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Heutzutage
erfordert es von einem Regisseur schon ein Quäntchen Mut, einen im Grunde
genommen der breiten Masse zugedachten Film so sehr den eigenen
Vorstellungen anzupassen, dass daraus etwas eigenes, überraschendes wird.
In einer Zeit, in der Hollywood beinahe nur noch auf kostspielige Effekte
und leicht verdauliches Entertainment setzt, um möglichst viel Geld in die
Kassen zu spülen, schuf Neil Burger mit "The Illusionist" einen
Film, der nicht mit der Masse mitschwimmen möchte und der einem alles
andere als actionreiche Unterhaltung präsentiert. Vielmehr erweist sich der
Konkurrent von "The Prestige" als bedachtes Erzählkino, dem es
nicht darum geht, große Töne zu spucken, sondern vielmehr eine Geschichte
so zu transportieren, wie es vor der Zeit der siebenstelligen Budgets der
Fall war. Von Regisseur Neil Burger hat man bis vor "The
Illusionist" noch nicht viel gehört. Zwar zeichnete er sich bereits
für das Drama "Interview with the Assassin" verantwortlich,
welches 2002 erschien, doch einen enormen Bekanntheitsgrad konnte Burger
dieser Film nicht einbringen.
Im Grunde genommen handelt es sich bei "The Illusionist" um eine
klassische Lovestory, bei der sich der titelgebende, mystische Aspekt sogar
an zweiter Stelle einreihen muss. Der Streifen erzählt von der
schicksalhaften Begegnung zweier Menschen, die wie füreinander geschaffen
zu sein scheinen, deren Liebe aufgrund sozialer Unterschiede jedoch nicht
gestattet wird. Nachdem sie jahrelang voneinander getrennt waren, treffen
und verlieben sie sich wieder, doch erneut stellt sich das Schicksal gegen
sie. Hinzu kommen Merkmale eines Krimis, denn "The Illusionist"
nimmt im Verlauf seiner Handlung stets unerwartete Wendungen und hat im
Mittelteil gar einen Mord, sowie die anschließenden Ermittlungen zu bieten.
Spätestens, wenn "The Illusionist" in einem gänzlich
überraschendem Plot-Twist endet, dürften die ersten Zuschauer vor
Begeisterung Luftsprünge machen, doch für jedermann ist Neil Burger's Film
dennoch nicht geeignet. Ich persönlich habe eine Vorliebe für Dramen
jeglicher Art, doch als solches habe ich "The Illusionist" leider
nicht erlebt und war deshalb etwas enttäuscht. Das liegt insbesondere
daran, dass der Streifen zwar mit dem eher gemächlichen Tempo eines Dramas
arbeitet, dieses Ziel inhaltlich aber nicht ganz trifft und so eine im
Grunde genommen spannende Handlung in oftmals langatmige Szenerien kleidet.
So hätte man die 106 Minuten Laufzeit sicherlich auch um gute 16 Minuten
verringern können, ohne dass wichtige Teile in der Handlung gefehlt
hätten.
Lobenswert ist die Präsentation Wien's um 1900. Zwar sind die Bilder nicht
gerade von opulenter Größe, doch zumindest hat man keinen Zweifel daran,
eine Reise zurück in der Zeit gemacht zu haben. Die Settings sind
glaubhaft, das Verhalten und die Kostüme der Darsteller ebenso. Was ich
hingegen als etwas enttäuschend empfand, war, dass sich der Film nicht so
sehr auf den magischen Aspekt konzentriert, wie es sein Titel zuerst
vorgibt. Natürlich gibt es ab und an mal eine Zaubervorstellung zu sehen,
und in diesem Fall sehen diese sogar allesamt super aus, doch im direkten
Vergleich bot Christopher Nolan's "The Prestige" wesentlich mehr
Magie. Die Zauberei nimmt einen wesentlichen Bestandteil der Handlung ein,
ist aber nicht deren Kern, sondern macht meist der langsam erzählten Story
platz.
Die Hauptcharaktere wurden allesamt ordentlich vorgestellt, so dass deren
Handeln nachvollziehbar und interessant wurde. Edward Norton als Magier
Eisenheim ist eine Klasse für sich. Wer den Schauspieler in Filmen wie
"Fight Club" oder "American History X" gesehen hat, der
weiß von seiner umwerfenden Begabung der absoluten Präsenz. So ist Norton
stets im Mittelpunkt des Geschehens und füllt den Part des ruhigen,
bedächtigen Eisenheim perfekt aus.
Paul Giamatti schlüpft in die Rolle des Inspector Uhl, welcher vom
Kronprinzen den Auftrag erhält, Eisenheim in ein schlechtes Licht zu
rücken. Giamatti war schon immer perfekt für die unscheinbaren, ruhigen
Nebenrollen und fügt sich so auch gut in den Part des Inspectors ein,
welcher Eisenheim zwar bewundert, andererseits aber auch seinem Job
nachgehen muss.
Letztendlich sind noch Jessica Biel und Rufus Sewell in tragenden Rollen zu
sehen. Während die aus dem Remake von "Texas Chainsaw Massacre"
bekannte Schönheit Biel neben ihren männlichen Kollegen etwas verblasst,
fügt sich Sewell wunderbar in die Rolle des brutalen, machtgierigen
Kronprinzen ein und stellt so einen optimalen Gegenspieler für Edward
Norton dar.
"The Illusionist" ist mit Sicherheit eine angenehme Abwechslung zu
den effektlastigen US-Filmen, die das Bild des heutigen, starbesetzten Kinos
prägen, doch ich persönlich habe etwas mehr erwartet. Die Lovestory ist an
und für sich interessant zu verfolgen, muss sich jedoch auch durch einige,
nicht bestreitbare Längen kämpfen, Tempo herrscht dabei in keinster Weise
vor. So ist der Streifen vielmehr langsames Erzählkino als auf gut
verdaubare Unterhaltung ausgelegt, weshalb ich diesem Werk im direkten
Vergleich "The Prestige" vorziehen würde. Wer nur auf Actionfilme
steht, sollte "The Illusionist" meiden, alle anderen können sich
ohne Bedenken ein eigenes Bild von dem Werk machen. |