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Hier haben wir es mit einem Film zu tun, der
in der Fachsprache als Rape and Revenge Movie bezeichnet wird. Das bedeutet
soviel das die Hauptperson ausgenutzt, gefoltert, missbraucht, oder was auch
immer, wird und sich dann am Ende an ihren Peinigern rächt, bis alle tot
sind. Solche Art von Filmen sind bei den Jugendschützern ganz besonders
unbeliebt, da sie meistens allesamt grausam sind und am Ende eine geballte
Ladung Selbstjustiz bringen. Sehr bekannt in diesem Genre sind vor allem „Mondo
Brutale“/“Last house on the left“ und „Muttertag“, welche
hierzulande beide verboten sind. Es gibt aber eine ganze Menge Filme der
Art, die aber oft auch mehr schlecht als recht sind. „Thriller“ gehört
meiner Meinung nach neben „Mondo Brutale“ zu den besten Filmen dieser
Art. „Muttertag“ ist zwar auch ziemlich gut, aber der ist durch seine
teilweise starke Unernstheit mehr unterhaltend als schockierend.
Der Film selber ist eigentlich die ganze Zeit über relativ ruhig gehalten
und braucht schon ein bisschen bis er mal los geht, was aber mit einer
Länge von fast 2 Stunden absehbar ist. In der ersten Stunde werden wir
Zeuge von Christinas Schicksal, wie sie heroinsüchtig gemacht wird, ein
Auge verliert (Autsch, wenn ich nur dran denke) und von den Kunden
missbraucht wird. Man bekommt als Zuschauer richtig mitleid mit ihr, vor
allem da sie mit 17 (In Echt war sie natürlich schon volljährig) noch
nicht mal erwachsen ist. In der zweiten Hälfte ist dann Rache angesagt. Und
die gönnt man ihr auch richtig, vor allem als dann der fiese Boss am Ende
dran glauben muss (ich verrate das jetzt, weil es sowieso von Anfang an
logisch ist).
Es herrscht eigentlich die ganze Zeit über eine recht beklemmende
Atmosphäre, aber so muss es bei einem Film dieser Art auch sein. Am besten
vergleichen kann man in dieser Hinsicht „Thriller“ wohl mit „Mondo
Brutale“. Spannungsgeladene Szenen gibt es jetzt zwar keine, der Film
bleibt aber trotzdem von Anfang an interessant. Was wohl einigen nicht
passen wird, ist dass sehr sehr wenig gesprochen wird, was unter anderem
wohl auch auf Christina zurückzuführen ist, die ja stumm ist. Es gibt
teilweise sogar minutenlange Passagen in denen kein einziges Wort fällt,
was dann manchmal schon etwas ermüdend wirkt, auf der anderen Seite aber
irgendwie auch sehr gut zu Film passt. „Thriller“ ist jedenfalls ein
Film, der die Bilder sprechen lässt und durch sie auch die Handlung voran
treibt.
Zimperlich geht der Film mit den Darstellungen aber nicht gerade um, was die
Gewalt und auch Vergewaltigungsszenen angeht. Die Erschießungsszenen am
Ende sind beispielsweise alle in extremer Zeitlupe dargestellt, was das
ganze gleich noch viel brutaler wirken lässt. Es ist eben schon ein
Unterschied, ob jemand einfach von weiten erschossen wird, oder man in
Grossaufnahme und Zeitlupe sieht, wie die Schrotkugeln in den Kopf des
Opfers reinfetzen und dieser mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden sinkt.
Am heftigsten ist aber die Szene, in der Christina ihr linkes Auge verliert
und das sieht man richtig in Großaufnahme wie das Skalpell in die Pupille
eindringt. Für diese Szene wurde übrigens ein echtes (natürlich totes)
menschliches Auge genommen, was das ganze gleich noch sehr realistisch
aussehen lässt. Erwartet aber kein Splatterfilm, denn dies ist die einzige
richtige Goreszene im Film. Der Boss darf zwar auch auf eine unschöne
Methode sterben, aber dort blendet die Kamera im entscheidenden Moment weg.
Aber „Thriller“ hat auch keine Splatterszenen nötig um zu schocken, er
ist auch so knallhart.
Aber unbedingt erwähnen sollte man auch die Sexszenen, welche einen
richtigen Skandal ausgelöst haben. Der Regisseur hat nämlich tatsächlich
Hardcoreszenen mit eingebaut und das sogar im Jahre 1974, zu welchem
Zeitpunkt eh alle noch ziemlich verklemmt waren in dieser Hinsicht. Und zwar
auch gleich mehrere, was den Film an machen Stellen schon ein bisschen
pornohaft wirken lässt. Diesen aber auf einen Porno zu reduzieren wäre
aber nicht fair, da alle Hardcoreszenen zusammengerechnet vielleicht gerade
mal 5 Minuten Spielzeit haben und lediglich dazu dienen das Geschehen
härter wirken zu lassen. Über Sinn und Unsinn kann man sicher Stunden
diskutieren, ich persönlich denke aber das der Regisseur dadurch einfach
etwas provozieren wollte ;-).
Mir persönlich ist es jetzt eigentlich relativ egal ob in einem Film
derartige Szenen vorkommen, solange der Regisseur nicht übertreibt. Sind
nämlich zu viele Hardcoreszenen in einem Film, landet dieser schnell in der
Pornoecke, was aber auf „Thriller“ Gott sei dank nicht zutrifft. Als
Gesamteindruck am Ende bleibt jedenfalls ein harter Rape and Revenge Film
und das Wort Porno wäre eine Beleidigung. Die Hardcoreszenen wurden
übrigens nicht mit der Hauptdarstellerin gedreht, dafür hat man extra eine
Pornodarstellerin angagiert und die Szenen wurden letztendlich passend
zusammen gefügt.
Wo wir schon bei den Darstellern sind, muss ich erst einmal ein großes Lob
an Christina Lindenberg aussprechen, die für die Christina im Film einfach
perfekt besetzt ist. Sie redet zwar kein einziges Wort, ist aber trotzdem
die ganze Zeit über immer sehr überzeugend, vor allem als Racheengel am
Ende. Ihre Figur (Schwarzer Mantel und Augenklappe) hat Quentin Tarantino
übrigens als Vorlage für die Figur Elle Driver in „Kill Bill“
verwendet (Jedenfalls was das Aussehen angeht). Auch der „Boss“ von
Christina gibt einen richtig guten Fiesling ab, der zwar immer nett rum tut,
in Wahrheit aber ein Schwein ist. Alle anderen sind zwar nur Kanonenfutter,
machen ihre Sache aber trotzdem ordentlich.
„Thriller“ gehört übrigens, ganz nebenbei erwähnt, zu Quentin
Tarantinos Lieblingsfilmen und diente unter anderem auch als Vorlage zu „Kill
Bill“. Nachdem dies jedenfalls bekannt wurde, ging die auf 25.000 Stück
limitierte US DVD von Synapse wie warme Semmeln weg, was die Firma, die die
Rechte zuvor unwissend für lächerliche 10000 Dollar an Synapse verkaufte
sehr verärgerte.
Meine Meinung basiert auf der US DVD von Synapse, welche den Film komplett
ungeschnitten zeigt und auf 25.000 Stück limitiert ist. Für einen Film von
1974 kann man sich über eine sehr gute Bild und Tonqualität freuen,
lediglich bei den eingefügten Szenen wird es ein kleines bisschen
schlechter. Das Bildformat ist 1,78:1 und der Ton Dolby Digital 2.0 Mono.
Bei den Sprachen kann man zwischen englisch und schwedisch (Originalsprache)
wählen und je nach bedarf englische Untertitel ein und ausblenden. Da im
ganzen Film sehr wenig gesprochen wird kann man selbst mir sehr schlechten
Englischkenntnissen problemlos der Handlung folgen. Extras gibt es auch
einige. Da wären Kinotrailer und TV Spots zum Film selber, Outtakes,
alternative Szenen, Infos zu den Schauspielern, eine Bildergalerie und ein
sehr interessantes kleines Booklet. Die DVD hat als Freigabe unrated, was
wohl soviel wie NC-17 bedeutet und die höchste, sehr selten vergebene
Freigabe in der USA ist. Die Scheibe selber hat mich 27 Euro gekostet.
Über andere Versionen ist mir nichts bekannt. Ich weiß nur, dass die
amerikanische Erstauflage um 20 Minuten geschnitten wurde (wo zum Teufel
haben die nur so viel zum Kürzen gefunden?!) und das der Film 1975 auch in
Deutschland im Kino zu sehen war, aber auch geschnitten. Es scheint
jedenfalls so, dass diese DVD neben der total verstümmelten Erstauflage die
einzige offizielle Version ist und die ist auch noch limitiert. Wenn ihr den
Film also sehen wollt, solltet ihr Euch die Scheibe so schnell wie möglich
holen, wer weiß wann ihr ansonsten das nächste mal die Gelegenheit dazu
habt ohne eventuell ein Monatsgehalt zahlen zu müssen.
Obwohl es auch die ein oder andere Länge gibt, ein sehr interessanter und
vor allem knallharter Rape and Revenge Film, den man mal gesehen haben
sollte. Ich fand ihn jedenfalls sehr gut und vergebe eine 7,5 von 10. Auch
die US DVD ist sehr empfehlenswert und wahrscheinlich die weltweit beste
Veröffentlichung des Films. |