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Kurzfilme erfreuen sich bei vielen Filmfans
einer großen Beliebtheit. Nicht zuletzt deshalb, weil sie aufgrund ihrer
kurzbemessenen Spielzeit den Vorteil haben, dass der Zuschauer im Falle
eines langweiligen und schlechten Films nicht unnötig lange gequält wird.
Im Umkehrschluss folgt daraus allerdings der Nachteil, dass wirklich
unterhaltsame und gute Produktionen leider viel zu früh zuende sind.
Letzteres trifft auf „Zielgerade“ voll und ganz zu.
Der Kurzfilm bringt seine Story spannend und
unterhaltsam auf den Punkt und kann auf ganzer Linie überzeugen. Die 5
Minuten Spielzeit vergehen viel zu schnell. Und so wird sich, kaum dass der
Film vorbei ist, der Daumen des Zuschauers garantiert unweigerlich der
Wiederholungstaste der DVD-Fernbedienung nähern.
Angesichts der Professionalität der Umsetzung
mag man kaum glauben, dass es sich bei „Zielgerade“ um das Regiedebüt
von Sonja Sinz und Dominic Saxl handelt. Zu gute kam ihnen dabei sicherlich
ihre bisher erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten durch verschiedene
Projekte im Bereich des Werbefilms.
Begünstigend kam für sie selbstverständlich
hinzu, dass sie mit Dea Li, Richard van Weyden und Caspar Arnhold für ihr
Projekt drei Hauptdarsteller gewinnen konnten, die schon mehr oder weniger
langjährige Erfahrung als Film- und Theatermimen aufweisen können. Alle
drei Darsteller, die offensichtlich für die Unterstützung des Projekts
ehrenhafter Weise auf eine Gage verzichtet haben, überzeugen in ihren
Rollen. Eine großartige Leistung, zumal sie sich bei der Darstellung ihrer
Charaktere einzig auf Mimik und Gestik beschränken müssen. Die einzige
Sprechrolle obliegt Richard van Weyden, der zusätzlich zu seiner Arbeit vor
der Kamera als Erzähler aus dem Off fungiert. Und auch hier erweist sich
diese Besetzung als absoluter Glücksgriff. Mit fast schon beschwörerischer
Stimme klärt Richard Van Weyden den Zuschauer über die „6 Regeln“ auf.
Seine flüsternde Intonierungsweise ist dabei dermaßen schaurig intensiv,
dass dem Zuhörer Angst und Bange werden kann, in der Vermutung, hier
spräche tatsächlich ein Serienkiller.
Dea Li dürfte einigen Zuschauern noch als
Sängerin der Techno-Formation „U-96“ in den 90er Jahren bekannt sein.
Für die multitalentierte Künstlerin, die sich u.a. auch als Choreographin
für den Dancefloor-Act „Captain Jack“ betätigte, ist dies nicht der
erste Ausflug in die Welt des Films. Zuvor übernahm sie schon Rollen in
anderen (Kurz-)Filmen, wie z.B. „Flowers for the Lady“ (Sven Hain,
Deutschland, 2000).
Sehr gelungen ist der aus der Aufzählung der
sechs Regeln resultierende episodenhafte Wechsel der Handlung zwischen
Gegenwart, in der die Frau in einer dunklen Gasse von dem unbekannten Mann
verfolgt wird, und den vorausgehenden Ereignissen, den zufälligen ersten
Aufeinandertreffen und Blickkontakten zwischen dem mysteriösen Fremden und
der Frau. Dabei ist besonders die hervorragende technische Umsetzung
hervorzuheben. Ob Kameraführung, Schnitt, Ton oder Beleuchtung. Alles ist
sehr gut aufeinander abgestimmt und mit großer Perfektion ausgeführt. Die
Szenenwechsel gehen durch sanfte Einblendungen butterweich ineinander über,
die Kamera wechselt von ebenfalls sehr sanft zwischen den einzelnen
Einstellungen, die mal die Beine von Frau und Verfolger, dann wieder deren
Gesichter einfängt.
Besonders schön auch das Farbspiel: Durch einen extremen
Hell-Dunkel-Kontrast zwischen den Verfolgungs-Szenen und den in fast schon
unnatürlich hellen Farben gehaltenen Rückblenden, wird beispielsweise die
Bedrohungssituation der aus dem sicheren belebten Lokal nun auf einer
finsteren Straße Frankfurts spazierenden Verfolgten sehr schön
dargestellt. Die nur zu Beginn und am überraschenden Ende eingespielte,
dramatisch spannende Musik rundet den durchweg positiven Gesamteindruck des
Films zusätzlich ab!!!
Der Filmfreund kann wirklich nur hoffen, dass
Sonja Sinz und Dominic Saxl ihrem wirklich auf ganzer Linie überzeugenden
Debüt weitere Arbeiten folgen lassen. Wer weiß, vielleicht eröffnet ihnen
„Zielgerade“ ja die Möglichkeit, die interessante Thematik des Films
demnächst anhand eines abendfüllenden Spielfilms aufzugreifen. (Die
deutschen Kino-Erfolge „Doppelpack“ und „Was nicht passt wird passend
gemacht“ entstanden damals schließlich auch aus ihren gleichnamigen
Kurzfilmen).
Die
Tür zum ganz großen Erfolg haben Sonja Sinz und Dominic Saxl mit „Zielgerade“
jedenfalls schon mal weit aufgestoßen. Man darf gespannt sein, was sie uns
in Zukunft präsentieren werden!! |