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Detective
Stan Aubray ist nicht gerade zu beneiden. Vor nicht allzu langer Zeit ist es
ihm zwar gelungen, den Serienmörder „Onkel Eddie“ dingfest zu machen,
allerdings nicht ohne diesen bei der Festnahme zu töten. Und jetzt das: Mit
seinem Kollegen Carl ermittelt er an einer neuen Tötungsserie, die der des
„Onkel Eddie“ sehr ähnlich ist.
Der Mörder erstellt mit den Leichen bizarre Kunstwerke. Er bedient sich der
Anamorphose, einer in der Malerei verwendete Technik, in der der Betrachter
des Bildes nur in einem bestimmten Blickwinkel beziehungsweise mithilfe
eines Spiegels oder Prismensystems den komplettem Inhalt des Gemäldes
erkennen kann.
Der alkoholkranke und von einer Psychose befallene Stan merkt schnell, dass
der Mörder ihm etwas mit seinen Kunstwerken sagen will. Die Presse erhöht
den Druck auf ihn. Und er merkt schnell, dass er eine zentrale Figur im
Spielchen des Serienmörders ist... |
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Die Story gibt ja schon mal eine Menge her und
wer direkte Parallelen zu dem Genreklassiker „Sieben“ vermutet, liegt
gar nicht mal so falsch. In „Anamorph“ geht es ebenfalls um einen
Serienmörder, der mit seinen Morden etwas ausdrücken möchte. Anders wie
beim Thriller mit den Polizisten Brad Pitt
und Morgan Freeman liegt es hier aber nicht auf der Hand, was der Killer den
Staatsschützern respektive Film-Betrachtern sagen will.
Das ist auf jeden Fall eine Menge Potential für einen gelungenen und
spannenden Filmabend. Man muss aber leider nach der Betrachtung feststellen,
dass das Potential nicht genügend ausgeschöpft wurde. Man ist seitens der
Macher nicht genügend darauf eingegangen, den Charakter des Serienmörders
zu durchleuchten. Warum tötet er? Was ist seine persönliche Beziehung zu
seinen Jägern? Warum generiert er seine Kunstwerke? Und warum mit dem nicht
sehr geläufigen Mittel der Anamorphose? Es bleiben sehr viele Fragen offen.
Das der Film aber dennoch zu gefallen weiß, ist der stets greifbaren
Spannung und dem Hauptdarsteller zu verdanken. Spannend ist es eigentlich
immer. Es gibt einige Höhepunkte im Film und die Grundspannung, da man
natürlich mehr über den tötenden Psychopaten erfahren möchte. Die
bizarren Morde und die düstere Kulisse sorgen zudem für ausreichend
Atmosphäre.
Die Rolle des Jägers wird beeindruckend von Willem
Dafoe dargestellt, der mal wieder unter Beweis stellt, dass er einer der
besten Schauspieler auf diesem Planeten ist. Die Rolle kommt zwar nicht ganz
so gut rüber, wie die des Agent
Paul Smecker in „Der blutige Pfad Gottes“, sie kommt aber relativ dicht
dran. Getragen von den Leistungen Dafoes, hinterlassen auch seine weniger
bekannten Kollegen einen recht guten Eindruck. Nur vom Killer, an dieser
Stelle soll jetzt nicht zu viel verraten werden, ist man vielleicht etwas
enttäuscht. Der Darsteller hat aber das bereits angesprochene Problem, dass
seine Rolle nicht so viel hergibt, wie man es sich vielleicht erhofft.
Regisseur Henry Miller zeigt, dass er gute
Filme machen kann. Sein erster großer Film zeigt dies bereits. Sicherlich
gibt es noch Möglichkeiten zur Steigerung und das Ein oder Andere, dass er
hätte besser machen können. Mit den Inszenierungen der Morde, den
Szenenbildern und einigen interessanten Bildanimationen hat er sich den Weg
nach oben offen gehalten. Das besondere Augenmerk liegt hierbei natürlich
auf den Morden. Hier die Anamorphose einzusetzen ist eine brillante Idee,
die auch sehr gut umgesetzt wurde. Man fiebert am Tatort mit: Was muss
gemacht werden, um die Botschaft zu erkennen? Wo liegt die optische
Täuschung? Und wenn man das Ergebnis dann vor Augen hat, ist man von der
Idee und ihrer Umsetzung fasziniert. Genau so wie man es von dem berühmten
Bild „Die Gesandten“ vom deutschen Künstler Hans Holbein
(1497–1543) kennt, dass auch als Vorlage diente.
Somit
bietet „Anamorph“ auf jeden Fall den Blick auf etwas Neues. Etwas
Unverbrauchtes, dass vielleicht mit dem Problem kämpfen muss, zu sehr an
„Sieben“, einem absoluten Ausnahmefilm, zu erinnern. In seiner
Eigenständigkeit ist „Anamorph“ ein fiktiver Serienmörder-Thriller,
der gut zu unterhalten weiß und lediglich das Problem mit sich bringt, dass
er kaum Bezug zum Killer aufbaut. Und das ist leider ein Minuspunkt, da der
Betrachter hinter die Maske eines kunstvollen Psychopaten gucken möchte...
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