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Die
Sowjetunion steht Mitte der 80er Jahre vor dem Umbruch. Perestroika
und Glasnost machen sich unaufhörlich
breit. Die Freiheit winkt, doch die Neuordnung des Systems wird von
bestialischen Morden überschattet.
Lehrer Andrej Evilenko ist überzeugter Kommunist und hat ein Problem mit
Kindern. Er findet sie, egal welchem Geschlecht sie angehören, sexuell
anziehend. Als er einem Mädchen zu nahe tritt, wird ihm von seinem
Vorgesetzten nahegelegt, seinen Schuldienst zu quittieren. Seiner Frau
erzählt er, der Schulleiter hätte sich politisch unkorrekt verhalten und
er habe, als guter Kommunist, kündigen müssen. Daraufhin bekommt Evilenko
einen Job vom KGB und arbeitet von nun an in einem Büro, wo er Kollegen
observieren soll. Doch Evilenko kümmert sich in dieser Zeit weniger um
seine Arbeit, als um das Aufspüren von Kindern und jungen Frauen, die er
dann grausam missbraucht und tötet.
Da die Spuren des Rostow-Ripper immer deutlicher in der Gesellschaft zu
lesen sind, wird Polizeiinspektor Vadim Lesiev auf den Fall angesetzt. Er
soll den Mehrfachmörder dingfest machen, was sich allerdings als äußerst
schwierig herausstellen soll. |
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Wer sich schon mal
mit dem Fall des Andrej
Romanowitsch Chikatilo beschäftigt hat, bemerkt beim Lesen der
Inhaltsangabe sicherlich, dass im Film „Evilenko“ nicht immer auf die
Wahrheit zurückgegriffen wurde. Der Film beschäftigt sich zwar mit dem
Red-Ripper, es wurden aber einige Details verändert. Warum dies der Fall
ist, ist nicht unbedingt nachvollziehbar.
Die Vorlage zum Film, der auch richtigerweise unter dem Namen Andrei Romanowitsch
Tschikatilo gehandelt wird, wurde 1936 in der Ukraine geboren. Durch Stalins Unterdrückung hat er sehr darunter gelitten, dass sein Bruder dem
Kannibalismus der Hungernden zum Opfer geworden sein soll. Zudem wurde er in
seiner Kindheit gehänselt, da er extrem kurzsichtig war.
Nachdem Tschikatilo studierte, der KPdSU beitrat, heiratete und zwei
Kinder zeugte (obwohl er als impotent galt) wurde er 1971 Lehrer in
Nowoschachtinsk. Nach einigen Fehlversuchen als Lehrkörper, er konnte keine
Autorität ausstrahlen und beging sexuelle Übergriffe, arbeitete er in
einer Versorgungsabteilung in einer Fabrik in Schachty. Während
dieser Zeit kaufte sich Tschikatilo eine kleine Hütte, in der er seine
sexuellen Triebe mit Prostituierten und runtergekommenen Frauen ausleben
konnte. In der Datscha beging Tschikatilo 1978 seinen ersten Mord. Diesem
sollten viele weitere, an vielen verschiedenen Orten folgen. Am 20. November
1990 wurde der Serienmörder verhaftet, am 14. Oktober 1992 zur dreifachen
Todesstrafe und 86 Jahren Haft verurteilt. Am 16. Februar 1994 wurde er dann
schließlich durch einen Genickschuss hingerichtet.
Von dem wirklichen Fall kommt in „Evilenko“, wie bereits erwähnt, nicht
alles rüber. Das ist natürlich schade für diejenigen, die sich für das
Leben und die Verbrechen des Serial-Killers interessieren. An vielen Stellen
wurde schamlos übertrieben. Zum Beispiel, wo der Protagonist in einer
Zugtoilette einen Jungen „schlachtet“. Die Tatsachen, die einem in der
Biografie des Tschikatilo das Blut in den Adern gefrieren lassen, wurden
dafür weggelassen (zum Beispiel Tschikatilos perverser Kannibalismus).
Hierfür wären weitere Beispiele aufzuzählen, Vergleiche zwischen Wahrheit
und Übertreibung, von dem kann sich der geneigte Betrachter aber selber ein
Bild machen. Denn es kann ja auch Leute geben, die sich vom Film einfach nur
unterhalten lassen wollen und denen es dabei egal ist, ob dort Fiktion oder
Realität über den Bildschirm huscht.
Aber auch diejenigen werden sicherlich vom Film enttäuscht werden. Gleich
zu Beginn wird klar, dass es sich um einen Billigfilm handelt, der dann auch
noch von einer noch billigeren Synchronisation versaut wurde. Besonders
fällt dies bei Kinderstimmen auf. Offensichtlich gab es in der Crew der
Nachvertoner keinen Nichterwachsenen. Blöd nur, dass Kinder mitspielen und
diese dann eine Stimme von Erwachsenen bekommen haben. Diese versuchen mit
hohen Tönen alles zu retten, was aber, in peinlicher Art und Weise,
misslingt.
An Glaubwürdigkeit ist also nicht zu denken. Glücklicherweise wurde die
teilweise erfundene Geschichte aber gut umgesetzt und weiß den Betrachter
über weite Strecken gut zu unterhalten. Es baut sich eine beklemmend,
dichte Atmosphäre auf, die allerdings in einigen Momenten von
Lächerlichkeit aufgelockert wird. Optisch
ist das Ganze gut in Szene gebracht worden. Es gibt nette Schauplätze und
eingesetzte Filter trüben geschickt das Bild. Eine weitere optische
Besonderheit bringt Hauptdarsteller Malcolm
McDowell auf den Bildschirm. Hier weiß man nicht ob er eine Glanzleistung
darstellt oder sich zum Idioten macht. Beides ist wohl richtig. Malcolm
McDowell, der in zahlreichen Filmen wie beispielsweise „Halloween
(2007)“, „Star Trek - Treffen der Generationen“, „Caligula“ einen
gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, gibt eine grenzwertige Leistung ab. Es
ist sicherlich schwierig gewesen, die Rolle des Evilenko zum Besten zu
geben. Gerade auch weil er von den Drehbuchschreibern die Fähigkeit zur
Hypnose und eine Schizophrenie mitbekommen hat. Die führt zu einigen
seltsamen Situationen, die ebenso seltsam von McDowell
wiedergegeben werden. Der Rest der Crew, spielt von solide bis na ja.
Regisseur David Grieco, der zuvor noch keinen nennenswerten Filmbeitrag
verbuchen konnte, hat hier alles andere als ein Meisterwerk geschaffen.
Gerade mit diesem Film hätte man zeigen können, dass man mit dem knappen
Budget der italienischen Geldgeber etwas entstehen lassen kann, dass sich
vom den kommerzstrebenden amerikanischen Filmstudios absetzt. Die Darsteller
überzeugen ebenso wenig wie die Dialoge, die Musik oder die Kameraarbeit.
Letztere wird immer nur auffällig innovativ, wenn es darum geht einen Mord
nicht zu zeigen. Was sicherlich nicht unrichtig aber auffällig einfallslos
ist.
Von daher kann man von „Evilenko“ nur abraten. Gute Unterhaltung sieht
anders aus und ein Film über das Leben des Andrei Romanowitsch Tschikatilo sollte ganz anderes aussehen. Wer letzteres
erwartet, sollte sich lieber den Film „Citizen X“ angucken, der die
Thematik wesentlich besser verarbeitet oder auf das Taschenbuch „Der
Todesengel von Rostow“ von Autor Peter Conradi zurückgreifen. Weil
es die Taten und das Leben des Andrei Romanowitsch
Tschikatilo wahrheitsgemäß und gut zu lesen, rüberbringt.
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