|
Organhandel, ein heikles Thema, schon vor
über 25 Jahren Handlungsgegenstand von Filmen wie
"Fleisch"(Rainer Erler, Deutschland, 1979). In Zeiten, wo
gutsituierte Personen mit Geld anscheinend eben alles erwerben können,
außer Gesundheit und ein langes Leben, aktueller denn je.
KOMA ist ein relativ ruhiger, dennoch sehr spannender Psychothriller, der
darauf verzichtet, das Thema Organhandel mit blutrünstigen Bildern
spektakulär zu verheizen, sondern sich eher auf die menschlichen
psychologischen Aspekte konzentriert.
Der Film beginnt sehr stimmungsvoll: Eine Hochzeitsgesellschaft feiert in
einem Luxushotel. Leicht angeschickert fängt die attraktive Suen Ling den
Brautstrauß, kotzt dem Brautpaar ins Bad und macht sich auf den Weg nach
Hause. Gleichzeitig in einem anderen Zimmer des Hotels wacht eine junge Frau
nackt in einer mit Eiswürfeln gefüllten Badewanne auf. An der Wand eine
Nachricht: "Wähle 999 oder Du stirbst". Als sie sich aus der
Badewanne schwingt, bemerkt sie noch ein ungewöhnliches Loch an ihrem
Rücken, dann klappt sie in ihrer eigenen Blutlache zusammen. Wie der Zufall
so will, stolpert Suen Ling just in diesem Moment durch die nur angelehnte
Zimmertür hinein, ist natürlich mit einem Schlag nüchtern und entkommt
nur zufällig um Haaresbreite dem Urheber der ganzen Blut- und
Eisgeschichte. Vorher konnte sie noch durch Zufall einen Blick auf eine
unbekannte junge Frau auf dem Flur erhaschen.
Nach diesem wirklich vielversprechenden Intro flacht der Film jedoch leider
etwas ab. Zwar nicht so, dass sich der Zuschauer plötzlich vor lauter
Langeweile lieber in eine Wanne voll Eis legen will oder der Lektüre von
Chirurgie-Fachbüchern zuwenden mag, aber irgendwie zähflüssig und
dialoglastig. Wir erfahren, dass es sich bei dem Mord, dessen Resultat
Schnapsdrossel Suen Ling begutachten durfte, um einen weiteren Fall von
Organraub handelt. Ein anscheinend fachkundiger Killer betreibt
offensichtlich einen regen Handel mit den bohnenförmigen Innereien.
Suen Ling ist zufälliger Weise nierenkrank. Dafür hat sie aber den
Brautstrauß gefangen, ist ja auch schon mal was. Dumm nur, dass ihr Freund
zufälligerweise eine Affäre mit der unbekannten Dame vom Hotelflur hat,
die nicht nur eben so schön ist wie sie, sondern zusätzlich auch noch
komplett gesund. Hat sich das Thema Hochzeit dann wohl für sie erledigt.
Aber Suen Ling hat auch ganz andere Sorgen: Die Nebenbuhlerin terrorisiert
sie mit Anrufen, droht, auch IHRE Nieren englisch rauszuoperieren. Dann wird
sie jedoch von dem WIRKLICHEN Nierentischler entführt. Zufällig wird sie
aber von ihrer Konkurrentin gerettet. Irgendwie schließen die beiden
Freundschaft, schließlich haben sie ja nicht nur den einen gemeinsamen
Liebhaber, sonder noch eine weitere Gemeinsamkeit: Wie der Zufall so will
haben die beiden auch noch die gleiche seltene Blutgruppe.
Wie man unschwer anhand obiger Zeilen erkennen kann, regiert, ja diktiert,
hier Kommissar Zufall. Sicherlich ein bisschen zuviel auf einmal, wodurch
dann auch die Logik stellenweise ein wenig in den Hintergrund tritt.
Nichtsdestotrotz kann "Koma" als solide Thriller-Unterhaltung
angesehen werden. Zwar nicht gerade weltbewegend, allerdings sehr schön
inszeniert.
Zum Ende hin nimmt der Film dann wieder richtig Fahrt auf. Und der Showdown
mit dem ungleichen Duell "Axt gegen Skalpell", inklusive
zerplatzender Formaldehyd-Gedärm-Reagenzgläser entschädigt für einige
dramaturgische Hänger zuvor. Merke: Frauen-Pumps haben KEINE Stahlkappen!!!
Schauspieltechnisch ist wirklich nichts auszusetzen. Auch die deutsche
Synchro ist (mit einigen wenigen Ausnahmen) professionell gelungen.
Ein besonderer Pluspunkt des Films ist die Besetzung der Rolle der
nierenkranken Suen Ling durch Kar Yan Lam (oft auch als Karena Lam
gelistet). Dass eine Filmbeauty eine durch Krankheit beeinträchtigte Person
spielt, ist ja nicht gerade neu. So was gab's schon öfters seit Ali MaCGraw
in der "Love Story". Meistens erfolgte eine solche Darstellung
jedoch getreu dem Motto "Das Sterben ist ästhetisch bunt". Ein
bisschen husten und so und dann ab in die Kiste. Bei "Koma" wird
jedoch ein wenig intensiver und wohl wesentlich realistischer mit dem
Krankheitsbild umgegangen. So muss Suen Ling eben aufgrund schwacher Nieren
öfters auf Toilette, kotzt sich auch mal in der Disko die Seele aus dem
Leib, hat Probleme mit Mundgeruch. Wenn man also sonst vielen
Psychothrillern eine Message absprechen muss (und auch darf, schließlich
sollen sie ja auch in erster Linie unterhalten, nicht belehren..), bei
"Koma" zumindest kann man eine Botschaft hineininterpretieren,
nämlich, dass eben Krankheit auch vor Schönheit nicht halt macht. Naja,
auf der anderen Seite hätte wahrscheinlich auch die Eifersuchtsstory nicht
so ganz funktioniert, wenn Suen Ling aussehen würde wie dem Neandertaler
seine Tochter...
Noch eine Bemerkung zu Karena Lam: Sie singt auch den Titelsong des
Soundtracks, der als wirklich sehr passend angesehen werden kann. Das Lied
erinnert ein wenig an die guten alten Tage des Heroic Bloodshed
Hongkong-Kinos, wo solche betörend schönen Sirenengesänge das
melancholische Kontrast-Programm mancher John Woo - Filme bildeten. Eine
Stimme hat die Frau. Das muss man ihr lassen. Auch schauspielerisch ist sie
sehr solide. Aber: Bitte, bitte, liebe Karena! Versuch nie, nie wieder eine
besoffene Brautjungfer zu spielen.
Fazit: Überdurchschnittlicher, solider Psychothriller mit brisantem Thema.
Geht zwar nicht wirklich "an die Nieren", lässt einen aber auch
nicht ins "Koma" fallen. Trotz einiger Längen sehr spannend!!! |