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Mogelpackung einmal in positiver Hinsicht: Das
Cover der VHS-Veröffentlichung vom Mike-Hunter-Unterlabel Intercontinental
Home Video lässt mit der Abbildung einer Torte, eines bluttriefenden
Messers und einer kreischenden Frau im Hintergrund auf einen
Teenie-Schlitzer à la "Ab in die Ewigkeit" schließen. Doch schon
nach wenigen Sekunden entpuppt sich der Geburtstags-Slasher erfreulicher
Weise als unterhaltsamer siebziger Jahre Vampir-Horrorfilm aus Spanien.
Für Regisseur José Maria Elorrieta war
"Horrortrip" nach "Tanz des Satans" (1971) der zweite
Ausflug ins Horror-Genre. Zuvor hatte er sich vor allem an Abenteuerfilmen
und Western versucht. Mit "Horrortrip" ist ihm ein schönes
Gruselstück mit leichten Gothic-Anklängen im Stil der berühmten
HAMMER-Produktionen gelungen. Zwar kommt der Film bei Weitem nicht an die
großen britischen Klassiker heran, bietet auch nichts wirklich Filmwelt
bewegend Neues, hat aber dennoch seinen gewissen Reiz. Gerade Freunde
mediterranen Kinos der 70er Jahre dürften ihre Freude an diesem
"Horrortrip" haben. Charmant, schnörkellos, schön. Mit
Vampirgebissen aus Plastik, dickflüssigem Kunstblut und der üblichen
Portion Nudity.
Eine im wahrsten Sinne besonders gute Figur
macht dabei Beatriz Elorrieta (verwandt? verschwägert mit dem Regisseur?),
die hier, wie auch bei Ihrer Zusammenarbeit mit Paul Naschy in "The
Werewolf" (1980), unter dem Pseudonym Beatriz Lacy auftritt. Als Erica,
der attraktiven Assistentin von Dr. Materlick, geizt sie nicht mit ihren
Reizen. Hot Pants, deren Hosenbeine fast am Bauchnabel ansetzen. - Das
bringt selbst bei Vampir-Opfern den letzten Tropfen Blut in Wallung.
Ganz passabel füllt Nicholas Ney, für den
dieses Werk offensichtlich die einzige Arbeit als Filmschauspieler
darstellt, die Rolle des mysteriösen Carl von Rysselbert aus. Ob es an
seiner großen Nase liegt, an den zottigen Haaren? - Als vampiristischer
Sohn vom Baron wirkt er mit bleichem Gesicht mal wie ein Max-Schreck-Double,
mal wie Dario Argento nach 72-Stunden-Regiearbeit.
Die Story verlangt vom Zuschauer nicht sehr
viel ab und ist eher Marke Groschenroman, denn Bestseller. Seichte
Unterhaltung eben, ohne viele Höhepunkte oder Action. Auch die technische
Umsetzung (die wenigen Spezialeffekte sind eher plumper Natur und relativ
unblutig) und schauspielerische Leistung ist nicht gerade over the top.
Dennoch hat der Film seinen Reiz. Unfreiwillig
komischen Szenen, wie beispielsweise einem aufdringlich lächerlichen
Lesben-Quickie, stehen einige starke Momente gegenüber. Psychedelische
Farbwechsel, Bildwiederholungen oder der Einsatz von Zeitlupe zeugen
durchaus von der Experimentierfreude des Regisseurs. Und wenn zwei
halbnackte, weiß gewandete Vampirinnen tanzend bei Vollmond durch die
Felder schweben, lässt sogar Jean Rollin grüßen.
Ein bisschen grüßen lassen auch ein paar
übliche verdächtige Klassiker: Der Mittelmeer-Flair, das Schloss mit
seinen teilweise etwas brüchigen Wänden, das dickflüssige Blut. Hier
würde sich sicherlich auch Paul Naschy mit seinem "Totenchor der
Knochenmänner" (1973) wohl fühlen. Und ein geheimnisvoller
Aristokraten-Sohn, der wirres Zeug schwafelt und hübsche Frauen umgarnt,
kommt auch immer gut. Das wissen nicht nur die "Sieben Tote in
den Augen der Katze" (1973). Im Gegensatz zu letztgenanntem Film hält
sich der Sprössling des Barons in diesem Fall aber leider keinen
dressierten Gorilla.
Besser als jeder dressierte Affe ist
allerdings der Ober-Vampir, den uns der Film präsentiert. Vergesst
Christopher Lee, vergesst Bela Lugosi, vergesst Gary Oldman als galanten
Fürsten der Finsternis!!! - Zum "Horrortrip" lädt der REAL
"Master of Desaster", the ONE AND ONLY "Schurk' of the
Burg" ein: Ein untersetzter Scharlatan mit Seitenscheitel über die
Halbglatze gekämmt und Schnauzbart in bester
19.Jahrhundert-Jahrmarkt-Gewichtheber-Manier.
Und ER kriegt sie ALLE!!!!....
*grusel*
Fazit: Passabler spanischer 70ies
Vampir-Grusler. Nett, naiv, Naschy-esk... |