|
In
den Jahren 1984 und 1985 sorgte der deutsche Serienmörder Norbert Poehlke
für Aufsehen. Im Großraum Stuttgart kam es zu drei skrupellosen Morden,
die immer nach dem gleichen Strickmuster durchgeführt und mit der gleichen
Absicht verübt wurden. Auf einsamen Waldparkplätzen wurden Autobesitzer
erschossen, deren Vehikel geraubt und für einen Banküberfall missbraucht.
Poehlke, ein Polizeibeamter
im mittleren
Dienst, schlug dann unter Vermummung
das Glas am Bankschalter mit einem Vorschlaghammer ein. Diese Vorgehensweise
brachte ihm von der Presse den Namen „Hammermörder“ ein.
Nachdem
sich Jurist und Schriftsteller Dr.
Fred Breinersdorfer mit dem Fall des „Hammermörders“ auseinandersetzte,
fasste er sein recherchiertes Wissen erst in einem nüchternen
Taschenbuch-Roman („Der Hammermörder“) und später als Drehbuchvorlage
für diesen Film zusammen. Dieses erzählt die traurige Geschichte des
Hammermörders, eine Geschichte, die genauso
abschreckend wie logisch nachvollziehbar ist. Norbert Poehlke hatte
das Problem, sich von der kapitalistischen Gesellschaft mehr zu erhoffen,
als mit seinen bescheidenen Möglichkeiten als Beamter umsetzbar war.
Die filmische Umsetzung dieses Stoffes ist Regisseurs Bernd Schadewald
(zahlreiche TV-Produktionen) unglaublich gut gelungen. Schadewald setzt
dabei weniger auf die Brutalität oder die Psyche des Täters, sondern
beschreibt ruhig und sachlich das Familienleben der Poehlkes. Dieses ist
zerrüttet, im Laufe der Zeit hat die Beziehung tiefe Wunden erlitten, die
zwar oberflächlich, aber nicht geistig verheilt sind. Man sollte meinen,
dass solch eine Sichtweise auf die Ereignisse hinderlich für ein gutes
Gelingen des Streifens sind, dies ist aber nicht der Fall. Spannung ist
über die gesamte Spielzeit vorhanden, da man nie weiß, was als nächstes
kommt. Wieder ein Überfall, kommt man dem Täter auf die Schliche, beruhigt
sich die familiäre Situation wieder? Sicherlich weiß derjenige, der sich
mit dem Fall des Hammermörders auseinandergesetzt hat, wo der Hase lang
läuft, die gute Machart des Streifens hält aber auch denjenigen bei Laune,
der sämtliches Wissen rechergiert hat.
Und es kommt auch immer wieder zu Szenen, die einen an der (deutschen)
Justiz zweifeln lassen. Dies ist im Falle von Serienmörder aber gar nicht
mal ungewöhnlich. Jeffrey Dahmer (17 Morde, USA) oder Andrej Romanowitsch
Chikatilo (ca. 52 Morde, Russland) wurden während ihrer Verbrechensphase
bereits verhaftet, konnten aufgrund von schlampigen Ermittlungen aber weiter
morden. Und die beiden sind nur die bekanntesten Beispiele. Norbert Poehlke
hätte sicherlich gefasst werden müssen, aber aufgrund der Tatsache, dass
der Mörder Polizist war, wurde er erst spät zu den Verdächtigen gezählt.
Die Tatsache, dass Norbert Poehlke Polizei-Beamter war, ist
höchstwahrscheinlich auf Grund für die geringe Verbreitung des Films. Bis
zum Ende des Jahres 2007 kam er lediglich zwei Mal im Öffentlich
Rechtlichen Fernsehen. Eine Pressung auf DVD bleibt dem Film bislang
verwährt. Im deutschen Rechtstaat sieht man es offensichtlich nicht gerne,
wenn Ordnungshüter wider ihre Bestimmung handeln. Immerhin wurde der
Streifen 1991
mit den „Adolf Grimme Preis“ in Silber ausgezeichnet.
Das
der Film so authentisch ist, ist zu einem Großteil den Darstellern zu
verdanken. Mit
Christian Redl („Der Untergang“ und zahlreiche TV-Produktionen) und
Ulrike Kriener (ebenfalls in zahlreichen TV-Produktionen zu sehen) hat man
zwei gestandene Schauspieler in den Hauptrollen, welche die gut
charakterisierten Figuren sehr gut rüberbringen und somit natürlich auch
zum Gelingen des Streifens beitragen.
Und das der Film gelungen ist, ist nicht zu bestreiten. Er hat eine
faszinierende Story, leicht verstörende Momente und ist von vorne bis
hinten spannend. Die wahre Geschichte des Mannes, der versucht die heile
Welt und einen besseren sozialen Status durch Morde ins traute Heim zu
bringen, ist unbedingt sehenswert.
|