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Es mag keine besonders überraschende Tatsache
sein, dass viele angehende Regisseure ihr (mal mehr und mal weniger
vorhandenes) handwerkliches Geschick zuerst in Form eines kostengünstig
gedrehten Horrorfilms unter Beweis stellen, bevor sie sich mit einem gewissen
Namen in der Szene dann an größere Projekte heranwagen. Dass dabei in
Hinsicht auf eben diese Filme auf der einen Seite zwar oftmals von Schund
gesprochen wird, sie auf der anderen Seite aber dennoch häufig international
vermarktet werden, mag dem einen oder anderen zwar paradox erscheinen, ist
mittlerweile aber gängiges Mittel im Horrorfilm-Sektor. Dem Fan fällt es so
zunehmend schwerer, vernünftig einschätzen zu können, was eines Blickes
würdig ist und was hingegen vielmehr in den Regalen der Videothken vergammeln
sollte. Mit "Small Town Folk" erscheint in Kürze ein Film in
Deutschland, der sich eindeutig am großen Vorbild "2001 Maniacs"
orientiert und dabei dank einer ansprechenden Covergestaltung, sowie eines
relativ berühmten Namens in der Schauspielerliste durchaus den einen oder
anderen Genre-Konsumenten hellhörig machen wird. Erst bei genauerer
Betrachtung wird dann ersichtlich, dass es sich hierbei um ein Regie-Debut der
Marke "unerträglich" handelt, bei dem selbst der offensichtlich
gute Wille des Verantwortlichen nichts mehr retten kann.
Eines muss man sich in Anbetracht eines
Low-Budget-Filmes immer bewusst vor Augen führen: Diese Werke kosten in den
meisten Fällen nur den minimalen Bruchteil dessen, was Hollywood-Produktionen
schon für einzelne Aspekte wie Schauspieler oder Effekte springen lassen. Im
Gegensatz dazu liegt oftmals jahrelange Arbeit und sehr viel Herzblut in
diesen Independent-Produktionen. Letztendlich werden diese Argumente aber,
mögen sie auch der Wahrheit entsprechen, leider all zu oft von untalentierten
Filmemachern als Entschuldigung oder Retuschierung ihres Unvermögens
zweckentfremdet. Auch "Small Town Folk" ist letztendlich eines
dieser Werke, das gerne viel mehr wäre, als es überhaupt ist. Newcomer Peter
Stanley-Ward versuchte sich hier an einer Backwood-Persiflage, die mit viel
schrägem Humor und Splatter Unterhaltung garantieren sollte - vergaß dabei
aber offensichtlich, dass es nicht nur auf die Menge von Blut und Witz,
sondern auch auf deren Qualität ankommt.
"Small Town Folk" ist ein Sammelsurium
durchweg abgefahrener Einfälle, die aber nur in den wenigsten Fällen für
Begeisterung beim Zuschauer sorgen wollen. Eines aber muss man Regisseur Ward
und seinem Team lassen: Um die ausgelutschte Story vergessen zu machen,
versuchten sie sich an einem optischen Element, das bislang in fast keinen
Genre-Filmen dieser Art zu sehen war. Obgleich es sich hier um eine
Low-Budget-Produktion handelt, wurde ein Großteil des Werkes mittels
Greenscreen gedreht und die jeweiligen Hintergründe später digital
eingefügt. Der gesamte Film erhält durch dieses Element einen unwirklichen
und künstlichen Touch, was aber nicht negativ auszulegen ist. Tatsächlich
gewöhnt sich das Publikum sehr schnell daran, "Small Town Folk"
kreiert alsbald eine ganze eigene, leicht surreale Atmosphäre.
Blöd nur, dass der Streifen inhaltlich und
dramaturgisch komplett in die Hose ging, andernfalls hätte mit der Grundidee
der verfremdeten Optik durchaus ein interessanter Film entstehen können. Was
man hier geboten bekommt, ist über kurz oder lang aber nichts anderes als
übelster und dilettantischster Trash aus den tiefsten Kategorien sämtlicher
Horror-Sparten. Inhaltlich hat das Werk nichts anderes zu bieten, als dass ein
paar bekloppte Rednecks Jagd auf einige Opfer machen, sei es nun ein Paar aus
der Großstadt oder eine vögelwillige Gruppe junger Leute. Dies wäre an und
für sich noch zu verschmerzen, würde es hier nicht in absoluter Unfähigkeit
und Langeweile abgehandelt werden. In jeder Weise spannungsarm und
dramaturgisch unbrauchbar hangelt sich die Story von einer Splattersequenz zur
nächsten, streut dazwischen immer wieder äußerst bemühte und vorhersehbare
Gags ein. Eines der Vorbilder des Regisseurs war wohl "Bad Taste",
der eine ähnliche Inhaltsarmut vorzuweisen hat, diese aber zumindest noch mit
tatsächlichem Witz aufzufüllen weiß. "Small Town Folk" allerdings
wird mit fortschreitender Laufzeit von Minute zu Minute anstrengender und
dämlicher, bis es den Zuschauer zum Ende hin regelrechte Überwindung kostet,
sich dieses Fiasko bis zum Schluss anzusehen.
Der Humor des Films ist so derart over the top,
dass es zwar anfangs noch für ein paar Lacher sorgen wird, auf Dauer aber
einfach nur noch ermüdet und regelrecht ärgert. Die Splattereffekte
erfüllen derweil ihren Zweck, auch wenn sie in punkto Qualität stets
zwischen akzeptabel und grottig hin- und herschwanken. Nimmt man dem Streifen
den ein oder anderen Mord durchaus ab, ist das Blut in so manch anderen Szenen
plötzlich als rot gefärbtes Wasser zu erkennen, was hier aber nicht einmal
für unfreiwillig-trashigen Charme sorgt. Was "Small Town Folk" dann
aber die Krone aufsetzt, sind die Schauspieler, die diese Bezeichnung
natürlich keinesfalls verdient haben. Es ist nur all zu deutlich zu bemerken,
dass ein Großteil der Akteure zum ersten Mal vor der Kamera stand und so
bekommt der Zuschauer hier ein Overacting der aller ersten Kajüte vorgesetzt.
Die Laiendarsteller verkörpern die Rednecks derart übertrieben und
penetrant, dass man sich schnell nichts sehnlicher als das baldige Flimmern
des Abspannes wünscht. Wieso sich der immerhin einigermaßen bekannte
Schauspieler Warwick Davis ("Leprechaun","Harry Potter",
"Willow") für einen Gastauftritt in diesem Machwerk hergab, ist
letztendlich absolut nicht ersichtlich, allerdings kam seine Vorliebe für das
Mitwirken in schlechten C-Movies schon bei "Skinned Deep" zum
Vorschein, wo er eine noch wesentlich peinlichere Rolle übernahm.
"Small Town Folk" ist zwar anzusehen, dass eine gewisse Mühe und
Anstrengung der Verantwortlichen dahintersteckt, das Ganze unterhaltsam und
aufs Zielpublikum ausgerichtet zu gestalten, doch das Resultat kann leider nur
als missglückt tituliert werden. Miserable Akteure und auf Dauer penetrant
wirkende Pseudo-Komik werden auch von dem interessanten, optischen Stilmittel
nicht gerettet, das hier mittels Greenscreens zum Einsatz kam. Letztendlich
sollten sich Genre-Fans lieber noch ein weiteres Mal "2001 Maniacs"
oder im Zweifelsfall auf dessen Sequel warten - "Small Town Folk"
aber ist weder Zeit- noch Geldaufwand wert. |