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Eine Gruppe junger, party-feiernder Teens oder
wahlweise eine Familie mit der Aussicht auf einen Neuanfang, sowie ein altes
Haus - mehr braucht es in der Regel nicht für solide Spukhaus-Unterhaltung,
das wissen wir schon seit Umberto Lenzi's "Ghosthouse", dem Vincent
Price Klassiker "Das Haus auf dem Geisterhügel" oder natürlich der
"Amityville Horror" Reihe. Die Ära, in der dies ausreichte, um
einem Publikum Aufmerksamkeit abzuringen, ist allerdings in gewisser Weise
schon wieder vorüber, auch wenn uns "Das Geisterschloss" und Andrew
Douglas' annehmbares "Amityville Horror"-Remake noch einmal beweisen
konnten, dass der Geisterhaus-Horror durchaus noch ein Recht auf Fortbestand
sein Eigen nennen kann. Die heutigen Horror-Fans sind aber eine vollkommen
andere Generation und nur schwer mit dem zufrieden zu stellen, was vor mehr
als 20 Jahren noch für einen guten Film ausreichte. Zum Glück gibt es aber
auch heute noch Filmemacher, die an den alten Werten festhalten und einer von
diesen war es auch, der uns im Jahr 2001 das überdurchschnittlich gute
B-Movie "Cubbyhouse" bescherte.
Hier wird noch einmal alles verwurstet, was in
einen guten Spukhaus-Film von Welt selbstverständlicher weise gehört und so
bleibt dem gestandenen Horror-Fanatiker kein noch so offensichtliches Klischee
verschont. Da hätten wir die Mutter, die bis zum Ende die Augen vor dem
Grauen verschließt, den aufgeweckten, in diesem Fall bereits volljährigen
Sohn, der als Einziger die drohende Gefahr erkennt, sowie den scheinbar
Geisteskranken aus der Klappse, der erst am Ende seine wahre Funktion
offenbart und sich zum Retter der Stunde mausert. Dazwischen gibt es immer
wieder mal relativ harmlose Spukmomente, in denen sich das Böse in Form von
Lianen, die sich durchs Unterholz winden, präsentiert, ab und an darf es sich
auch mal in Mami's Computer hacken und ihr biblische Drohungen zukommen
lassen, die diese natürlich nicht begreift.
Klingt alles altbacken, innovationsarm und stark
ergraut? Nun, wenn man ehrlich ist, dann stimmt das auch, dennoch macht
"Cubbyhouse" durchweg Spaß und unterhält auf ganzer Ebene. Mit
budgettechnisch weitaus besser angereicherten Genre-Kollegen kann man diesen
Spukhausfilm allerdings nur schwerlich vergleichen, "Cubbyhouse"
kommt ganz eindeutig aus der B-Movie Ecke, was ihm jedoch einen noch
größeren Charme verleiht. Hier läuft alles nach gängigen Mustern ab,
dennoch hat man ständig das Gefühl, dass man den Streifen einfach mögen
muss. Mit nervenzerreissendem Horror sollte man allerdings zuletzt rechnen.
Wäre nicht zwei, drei blutige Momente auszumachen und ein paar sexuelle
Anspielungen vorhanden, könnte man "Cubbyhouse" glatt als
Gruselspaß für die ganze Familie abtun.
Das tut dem Unterhaltungswert jedoch keinen
Abbruch, im Gegenteil. Man fühlt sich hier sofort wieder in die 80er
zurückversetzt, als Horror dieser Art manchmal noch von subtilem Grusel
getragen wurde, bevor die große Blutwelle einsetzte. Große Teile des Films
konzentrieren sich auf die beiden Kinder Natalie und Ivan, die mehr und mehr
von dem kleinen, windschiefen Schuppen im Garten, die in Australien als
"Wendy houses" oder eben "Cubby houses" bekannt sind,
angezogen werden. Merklich wird ihr Betragen immer sonderbarer und abwesender,
bis sie sich irgendwann komplett der dunklen Macht unterwerfen. Vor allem in
Bezug auf das unheimliche, kleine Häuschen hat der Film sogar eine schaurige
Momente zu bieten, so etwa in Dannys Albträumen, in denen das Cubbyhouse
glatt zum blutenden Monstrum mutiert.
Hartgesottene Horror-Fans oder Gorehounds
sollten diesen Film möglichst meiden, alle anderen, insbesondere
"Weicheier", die sich ansonsten nicht an Horrorfilme herantrauen,
werden hier aber ihren Spaß haben. Dies gilt auch für die abgehärteten
Film-Fans, denen so leicht nichts mehr eine Gänsehaut bereiten kann, wenn
diese in der Lage sind, ihre Ansprüche zurückzuschrauben. Zwar gibt es im
großen Finale durchaus Blut zu bestaunen, etwa wenn ein Mann von einer
Gartenzaunlatte aufgespießt wird oder ein anderer Bekanntschaft mit
fliegendem Werkzeug machen darf, die meiste Zeit über ist das Grauen aber nur
schleichend und still präsent, was aber nichts daran ändert, dass die 85
Minuten äußerst unterhaltsam vonstatten gehen. Danny darf bei seiner neuen
Nachbarin anbandeln, während die scheinbar verrückten Zwillingsbrüder
Harrison und Harlow auch irgendwie in das Geschehen involviert zu sein
scheinen und dadurch für etwas Abwechslung im Plot sorgen. Hin und wieder
wird zudem ein sprücheklopfendes Nachbarskind im Cubbyhouse mit Maden
überschüttet und gelegentlich genehmigt sich das Häuschen sogar einen
Kammerjäger zum Frühstück. Einschlafgefahr ist also nicht vorhanden.
Die Schauspieler erledigen ihren Job großteils
souverän. Joshua Leonard, den man noch durchaus positiv aus "Blair Witch
Project" in Erinnerung hat, macht seine Sache als wachsamer großer
Bruder ordentlich, wenngleich auch sein Charakter nicht immer sehr sympathisch
erscheint, aber dafür kann der Schauspieler selbst ja nichts. Belinda McClory
beweist ebenfalls viel Talent, ihre Figur der ungläubigen Mutter
darzustellen, während Amy Reti und Joshua Tainish-Biagi vermutlich mit dem
schwersten Job zu kämpfen haben. Kinder wirken in Filmen oftmals aufgesetzt
und eher lächerlich, doch die beiden schlagen sich durchaus wacker, vor allem
die kleine Amy Reti.
"Cubbyhouse" bietet vor allem einem
Horror-Unerfahrenen Publikum durchweg gute Unterhaltung, denn das das
formvollendete Spiel mit den Spukhaus-Klischees wird hier zu keinem Zeitpunkt
langweilig oder uninteressant. Zwar ist das Werk ganz klar in die B-Movie
Abteilung einzuordnen, allerdings sprüht es nur so vor naivem Charme, der ihm
eine Atmosphäre verleiht, wie man es sonst nur aus den kultigen
Genre-Vertretern der 80er kennt. Ein hartgesottenes oder all zu kritisches
Publikum sollte diesem Werk dennoch fernbleiben, denn bis auf ein paar wenige
blutige Szenen bekommt man hier nur wenig echten Schrecken geboten. Für alle
anderen lohnt es sich aber, hier mal einen Blick zu riskieren. |