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Eine Lektion lernt man als langjähriger Fan des
Horror-Genres irgendwann aufs Schmerzlichste: Ein Streifen kann noch so
abgrundtief grottig und ein Regisseur noch so sehr im absolut falschen Gewerbe
gelandet sein, das Marketing solcher Filme legt einen doch immer wieder aufs
Neue rein. So auch bei dem Dünnschiss-Haufen "Armee des Jenseits",
dessen Coverbild und eigene Beschreibung stolz Lovecraft-Anleihen verlauten,
und den Anhänger dessen Lektüren schon einmal in heller Vorfreude schwelgen
lassen. Querverweise, Zitate und Anspielungen auf die umfangreiche Welt des
Necronomicon gab es in Film und Fernsehen zwar schon genug, nicht selten wurde
auch schon direkt darauf Bezug genommen oder gar eine Lovecraft'sche
Geschichte verfilmt - aber auf die ultimative Umsetzung wartet der Fan noch
heute. Und obgleich wohl niemand damit gerechnet hätte, diese ausgerechnet in
einem italienischen B-Movie eines berüchtigten Schrottfilmers zu finden, so
werden es nicht wenige Allesseher eben doch wieder versuchen - und dabei einen
üblen Tritt in die Weichteile kassieren.
Nun könnte man ja mit der Phrase "andere Länder,
andere Sitten" kommen und naiv davon ausgehen, dass Unterhaltung in Form
von "Armee des Jenseits" in Italien hochgradig angesagt ist. Blöd
nur, wenn man dann gleichzeitig von einem Land spricht, dass Namen wie Argento
und Fulci hervorgebracht hat und in den 70ern und 80ern an der vorderen Front
des Horrorfilm-Geschehens stand. Was Ivan Zuccon aber mit "Armee des
Jenseits", dem Sequel zu einem Werk namens "The Darkness Beyond"
(der vermutlich genau so desaströs ausfällt), verbrochen hat, spottet
beinahe schon jeder Beschreibung. Als unbelehrbarer B-Movie-Massenvernichter
erliegt man ja bekanntlich irgendwann dem Irrglauben, an einem Punkt
angekommen zu sein, an dem man jeder noch so großen Filmgurke etwas
abgewinnen kann, da man schließlich "schon weitaus schlechteres gesehen
hat". Doch "Armee des Jenseits" ist dann die ultimative
Belehrung des Gegenteils, der jeden noch so trash-versessenen Schrottliebhaber
in Zukunft vorsichtig mit diesem Ausspruch umgehen lassen wird.
Würde man der Crime Scene Investigation (kurz
CSI) eine Kopie dieses Werkes zukommen lassen und sie um Aufklärung bitten,
wie es zu einem derartig scheußlichen Verbrechen kommen konnte, so würde die
Erklärung vermutlich folgendes auf den Punkt bringen: Ein psychisch labiler
Masochist (Ivan Zuccon), der sich selbst zum Regisseur berufen fühlt, eine
Aufgabe, mit der er hoffnungslos überfordert ist, wollte nach seinem ersten
verbrecherischen Akt ("The Darkness Beyond") noch einen draufsetzen
und sich mit einer gemeingefährlich-schlechten Fortsetzung dafür an der
Menschheit rächen, dass er damals hochkant von der Filmakademie flog, zu der
er einen Freischein in der Lotterie gewann. Zu diesem Zweck engagierte er ein
Team vollends verblödeter Dumpfkacheln, das die am Set anfallenden Tätigkeiten
zwar nicht erledigen, zumindest aber nachahmen sollte. Die nächstgrößere
Schwierigkeit bestand darin, einen Haufen freiwilliger Schauspieler zu finden,
woraufhin Zuccon zu seinem eigenen Glück in einem Asyl für Schizophrene fündig
wurde (welche den Vorteil mit sich brachten, dass sie sich später nicht mehr
an ihre schmachvolle Tätigkeit erinnern würden). Als nächstes musste nur
noch eine gebrauchte Digitalkamera bei ebay abgestaubt und ein passendes Plätzchen
für die Dreharbeiten gefunden werden, doch auch da erwies sich unserem
Pseudo-Filmemacher das Schicksal hold. Ein altes Kellersystem und ein kleines
Außenaral sollten ausreichen, schließlich benötigt ein Film von 85 Minuten
keine großartigen Szenenwechsel. Nachdem dann kurz der Begriff Lovecraft
gegoogelt und einige Notizen auf dem Oberarm notiert wurden (ein solcher Film
braucht schließlich auch ein Drehbuch), konnte es schon losgehen.
Ja, so muss sich das Ganze in etwa abgespielt
haben, anders lässt sich ein Film wie "Armee des Jenseits", bei dem
von vorne bis hinten nichts, aber auch gar nichts stimmen mag, nicht erklären.
Filme mit leichten Handlungsschwierigkeiten sind im B-Bereich bekanntlich kein
unbekanntes Phänomen, doch dieses Werk setzt dem gekonnt die Krone auf.
Jeder, der vor Filmbeginn nicht ausgiebig die umfangreiche Zusammenfassung des
Inhaltes auf diversen Film-Webseiten studiert hat, steht nach ein paar Minuten
auf verlorenem Posten, denn das, was "Armee des Jenseits" als Story
zu verkaufen versucht, ist in jeder Hinsicht undurchschaubar und wohl nur den
Verantwortlichen selbst zugänglich. Da hocken ein paar Menschen in einem
Kellersystem und faseln etwas vom Ende der Welt, bis sich dem Zuschauer
irgendwann erschließt, dass das Ganze wohl in einer fernen Zukunft spielen
soll. So weit alles klar, doch was es mit der angeblichen Dämonin auf sich
hat, die vielmehr wie ein zugedröhntes Groupie von Marilyn Manson aussieht
und sich mit Vorliebe von dem Anführer der Menschen knallen lässt, bleibt
ein Rätsel.
Die Protagonisten reden im Verlauf des Films
recht viel (das können sie zumindest ganz gut), hocken in ihrem Keller(das
auch), reden noch etwas, weil es so schön war, dann taucht gelegentlich das
Marilyn Manson-Fangirl auf, später fließt etwas Blut, plötzlich hat der Anführer
der Menschen weiße Kontaktlinsen auf den Glubschern und soll wohl auch ein Dämon
darstellen. Wer es bis dahin ausgehalten hat, bekommt später dann noch etwas
mehr Konfusion, seichten Splatter und einen plötzlichen Showdown zu sehen,
doch den Durchblick ergattert man dabei nie. Man kann bestenfalls versuchen,
sich krampfhaft an irgendwelchen Schauwerten festzuklammern, doch da diese
hier nicht gegeben sind, ist auch dies zum Scheitern verurteilt. Vor billigen
Kulissen hampeln einige Laiendarsteller im billig-digitalen Look umher und
haben dabei vermutlich die gesamte Handlung improvisiert, anders ist das
Fehlen jedweder Story-Dramaturgie oder gar eines Sinns nicht nachvollziehbar.
Zwischenzeitlich würde "Armee des Jenseits" dann noch gerne etwas
Bezug zu Lovecraft herstellen und zitiert fleißig umher, doch dabei kommt
schnell der Verdacht auf, dass Ivan Zuccon bislang bestenfalls den Buchdeckel
eines der zitierten Werke gesehen hat.
Was sich hier also zwischen grenzenloser Banalität
und nicht enden wollender Langeweile abspielt, ist ein sinnentleertes und ärgerliches
B, nein, C-Movie, das in allen Belangen des modernen Filmemachens versagt und
nichts anderes als ein Armutszeugnis seitens der Macher darstellt. Aber etwas
anderes war von einem Regisseur, welcher der Filmwelt schon Titel wie "Nympha"
und "Bad Brains" bescherte, auch nicht zu erwarten. Die Bezeichnung
des "italienischen Uwe Boll" dürfte Zuccon sicherlich bald gewonnen
haben, doch selbst das wäre beinahe noch ein Lob. Boll dreht wenigstens noch
mit Selbstironie und findet selbst als blindes Huhn ab und an noch ein Korn,
doch in dieser Hinsicht ist bei Zuccon eher dunkelschwarz zu sehen. |
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"Armee des Jenseits - Unknown Beyond"
erschien bereits vor geraumer Zeit auf DVD und zwar im Vertrieb des Labels
epiX. Überraschenderweise hat man sich dabei tatsächlich noch Mühe gegeben
und einen Silberling auf den Markt gebracht, der ein gutes Stück über dem
Standard dessen steht, was man in der Regel von solcher Kost erwarten würde.
Die Scheibe kommt mit deutschem und italienischem Sound daher, wobei ersterer
gar ins Dolby Digital 5.1-Format gepackt wurde. Auch an den Extras wurde nicht
gespart, bestehen diese doch aus einem Audiokommentar (!) des Regisseurs,
Bloopern, Deleted Scenes, einem alternativen Ende und dem Kurzfilm "Bad
Brains". Alles also ziemlich üppig für einen derartig unterirdischen
Hauptfilm wie "Armee des Jenseits".
epiX beließ es jedoch nicht auf diesem einen
Release und brachte den Streifen zudem noch in der Horror Collection 2, sowie
in der sogenannten Necronomicon - 4DiscSpecialEdition heraus. Letztere ist
dabei auch recht umfangreich ausgefallen und liefert den Film zusammen mit den
Streifen "Darkness Beyond" und "Shunned House", sowie
einer Extra-DVD mit Bonusmaterial in einer ordentlichen Zusammenstellung. Die
Horror Collection 2 hingegen besteht neben "Armee des Jenseits" noch
aus den Titeln "The Roost" und "Blood & Donuts", Bonus
sucht man hierbei allerdings, bis auf die üblichen Trailer, vergebens. |