Chain Reaction – House Of Horrors

Informationen

OT:Chain Reaction

ca. 98 Minuten

Deutschland 2006

Regie

  • Olaf Ittenbach
Darsteller

  • Christopher Kriesa
  • Martina Ittenbach
  • Simon Newby
  • Luca Maric
  • u.a.

Chain Reaction - House Of Horrors

Story

Auf dem Weg zur Arbeit befährt Dr. Douglas Madsen (Christopher Kriesa) eine eher abgelegene Straße. Durch eine unglückliche Kettenreaktion, herbeigeführt durch eine tote Krähe, die einen Stein in Bewegung brachte, welcher anschließend auf die Frontscheibe von Madsen’s Wagen krachte, verliert der Arzt die Kontrolle über sein Fahrzeug und fährt frontal in einen entgegenkommenden Gefangenentransporter. In Folge des Unfalls gelingt es den Gefangenen, die Wächter bei einem blutigen Schusswechsel zu töten und Dr. Madsen als Geisel zu nehmen. Die Psychopathen, bestehend aus dem unberechenbaren und hochgefährlichen Anführer Arthur (Simon Newby), seinem angeschossenen Bruder Spence (Luca Maric), sowie ihren beiden Komplizen Vincenzo (Mehmet Yilmaz) und Stephen (Jaymes Butler) beschließen, die Flucht nach Kanada zu Fuß durch die Wälder anzutreten. Dr. Madsen’s einzige Lebensversicherung ist dabei der verletzte Spence, dessen Leben er um jeden Preis retten soll.

Nach einem Fußmarsch stößt der Trupp mitten in der bewaldeten Einöde auf eine scheinbar bewohnte Hütte. Mit dem Plan, sich dort fürs Erste niederzulassen, dringen die Verbrecher gewaltsam ein und stoßen im inneren der Hütte auf einige Bewohner, deren Verhalten jedoch sofort unheimlich erscheint. Sie sprechen in einer altertümlich scheinenden Sprache, tragen mittelalterliche Kleidung und reagieren völlig ruhig auf die Eindringlinge, ja, warnen diese sogar, schnell wieder das Weite zu suchen. Arthur und seine Leute schlagen die scheinbar grundlosen Warnungen natürlich in den Wind, was sicher aber noch als großer Fehler herausstellen soll. Nach einiger Zeit verwandeln sich die unheimlichen Bewohner in blutgierige Zombie-Vampire, die alle bis auf Dr. Madsen bestialisch abschlachten, der durch die Hilfe der hübschen Alice (Martina Ittenbach) entkommen konnte. Natürlich glaubt die Polizei die Geschichte von Madsen nicht, wegen Mordverdachts wird er fürs erste ins Gefängnis gesteckt. Auf dem Weg dorthin sorgt eine Kettenreaktion dafür, dass der Gefangenentransport einen Unfall hat und die Häftlinge sich befreien können. Das Geschehene scheint sich zu wiederholen…

Kritik

Der Bayer Olaf Ittenbach hat mit Verbissenheit und Hingabe über die Jahre das erreicht, von dem viele andere deutsche Amateurfilmer nur träumen können. Vom billigen Wochenenddreh mit ein paar Bekannten hat er sich dank seinen überragenden, selbst kreierten Splattereffekten in seinem Erstlingswerk "Black Past" aus dem Jahr 1989 immer weiter hochgearbeitet und genießt mittlerweile schon internationale Bekanntheit. Nicht nur innerhalb den Grenzen Deutschlands gelten seine auf Zelluloid gebannten Blutorgien als beinahe unübertroffen, auch in den Vereinigten Staaten ist man bereits auf Olaf aufmerksam geworden, seit einigen Jahren dreht der Deutsche regelmäßig in den USA. "Chain Reaction" erschien im gleichen Jahr wie die Comedy-Fake-Doku "Ittenbach’s Familienradgeber" und wurde von vielen Fans schon lange herbeigesehnt, denn die Vorabinfos ließen auf Interessantes hoffen. Nun, wo ich den Film gesehen habe, muss ich aber leider sagen, dass man noch wesentlich mehr aus dem Ganzen hätte machen können.

Natürlich lässt sich "Chain Reaction" (Kettenreaktion) in keinster Weise mehr mit den Anfängen des Regisseurs vergleichen. Aus Amateuraufnahmen sind mittlerweile richtig professionelle Filme mit einem ordentlichen Budget (in diesem Fall etwa 1 Million $) geworden, allerdings hat man bei Ittenbach nur all zu oft das Gefühl, dass unter der sauberen Optik noch immer nichts dazugelernt wurde. Aber eines nach dem anderen. Die Story ist in ihren Ansätzen hochinteressant, und, wenn sie mit nicht all zu vielen Überlegungen angesehen wird, wirklich mal was Anderes. Sobald man aber beginnt, über das Geschehen nachzudenken, tun sich schnell klaffende Logiklöcher auf. Wie aus der Inhaltsangabe hervorgeht, kommt es im Film immer wieder mal zu Kettenreaktionen, die zur Folge haben, dass verschiedene Gefangenentransporte in Unfälle verwickelt werden und den Häftlingen die Flucht gelingt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kettenreaktion aber so abläuft wie hier dargestellt, ist allerdings schlichtweg unmöglich, erst recht, dass dies gleich mehrere Male geschieht. So könnte man die Liste an Logiklücken weiter fortführen.

Was sich ganz vielversprechend anhört, zwei Häftlingsgruppen finden unter exakt den gleichen Umständen zu einer Hütte im Wald und werden dort abgeschlachtet, ist in der Umsetzung leider stellenweise etwas fad inszeniert und bringt gerade durch den Umstand, dass zweimal das Gleiche zu sehen ist, schon etwas Langeweile mit sich. Einschlafgefahr besteht hier noch lange nicht, allerdings fällt oftmals sehr stark auf, dass Ittenbach sein Storygerüst wichtiger als alles andere war, so dass der Unterhaltungswert nicht selten in den unteren Ebenen liegt. In vielen Passagen verzichtet "Chain Reaction" über einen längeren Zeitraum auf deftige Splatterpassagen, um die Handlung zu erzählen. Und auch, wenn die Charaktere extrem oberflächlich gehalten sind, muss man Ittenbach doch lassen, dass es ihm gelungen ist, eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Dr. Madsen ist von Beginn an überaus sympathisch und gerät im Verlauf des Films in die Hände gleich zweier Häftlingsgruppen. Obwohl sich die Verbrecher voneinander unterscheiden, ist das Ganze stets in einem ähnlichen Schema gehalten. Dennoch ist es nicht uninteressant, den Vergewaltigern und Mördern bei ihrem Spiel zuzusehen, denn Ittenbach hat diese so vulgär und absolut brutal überzeichnet, dass von ihnen eine ständige Bedrohung ausgeht. Gerade mit dem extrem gewaltfreudigen Arthur und dem geisteskranken Hannibal Lecter Verschnitt Paul sind Olaf Ittenbach zwei Charaktere gelungen, von denen eine stete, angsteinflößende Präsenz ausgeht.

Oberflächlichkeit hin oder her, an den Charakteren hapert es also schon mal nicht. Dafür fällt aber um so mehr ins Gewicht, dass die hübsch anzusehende B-Movie Optik und die teils gelungenen Kamerafahrten einfach nicht zum sonstig vorherrschenden Trashfilm-Charakter passen wollen. Die Synchro ist an so manchen Stellen wirklich schlimm, besonders bei den Bewohnern der Hütte, bei denen es wohl so rüberkommen sollte, als würden sie einen alten Dialekt sprechen, dabei hört es sich durch die bloße Umstellung des Satzbaus mehr so an, als hätte man sich Yoda zum Vorbild genommen. Des weiteren ist die nur aus einem Raum bestehende Hütte sehr spärlich eingerichtet und kann kaum für Atmosphäre sorgen. Neben diesen Ansätzen ist es aber die kaum wendungsreiche, und sich im Prinzip zweimal genau abspielende Story, die nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann.

Bleibt also noch die Frage offen, ob denn wenigstens die Splattereffekte noch vieles herausreißen können. Zumindest auf technischem Niveau präsentiert sich Ittenbach in dieser Hinsicht beinahe unübertrefflich, da werden Gesichter mit Steinen komplett eingeschlagen, Körper mit Hämmern und Schaufeln halbiert und geviertelt, alle möglich Körperteile abgetrennt, Schädel in Nahaufnahme gespalten, und sogar mal in Hoden herumgewühlt. Ja, genau so und nicht anders sollen handgemachte Effekte aussehen, auf dieser Ebene ist Ittenbach nach wie vor ungeschlagen. Dennoch dürfte der eine oder andere Gorehound enttäuscht sein, denn an die Brutalität von "Beyond the Limits" reicht "Chain Reaction" dann doch nicht heran, auch sind die Blutbäder nicht ganz so zahlreich vorhanden, wie zuerst anzunehmen war. Vielmehr bilden sie nur den Höhepunkt einer zuvor langwierig aufgebauten Handlung, die in diesem Film mehr denn je im Vordergrund steht.

Wir erinnern uns alle an die "Schauspieler" aus Ittenbach’s Anfangszeiten, die eigentlich kaum das Recht hatten, sich als solche zu bezeichnen. Hier hat sich in der Zwischenzeit zum Glück etwas getan, sogar recht viele bekannte Namen finden sich im Cast. Jürgen Prochnow, hier in einer Nebenrolle, ("Das Boot") dürfte vielen ebenso ein Begriff sein wie Christopher Kriesa ("Hellraiser: Inferno", "Cast Away – Verschollen", "The Man Who Wasn’t There"), der den Arzt wirklich absolut sympathisch und großartig spielt. Auch die Verbrecher wurden passend gecastet, einige kennt man aus diversen deutschen Serien oder sonstigen Filmproduktionen. Auch wenn viele Kritiker anderer Meinung sind, sind die schauspielerischen Leistungen imo passabel, die einzige Fehlbesetzung war die ständig den selben Gesichtsausdruck tragende Martina Ittenbach, die ihre Rolle natürlich nur durch ihre persönliche Verbindung zu Olaf bekam.

"Chain Reaction" ist kein Totalreinfall, jedoch auch nicht Ittenbach’s bestes Werk. Mittlerweile hat man langsam den Eindruck, dass, egal wie groß die Budgets werden, der Regisseur aus Bayern immer wieder nach dem gleichen Prinzip dreht und sich hier im Prinzip ein C-Movie unter der hübschen, recht teuer wirkenden Oberfläche versteckt. Die Story ist in ihren Grundzügen toll, in der Umsetzung aber von Logiklöchern behaftet und leidet zudem daran, dass sie zweimal die gleiche Geschichte erzählt. Trotzdem kann "Chain Reaction" durch extrem brutal agierende Antipathie-Figuren punkten und eine schön bedrohliche Atmosphäre entstehen lassen, die dann auf die für Ittenbach typischen, extrem blutigen Gore-Effekte hinausläuft. Wer sich für brutale Gewaltexzesse begeistern kann, wird gerade durch den sehr realistischen Look der Effekte seine Freude an "Chain Reaction" haben, zart besaiteten Zuschauern sei allerdings dringend abgeraten. Alles in allem konnte mich "Chain Reaction" gut und blutig unterhalten, dennoch sollte man nach mittlerweile 17 Jahren Regie-Erfahrung und einem Budget von 1 Million $ etwas mehr von einem Filmemacher erwarten können.

Bewertung

Splatter Chain Reaction - House Of Horrors
Spannung Chain Reaction - House Of Horrors
Story Chain Reaction - House Of Horrors
Ekelfaktor Chain Reaction - House Of Horrors
Atmosphäre Chain Reaction - House Of Horrors
Gesamt Chain Reaction - House Of Horrors

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