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Es ist doch immer
wieder schön zu sehen, dass sich manche im Filmgeschäft arbeitende
Personen nicht nur auf eine einzige Tätigkeit beschränken, sondern ihre
Kreativität auch in anderen Bereichen zum Einsatz bringen wollen. Innerhalb
des Horrorgenres ist es nicht selten der Fall, dass sich Effektspezialisten
irgendwann als Regisseure oder Drehbuchautoren versuchen, bei Anthony C.
Ferrante war sogar beides der Fall. Bevor der Gute auf die Idee kam, sich
auch selbst einmal an einem Film zu versuchen, entwarf er die Effekte für
namhafte Horrorwerke wie "The Dentist" 1 & 2, "H.P.
Lovecrafts Necronomicon" oder "Faust: Love of the Damned".
Wie es aber schon bei anderen Effektekünstlern so oft der Fall war, hätte
Anthony C. Ferrante bei seinen Leisten bleiben und das Drehbuch denen
überlassen sollen, die etwas davon verstehen. So erweist sich "Scream
and Run" nämlich recht schnell als altbekannte Mixtur aus Teeniehorror
und Geistergeschichte.
Dass die Story von ein paar Jugendlichen handelt, die an Halloween für
etwas Gruselstimmung sorgen wollen, ist so weit zwar altbekannt, aber nicht
verkehrt, denn bis zu diesem Punkt steht es dem Autor noch frei, im
Folgenden mit viel Einfallsreichtum glänzen zu können. Wenn sich die
Handlung dann aber in ein stillgelegtes Krankenhaus verlagert, machen sich
bereits erste Befürchtungen breit, denn selbiges gab es in letzter Zeit
schon so viele Male, dass es den meisten Horrorfans schon zum Hals
raushängen dürfte. Und klischeebeladen geht es dauerhaft weiter: Die
"Jugendlichen" sind nicht ganz so nervend wie in anderen
Genreproduktionen, wurden aber genau so mies geschrieben und können kaum
mit Tiefe glänzen. Die schaurigen Momente in diesem Machwerk entspringen
dem Lehrbuch, die blutigen Szenen werfen schnell die Frage auf, wie das
amerikanische R-Rating zustande kam (was bei uns in diesem Fall einer FSK 16
entspricht).
Schnell wird klar, dass "Boo!" uns nicht nur eine Geschichte
einiger Jugendlicher erzählt, die in einem alten Krankenhaus von Geistern
erschreckt werden, natürlich muss das Ganze auch noch eine Vorgeschichte,
bzw. einen Nebenplot haben. In diesem Fall erinnert dieser sehr an
"Hounted Hill", erzählt uns "Scream and Run" doch
stückchenweise immer wieder von den Geschehnissen, die zu der Schließung
des Santa Mira Memorial Krankenhauses geführt haben. Da hätten wir die
üblichen Irren, die das Gebäude ausgerechnet um drei Uhr niedergebrannt
haben, weshalb fortan der dritte Stock verflucht ist. Klingt logisch? Nun,
das muss es von mir aus gar nicht sein, doch etwas mehr Einfallsreichtum
wäre schon wünschenswert gewesen. Vor allem aber würde ich es sehr
befürworten, dass endlich mal etwas vom derzeitigen Terrorkino-Revue à la
"The Hills Have Eyes" auf die langweiligen Geistergruselfilmchen
übergehen würde. Natürlich ist es in erster Linie das Bestreben
derartiger Filme wie "Scream and Run", auf Atmosphäre und wohl
dosierten Schauer zu setzen, doch etwas mehr Härte würden derartigen
Machwerken sehr gut tun. Verglichen mit aktuellen Top-Horrortiteln wie dem
eben genannten und der "Saw" Reihe beispielsweise ist
"Boo!" nämlich ein Kandidat für die Kinderstunde.
Ich habe in keinster Weise etwas gegen Nachahmungen japanischer
Geisterstreifen, doch dieses Subgenre benötigt Innovation und neue Ideen
mehr als jedes andere, denn nach drei Geisterfilmen nach dem gleichen Schema
wird es bereits sterbenslangweilig. So steht "Boo!" leider nicht
gerade im besten Licht da, da Regisseur und Drehbuchautor Anthony C.
Ferrante ausschließlich auf bewährtes setzt und dies nur in
mittelmäßiger Ausführung präsentiert. Kamera, Ausstattung und die
spärliche Ausleuchtung des unheimlichen Krankenhauses wissen durchaus zu
gefallen, können die öde Story aber auch nicht über die Runden bringen.
Als nervend empfand ich sogar die "Zombies", die immer dann
entstehen, wenn die Protagonisten mit einer schleimigen, blutähnlichen
Substanz in Berührung geraten und anschließend Stück für Stück
auseinanderfallen. Anschließend ergreifen Geister den Körper der
Verstorbenen, doch das wurde von Ferrante leider alles andere als unheimlich
in Szene gesetzt.
Die Schauspieler sind durchaus in der Lage, Gefühle wie Angst oder Panik
überzeugend darzustellen, doch sympathisch wird einem dennoch kein einziger
aus dem Cast. Hauptdarstellerin Trish Coren ist die typische, von Visionen
geplagte Lead-Actress, wie es sie schon unzählige Male zu sehen gab und
kann deshalb nicht einmal mehr durch ihr hübsches Äußeres überzeugen.
Der einzige Schauspieler, bei dem mich sowohl Darbietung, wie auch die zu
spielende Rolle begeistern konnten, ist Serienheld Arlo Ray Baines, der als
Dynamite Jones einst bösen Schurken wie Count Pimpula (!!!) das Handwerk
legen musste. Gespielt wird diese Figur von Dig Wayne, welcher kein zweiter
De Niro ist, aber zumindest eine positive Abwechslung zur restlichen
Besetzung von "Scream and Run" darstellt.
Tja, leider ist "Scream and Run" nichts anderes als typischster
US-Horror-Mainstream, der sowohl vom eigenen Teenieslashermarkt, wie auch
von den japanischen Geisterfilm-Vorbildern abkupfert wurde und dabei
bestenfalls diejenigen begeistern kann, die sich vielleicht einmal im Monat
einen Horrorfilm ansehen und dadurch im Genre noch nicht so sehr bewandert
sind. Alle anderen werden hier aber nur etwas zu sehen bekommen, was einem
in den letzten Jahren schon viel zu oft serviert wurde. Die Musik und
Soundeffekte sorgen für Stimmung, die Kulissen sind ordentlich, das Tempo
des Films annehmbar. Wäre da nur eine bessere Handlung, hätte Anthony C.
Ferrante hiermit ein wirklich gutes B-Movie gelingen können. So aber wurde
aus "Scream and Run" aber leider nur ein Film, den man sich
bestenfalls dann ansehen kann, wenn alles andere wirklich schon vergriffen
ist. Und selbst dann ist es vermutlich eine bessere Idee, auf einen alten
Horrorfilm zurückzugreifen, den man zwar schon kennt, von dem man aber auch
Qualität erwarten kann. |