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Nun, im Prinzip
habe ich der Inhaltsangabe nichts mehr hinzuzufügen. Wer sie gelesen hat,
weiß, dass "Begotten" wirklich nur für die Allerwenigsten unter
uns geeignet ist und selbst denen noch einiges abverlangen wird. In
langwieriger Arbeit inszenierte E. Elias Merhige, der einige Jahre darauf
noch durch "Shadow Of The Vampire" auf sich aufmerksam machte,
einen Film, den die Welt so noch nie gesehen hat und wohl auch nicht wieder
sehen wird. Obwohl.. Ich überlege ernsthaft, ob das, was ich mir da angetan
habe, wirklich als Film bezeichnet werden kann. Das liegt in erster Linie an
der einzigartigen Optik des Streifens. Das schwarzweiße Bild ist
unglaublich grobkörnig, verschmutzt und entfremdet, so dass man in vielen
Einstellungen kaum noch erkennen kann, was da auf dem Bildschirm gerade
geschieht. Doch gerade darum ging es Merhige. Nicht umsonst verbrachte er 10
Stunden damit, das Bild so bizarr zu bearbeiten - 10 Stunden pro Minute an
Filmmaterial!
Bevor ich nun zu
meiner eigentlichen Kritik komme, möchte ich anfügen, dass sich diese
immense Arbeit durchaus gelohnt hat. "Begotten" wirkt absolut
surreal, sieht aus, wie ein Fragment aus einer längst vergessenen Zeit und
hat nichts, absolut nichts mit einem konventionellen Film zu tun. Hinzu
kommt, dass in "Begotten" kein einziges Wort gesprochen wird und
die einzigsten Geräusche aus der Natur stammen. Passend dazu zeigt uns
Merhige immer wieder mal Naturbilder, die er natürlich auch sehr stark
entfremdet und bearbeitet hat.
Obwohl ich es nicht
direkt bereut habe, "Begotten" gesehen zu haben, ist es kein Film,
den ich als solchen bezeichnen und bewerten würde. Auch das im Zusammenhang
mit "Begotten" so oft verwendete Adjektiv "verstörend"
hat, wie ich finde, nichts in einer Umschreibung des Films verloren. Was man
da 78 Minuten erlebt, ist weder verstörend, noch brennen sich einem die
abstrakten Bilder nachhaltig in den Kopf. Vielmehr ist es so, dass man für
die Spielzeit in ein Mischgefühl aus Langeweile und Faszination geworfen
wird, das von Anfang bis Ende anhält. Zwar habe ich während des Films des
öfteren mal einen Blick auf meine Uhr geworfen, doch mit dem Gedanken
gespielt, den Film abzubrechen, habe ich nie, auch wenn in vielen Passagen
wirklich quälende Langeweile aufkam.
Langweilig wird
"Begotten" deshalb, weil man das Geschehen, das sich einem da
präsentiert, einfach nicht einordnen kann. Man kann nicht in diese Welt
eintauchen, wie es in einem guten Streifen der Fall ist, man kann
bestenfalls versuchen, sie annähernd zu verstehen - wird daran aber
letztendlich scheitern. Hätte ich mir im Voraus nicht mehrere
Inhaltsangaben durchgelesen, und das wäre sicher, hätte ich die Handlung
des Films in keinster Weise verstanden. Es wird nichts erklärt, nichts
gesprochen, nur angedeutet. Zwei abstrakte Wesen ziehen durch eine
unwirkliche Welt und werden dort von einem Stamm gefangen genommen,
vergewaltigt und gequält. Das ist alles.
Natürlich kann man
sich die Zeit nehmen, in dem Film eine einzige, große Metapher über das
Leben und dessen Schöpfung sehen zu wollen, doch meiner Meinung nach ist
das in diesem Fall unangebracht. "Begotten" ist einfach viel zu
schwer zugänglich, als dass man sich mit dem, was da vor einem passiert,
beschäftigen könnte. Man staunt einfach über die kraftvollen,
unheilvollen Bilder, versucht 78 Minuten lang zu verstehen und ist dann
letzten Endes doch irgendwie froh darüber, dass der ganze Spuk wieder
vorbei ist.
Normalerweise bin ich ja sehr offen für Neues und gebe selbst den
abgefahrensten Streifen in guter Hoffnung noch eine Chance, doch
"Begotten" war selbst für mich etwas zu viel des Guten. Nicht
etwa, weil der Streifen, wie so oft behauptet, verstörend oder
unvergesslich war, sondern weil man das absolut verzerrte und ins surreale
gerückte Geschehen einfach nicht einordnen kann. "Begotten" ist
somit mehr experimentelle Kunst, als ein eigentlicher Film und sollte von
niemandem gesehen werden, der in einem Film auch nur ein Minimum an
Zugänglichkeit sucht. |