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Als "Das geheime Fenster"
vor gut zwei Jahren in die Kinos kam, habe ich es leider versäumt,
mir den Streifen anzusehen und irgendwann versank er dann im Sumpf
des Vergessens. Da ich es mir aktuell allerdings zur Aufgabe gemacht
habe, mir möglichst alle Werke mit Johnny Depp ins Regal zu
stellen, erinnerte ich mich eines Tages wieder an "Das geheime
Fenster" und legte ihn mir logischerweise rasch zu. Ein Kauf,
der sich im Nachhinein betrachtet wirklich gelohnt hat! Der Streifen
ist ein Fest an Spannung und Atmosphäre und dürfte auch jeden
Depp-Fan voll und ganz zufrieden stellen. Betrachtet man mal, wer
hierzu die Vorlage lieferte, wundert einen nichts mehr - von Stephen
King höchstpersönlich stammt die Geschichte "Secret Window,
Secret Garden", die David Koepp in seinem sechsten Film
eindrucksvoll umsetzte. Dieser wiederum zählt zu den bekanntesten
Drehbuchautoren Hollywoods und schrieb bereits die Drehbücher zu
Filmen wie "Jurassic Park", "Mission:
Impossible", "Spiel auf Zeit", "Panic Room"
und "Spider-Man", um nur mal einige Beispiele zu nennen.
Auch als Regisseur war Koepp schon aktiv und bescherte der Filmwelt
den unheimlichen Mysterythriller "Echoes - Stimmen aus der
Zwischenwelt" mit Kevin Bacon in der Hauptrolle. Ein in der
Filmwelt alles andere als unbeschriebenes Blatt also, das mit
"Das geheime Fenster" einen weiteren Volltreffer landen
konnte.
Ausgangspunkt für die hier erzählte Geschichte ist anfangs eine
zerstörte Ehe. Amy betrügt Mort und läutet somit das Ende ihrer
langjährigen Beziehung ein. Er, vollkommen den Boden unter den
Füßen verloren, zieht sich in ein einsames Haus in der Wildnis
zurück und wird dort kurz darauf von einem scheinbar Irren
terrorisiert. Von Anfang an ist "Das geheime Fenster"
dabei sehr unheilvoll und mysteriös in Szene gesetzt, beleuchtet
wunderbar, wie sich Mort langsam aber sicher dem Wahnsinn nähert.
Die Isolation und die Einsamkeit, der er weit weg von anderen
Menschen in seiner Hütte ausgesetzt ist, sind dabei fast schon
spürbar und durch Johnny Depp wirklich hervorragend gespielt.
"Das geheime Fenster" kann einen langsamen und konstanten
Spannungsaufbau sein Eigen nennen und macht oftmals von sich langsam
anschleichenden Schockszenen gebrauch. Im ersten Moment weiß man
noch nicht, was es mit dem Fremden. Auf den ersten Blick wirkt er
normal und nicht weiter bedrohlich, doch sein Verhalten Mort
gegenüber gibt schnell darüber Auskunft, dass er alles tun würde,
um klar zu machen, dass er die Geschichte "Das geheime
Fenster" zuerst geschrieben hat. Um das zu bewerkstelligen
schreckt er sogar vor Mord und anderen kriminellen Taten nicht
zurück. Mort ist also ganz alleine dieser Bedrohung ausgesetzt, da
auch der im angrenzenden Ort lebende Sheriff Newsome keine wirkliche
Hilfe darstellt. Zu diesem Konflikt gesellen sich noch die Schmerzen
Mort's angesichts seiner gescheiterten Ehe und der Tatsache, dass
Amy nun mit Ted ein glückliches Leben führt. Mort wird also
langsam um den Verstand gebracht, was ihm auch deutlich anzusehen
ist. Er verwahrlost, spricht mit sich selbst, leidet gar unter
Verfolgungswahn.
Als der Fremde immer brutaler und rabiater vorgeht, rechnet Mort mit
einem Einschüchterungsversuch Ted's, der Mort dazu bewegen soll,
endlich die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Regisseur David
Koepp will einen damit auf eine von vielen möglichen Fährten
führen, doch die Wahrheit ist eine andere und das Ende ganz anders,
als man es sich zuerst vorstellen würde. Obwohl ich nicht zu viel
verraten, und die Spannung erhalten bleiben möchte, muss ich schon
sagen, dass ich mit dieser Auflösung nicht gerechnet hätte und sie
mir durchaus einige wohlige Schauer bereiten konnte. Dieser Twist
ist weder unglaubwürdig, noch unpassend sondern die logische
Antwort auf das zuvor Geschehene und somit sicherlich für jeden
Zuschauer sicherlich ein unvorhergesehener Schlag in die Magengrube.
Nicht nur spannungstechnisch betrachtet, sondern auch auf der
visuellen Ebene weiß "Das geheime Fenster" zu gefallen.
Schon die Eröffnungssequenz, in der Mort in seinem Wagen sitzt und
ihn sein Unterbewusstsein dazu überreden möchte, einfach
wegzufahren und das Motel, in dem er seine Frau mit ihrem Liebhaber
vermutet, hinter sich zu lassen, und er letzten Endes doch in das
Zimmer der Beiden hineinstürmt, ist großartig und verstörend
zugleich in Szene gesetzt. Die Landschaftsaufnahmen in der nächsten
Szene hingegen sind über alle Maße beeindruckend, was auch für
die Kamerafahrten gilt.
Etwas zu kritisieren bleibt aber dennoch und zwar in diesem Fall,
dass bei dem Streifen irgendwann die Spannung auf der Strecke
bleibt. Gerade im letzten Drittel verlässt sich Koepp zu sehr auf
den vorangegangenen Plottwist und lässt stellenweise die Suspense
vermissen. Ebenso dürfte es sicherlich vielen nicht zusagen, dass
"Das geheime Fenster" sich Zeit lässt, seine Charaktere
einzuführen, um sie glaubhaft darstellen zu können. Ich
persönlich habe mich daran keineswegs gestört, sondern finde, dass
dies sogar sehr gut zum Spannungsaufbau beiträgt.
Gewohnt meisterhaft glänzt wie gewohnt Johnny Depp, der hier in der
Hauptrolle den kompletten Film für sich beansprucht. Ich kann mich
an keine Szene erinnern, in der er nicht die ganze Aufmerksamkeit
des Zuschauers auf sich lenkt. Seine Ausstrahlung ist enorm und sein
Aussehen wie immer ein Grund für die Damenwelt, sich diesen
Streifen sofort anzueignen. Mit schicker Brille und blondem, wild
wachsenden Haar zeigt er sich von einer neuen, sexy Seite die den
Piratenlook des Kassenschlagers "Fluch der Karibik" schon
wieder vergessen lässt.
Dass Depp alle anderen Akteure locker an die Wand spielt, muss ich
vermutlich nicht erwähnen. John Torturro, Mario Bello und Timothy
Hutton geben sich dennoch Mühe, das Beste aus ihren Rollen
herauszuholen, was insbesondere erstgenanntem spielend leicht
gelingt. Obwohl er auf den ersten Blick keinesfalls bedrohlich
wirkt, verkörpert er den unbekannten Fremden sehr wirkungsvoll.
Bello und Hutton hingegen schlagen sich mit Mühe mit ihren
kleinkarierten Charakteren herum, verwandeln eine vom Drehbuch stark
eingeschränkte Charakterisierung aber immer noch in eine gute
Schauspielerleistung.
"Das geheime Fenster" ist ein spannungsgeladener,
effektiver Thriller, der durch eine sich ständig steigernde
Atmosphäre zu unterhalten weiß und mit einer überraschenden, wie
auch konsequenten Wendung aufwartet. Der hauptsächliche Pluspunkt
für den Streifen ist allerdings Johnny Depp, der faszinierend wie
kein zweiter den gelangweilten, frustrierten Kerl raushängen
lässt, der am Arsch der Welt vor sich hinvegetiert. "Das
geheime Fenster" ist zwar dann und wann kurz vor sich
hinplätschernd, aber alles in allem ganz große Klasse.
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