich hierbei um zwei absolute No-Budget Projekte,
die von Radtke und seinem Freundeskreis im Alleingang inszeniert und veröffentlicht
wurden, ein Vergleich mit größeren Produktionen fällt also weg.
Auch wenn man an Amateurfilme andere
Anforderungen stellen muss, als dies bei gewöhnlichen Filmen der Fall ist, so
sind auch diese nicht vor kritischen Blicken geschützt. An und für sich hält
sowohl "Wenn es Nacht wird...", als auch "Tränen einer
Rose" der Erwartung des einmaligen Ansehens stand, auch wenn beide Werke
dabei nicht über das Mittelmaß hinauskommen wollen. Im direkten Vergleich
geht "Tränen einer Rose" als Sieger aus dem Rennen, da in diesem
Werk klar die bessere Geschichte erzählt wird, die mit ihrer verträumten Erzählweise,
der blühenden und farbenprächtigen Inszenierung und dem poetischen
Off-Kommentar tatsächlich an ein Märchen erinnert. "Wenn es Nacht
wird..." hingegen krankt insbesondere an der schwachen Geschichte, auch
wenn an der Inszenierung nicht viel auszusetzen ist.
Die dabei dargebotene Handlung ließe sich
leicht in einem Satz zusammenfassen und mehr bekommt man in dem Kurzfilm auch
nicht geboten. Eine Frau wird von den Toten zurückgeholt, es gibt einen
Zeitsprung von 10 Jahren, sie darf einen Mann ermorden und sich anschließend
das Leben nehmen. Das Ganze ist spannungslos und ohne Überraschungen
vorgetragen und wartet mit einem lächerlichen Ende auf. Die Inszenierung
selbst ist ansehnlich geraten, alles wird in blasse, farblose Bilder gehüllt,
die Vampirinnen sind im Grunde nichts anderes als knapp bekleidete,
leichenblasse Goths mit Plastikgebiss im Mund und die musikalische Untermalung
ist hervorragend. Mit einer etwas ausgefeilteren Story hätte "Wenn es
Nacht wird..." gleich einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen können.
"Tränen einer Rose" hingegen wartet
mit einer ungewohnten Handlung auf, die den Zuschauer in die Vergangenheit zurückversetzt
und sofort mittelalterliches Flair verbreitet. Zu Lasten fällt der Story
bisweilen seine billige Umsetzung, so etwa ein peinlicher Schwertkampf, doch
an und für sich hat Sebastian Radtke mit dieser Kurzgeschichte das bis dato
beste Werk seiner Karriere auf die Beine gestellt. "Tränen einer
Rose" hat etwas tragisch Poetisches an sich und kommt ganz ohne Blut oder
dergleichen sehr unterhaltsam daher. Auch hier gefällt insbesondere wieder
die fabelhafte, musikalische Untermalung, die bisweilen sogar Erinnerungen an
den Score von "Braveheart" aufkommen lässt.
Die Schauspieler agieren in beiden Werken
annehmbar, wenn auch erwartungsgemäß eher untalentiert. Dabei ist es jedoch
nicht einmal das Schauspiel selbst, das negativ aufstößt, sondern vielmehr
die lieblos heruntergeleierten Dialoge, was besonders in "Wenn es Nacht
wird..." negativ ins Gewicht fällt. Jens Lehmann agiert in dieser
Episode äußerst unbeholfen als Opfer der Vampirin, Carolin Meyer und Danny
May machen als Vampirgoths aber eine gute Figur. In dem zweiten Kurzfilm sehen
wir mit Ardor vom Venushügel, Steffen der Lautenschläger und Mario die Zunge
dann drei Musiker der Mittelalter-Band Cornix Maledictum, die demzufolge schon
Erfahrung mit der Thematik mitbringen und sich gut ins Geschehen einfügen.
Leider überzeugen die beiden Kurzfilme nicht
auf gleicher Ebene. Während "Tränen einer Rose" als poetisches Märchen
daherkommt und einfach mal etwas anderes bietet, will der Funke bei der
ausgelutschten Story in "Wenn es Nacht wird..." nicht so richtig überspringen.
Die Inszenierung präsentiert sich jedoch in beiden Werken als stimmig, zum
Thema passend und stilsicher, besonders hervorzuheben ist dabei noch einmal
der fabelhafte Score beider Streifen. Wer sich für Amateurproduktionen
interessiert, kann dieser Kurzfilm-Collection jedenfalls mal eine Chance
geben, die insgesamt 23 Minuten für beide Werke sind akzeptabel investiert.
Einzel-Wertungen:
Tränen einer Rose: 3,5 von 6
Wenn es Nacht wird...: 2,5 von 6 |