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Gewissen
Filmen hängt ein zweifelhafter Ruhm an. Der japanische §131-Kandidat
"Dabide no hoshi: bishôjo-gari", der unter den Titeln
"Exzesse im Folterkeller" und "Beautiful Girl Hunter"
die weiteste Verbreitung fand, bringt mittlerweile zwar schon ein Alter von
29 Jahren mit, gehört aber doch zu den bekanntesten Vertretern seiner Zunft
- den sogenannten Sickos. Diese ganz besondere Filmgattung, die in erster
Linie Streifen japanischer Herkunft bezeichnet, ist für ihre extreme
Herangehensweise an Tabuthemen ebenso bekannt, wie für exzessive
Gewaltdarstellungen oder sonstige Grausamkeiten. "Exzesse im
Folterkeller" gehört zweifellos zu den bekannteren Vertretern dieser
Gattung und teilt sich diese zweifelhafte Ehre mit Werken wie "Oxen
Split Tortouring" oder der "Guinea Pig" Reihe.
Wer sich derartige Filme
zu Gemüte führt, weiß in den meisten Fällen ganz genau, was ihn erwartet
und so erreichen Filme wie "Exzesse im Folterkeller" in der Regel
glücklicherweise auch nur die, denen bewusst ist, auf was sie sich
einlassen. Und auch, wenn dem Film, wie allen Sickos und CAT III Vertretern,
ein schlimmer Ruf vorauseilt, so erweist er sich bei näherer Betrachtung
doch als absolut substanzlose Niveaulosigkeit, in der zwar pausenlos
vergewaltigt, gefoltert und misshandelt wird, die aber dennoch nicht mehr
als gähnende Langeweile hervorruft.
Anstatt den Ekel
und das Abscheu des Publikums aus einer ordentlichen Story zu beziehen, die
einen in der Tat auch an das Gezeigte fesselt, ist die Alibi-Handlung von
"Exzesse im Folterkeller" stets nur Mittel zum Zweck für die
nächste, geschmacklose Szene. Unter Sexploitation und Sleaze-Liebhabern
wird dieses Werk zum Teil derart gepriesen, dass man angesichts dessen nur
verwundert mit dem Kopf schütteln kann, denn was der Regisseur Norifumi
Suzuki mit diesem Werk bietet, hat weder irgendeinen Kultstatus, noch
lobende Worte verdient. Dabei ist es nicht die Widerwärtigkeit des
Gezeigten, die dem Film alle Qualitäten nimmt, vielmehr verlässt sich der
Streifen zu sehr auf eben diese Grenzüberschreitungen und vergisst dabei
alle anderen Aspekte.
Wenn in einer Tour
ausgepeitscht, vergewaltigt und gedemütigt wird, langweilt das nach einer
gewissen Weile selbst den Hartgesottensten. So hinterlässt die erste
Vergewaltigungsszene im Film, bei der ein gefesselter Mann der Schändung
seiner Frau beiwohnen muss, durchaus noch ein flaues Gefühl, doch alsbald
verliert sich "Exzesse im Folterkeller" vollends in seinen
frauenverachtenden Fantasien und lässt jedwede brauchbare Story außen vor.
Da wird krampfhaft noch versucht, Tatsuya als Opfer seiner Umstände
darzustellen und ihm ein Herrenmenschen-Gedankengut anzuhängen, was sich in
einer Szene äußert, in der Tatsuya auf Auschwitz-Bildmaterial onaniert. Wo
diese Verbindung zur NS-Diktatur hergenommen wird, kann der Streifen aber
nie wirklich erklären und versucht es erst gar nicht, vielmehr stellen die
vielen Anspielungen auf das dritte Reich wieder nur einen plumpen Versuch
eines Tabubruchs dar.
Leider steht dies
stellvertretend für den kompletten Film. Das Gezeigte verkommt irgendwann
zur belanglosen Hautbeschau, japan-typisch kleinlich genau darauf achtend,
keine all zu intimen Details preiszugeben, mit allerlei Perversionen
vermengt. Ein Opfer nach dem anderen wird entführt und misshandelt, diverse
Male auch manipuliert. All zu unterschiedlich läuft das Geschehen aber nie
ab. Etwas BDSM, Maschochismus, erzwungenes Urinieren, sowie ein paar
Vergewaltigungsfantasien bestimmen das Gesamtbild. Charakterentwicklungen
finden derweil nicht statt, "Exzesse im Folterkeller" macht stets
auf seiner Ausgangsposition Halt, ohne das Geschehen auch nur ansatzweise in
eine andere Richtung zu führen. Die Inszenierung geht aus technischer Sicht
dabei zwar als zufriedenstellend durch, kann aber auch nichts mehr reißen.
Zu den Schauspielern, die hier überraschenderweise bodenständig und nicht
all zu sehr over the top spielen, lässt sich gleiches sagen.
Plumpes und zu oberflächlich dahergebrachtes Perversionskabinett, das die
meisten Zuschauer trotz seines kranken und frauenfeindlichen Charakters
erschreckend kalt lassen dürfte. Zu spannungs- und abwechslungsarm das
Geschehen, zu belanglos die Charaktere, als das man das Gezeigte wirklich
auf sich wirken lassen könnte. In seinen Grundzügen ist "Exzesse im
Folterkeller" durchaus starker Tobak und für Zartbesaitete ganz sicher
nicht geeignet, doch jene, die am Ehesten noch als Zielgruppe für derartige
Kost durchgehen, werden sehr schnell gelangweilt vor dem Bildschirm sitzen.
Dennoch ist "Exzesse im Folterkeller" einer der wenigen Streifen,
welche die Beschlagnahmung zweifellos verdient haben und muss im Grunde von
niemandem gesehen werden. |