|
Nancy Archer (Daryl
Hannah) ist trotz ihres vermögenden Vaters nicht gerade zu beneiden. Nicht
nur, dass die leichtgläubige und viel zu gutmütige Frau ihrem Erzeuger
vollkommen egal ist, der nur dann mit ihr spricht, wenn er mal wieder eine
Unterschrift benötigt, auch mit ihrem Mann Harry Archer (Daniel Baldwin)
läuft es nicht all zu gut. Dieser betrügt Nancy regelmäßig mit einer
Prostituierten. Als Harry seiner Affäre eines Nachts wie so oft einen
Besuch in einem abgelegenen Motel abstattet, hält Nancy die Demütigung
nicht mehr aus und folgt ihm. Dabei geschieht das Unglaubliche: In einem
abgelegenen Wüstenstück sieht Nancy ein UFO am Nachthimmel, welches sie
kurz darauf mit einem Strahl beschießt und eben so schnell wieder
verschwindet, wie es aufgetaucht ist.
Natürlich
glaubt niemand der völlig verwirrten Nancy. Harry sieht diese Situation
sogar als ideal an, um seine Frau endlich in eine psychiatrische Anstalt
abschieben zu können. Um ihrem Mann aber beweisen zu können, dass sie
nicht verrückt ist, nimmt Nancy ihn eines Abends mit in die Wüste, genau
zu der Stelle, an der sie das seltsame Erlebnis hatte. Und siehe da - erneut
taucht die Fliegende Untertasse auf, holt Nancy sogar zu sich an Bord und
verschwindet wieder. Harry sieht sich schon in Erklärungsnot, da taucht
Nancy nach kurzer Zeit wieder auf. Doch irgendetwas hat sich verändert.
Jedes Mal, wenn sich die Blondine aufregt, wächst sie um ein beachtliches
Stück, so dass sie schon bald eine Größe von 20 Metern erreicht hat. Die
Ärzte raten Nancy, sich bloß nicht weiter aufzuregen, da ihr Herz diese
Belastung nicht aushalten würde, doch Harry, der nur auf das Geld von
Nancy`s Vater aus ist, legt es genau darauf an. Und tatsächlich schafft er
es, Nancy zur Weißglut zu treiben, die daraufhin Amok läuft... |
|
Bei "Angriff
der 20 Meter Frau" handelt es sich um ein Remake des gleichnamigen
Films aus dem Jahre 1958, damals noch unter der Regie von Nathan Juran. Der
Streifen wurde vergleichsweise kostengünstig für das amerikanische
Fernsehen gedreht. Hierfür nahm Christopher Guest auf dem Regiestuhl Platz,
der bislang noch durch keine überaus bekannten Filme auf sich aufmerksam
machte. Allerdings ist Guest auch als Schauspieler, Drehbuchautor und
Komponist aktiv und somit kein gänzlicher No-Name. Wie dem auch sei, ob das
Remake zum Science-Fiction Klassiker "Angriff der 20 Meter Frau"
wirklich eine Daseinsberechtigung hat, wage ich zu bezweifeln.
Das größte Problem
des Films ist eindeutig, dass er dem Original nicht viel neues hinzufügen
kann. Wer die klassischen "Riesenfilme" à la "The Amazing
Colossal Man", "War of the Colossal Beast" und eben
"Attack of the 50 Foot Woman" kennt, weiß, was einen hier
erwartet. Das Ganze ist eine direkte Nacherzählung, mit dem einzigen
Unterschied, dass Nancy nun in Farbe wüten darf und die Effekte noch ein
kleines bisschen besser aussehen. Dennoch standen Guest für die
Realisierung dieses Projekts "nur" 7 Millionen Dollar zur
Verfügung, was zwar nicht gerade einem Amateurniveau entspricht, doch in
die B-Movie Ecke fällt der Streifen definitiv.
Dieser Film ist
ganz klar für Leute gemacht, die schon mit den alten Klassikern ihren Spaß
hatten und sich durch den Konsum von "Angriff der 20 Meter Frau"
wieder an die gute alte Zeit zurückerinnern können. So wundert es nicht,
dass Guest auch mit Zitaten und Anspielungen arbeitet. In Erinnerung
geblieben sind mir dabei ein Truck, auf dem der Schriftzug "Arkoff
& Corman" zu lesen ist, des weiteren stampft die riesige Nancy in
einer Szene an einem Autokino vorbei, in dem gerade der Originalfilm aus dem
Jahre 1958 gespielt wird. Diese kleinen Anspielungen geben Aufschluss
darüber, was "Angriff der 20 Meter Frau" sein will - ein
geruhsames zurückschwelgen in die Zeit, als Roger Corman und Samuel Arkoff
noch unzählige Gummimonster auf das meist jugendliche Publikum losließen.
Die Grundidee des
Streifens ist somit sicherlich nicht zu verachten, doch als eigenständiger
Film betrachtet, fehlt es dem Werk einfach am nötigen Inhalt. Es dauert
viel zu lange, bis Nancy in ihrer riesenhaften Gestalt in bester
"Godzilla" Manier wüten darf, zuvor werden wir in den Plot
eingeführt, was sich sehr lang zieht. Zwar muss man sagen, dass Guest eine
interessante Metapher über den Ausbruch einer kleinen Frau gelungen ist,
die sich aus einer Welt befreit, in der sie von Männern unterdrückt wird,
doch dies hätte durchaus noch mit etwas mehr Action garniert werden
dürfen. Zum Schmunzeln regt dieser Gedanke jedoch durchaus an, dass Nancy
erst von Außerirdischen entführt und in eine Riesin verwandelt werden
muss, um sich gegen die schlechte Behandlung ihres Vaters und ihres
Ehegatten zu wehren.
Während die
Effekte die meiste Zeit über recht ansehnlich geraten sind, sind Guest ab
und an leider auch kleinere Ausrutscher unterlaufen, etwa wenn Nancy den
winzigen Harry in ihrer Hand hält und man ganz klar erkennen kann, dass die
Schauspielerin Daryl Hannah eine Spielzeugpuppe durch die Gegend trägt.
Andererseits verleiht dies dem Streifen wiederum einen sehr trashigen
Charme, was B-Movie Fans wiederum erfreuen dürfte.
Die Darsteller
letztendlich machen ihre Sache durchaus zufriedenstellend. Daryl Hannah, die
vor kurzem in beiden "Kill Bill" Streifen zu sehen war, ist die
Rolle der gutgläubigen Hausfrau, die von ihrem Vater und ihrem Mann
dominiert wird, wie auf den Leib geschneidert, und Daniel Baldwin war
vermutlich die Idealbesetzung für das selbstverliebte Arschloch, das ohne
den Anflug eines schlechten Gewissens regelmäßig seine Frau betrügt. Zwar
ist hier und da mal etwas Overacting zu bemerken, doch im großen und ganzen
gibt es am Cast nichts auszusetzen.
"Angriff der
20 Meter Frau" stellt zweierlei dar, zum Einen ein charmanter, kleiner
Rückblick auf die guten, alten Monsterfilme, zum Anderen eine Metapher
über die Unterdrückung der Frau in einer "Männerwelt". Recht
unterhaltsam ist der Streifen dabei über weite Strecken zwar schon, doch
alles in allem hätte ich mir ein größeres Ausmaß Zerstörung bei Nancys
Amoklauf gewünscht, der leider einen zu kleinen Teil im Film einnimmt.
Spannung kommt nur sehr selten auf, da die Handlung zu jedem Zeitpunkt
vorhersehbar ist. Die Effekte sind einem B-Movie entsprechend, ab und an
billig, doch für einen derartigen Film ausreichend. Wer die alten
Monsterfilme, insbesondere die drei, von mir bereits erwähnten, schon
kennt, kann sich "Angriff der 20 Meter Frau" guten Gewissens
sparen.
|