Anamorph – Die Kunst zu töten

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Informationen

Drehland USA
Drehjahr 2007
Laufzeit ca. 104 Minuten
Regie Henry Miller
Darsteller Willem Dafoe Scott Speedman Peter Stormare Clea DuVall u.a.
Bild
  • 2
  • 35:1 (anamorph/16:9)
Ton
  • DD5.1
  • 2.0
  • DTS
Sprachen
  • Deutsch
  • Englisch
Untertitel Deutsch
LC 2
FSK 16
Anamorph - Die Kunst zu töten

Story

Detective Stan Aubray ist nicht gerade zu beneiden. Vor nicht allzu langer Zeit ist es ihm zwar gelungen, den Serienmörder „Onkel Eddie“ dingfest zu machen, allerdings nicht ohne diesen bei der Festnahme zu töten. Und jetzt das: Mit seinem Kollegen Carl ermittelt er an einer neuen Tötungsserie, die der des „Onkel Eddie“ sehr ähnlich ist.

Der Mörder erstellt mit den Leichen bizarre Kunstwerke. Er bedient sich der Anamorphose, einer in der Malerei verwendete Technik, in der der Betrachter des Bildes nur in einem bestimmten Blickwinkel beziehungsweise mithilfe eines Spiegels oder Prismensystems den komplettem Inhalt des Gemäldes erkennen kann.

Der alkoholkranke und von einer Psychose befallene Stan merkt schnell, dass der Mörder ihm etwas mit seinen Kunstwerken sagen will. Die Presse erhöht den Druck auf ihn. Und er merkt schnell, dass er eine zentrale Figur im Spielchen des Serienmörders ist…

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Kritik

Die Story gibt ja schon mal eine Menge her und wer direkte Parallelen zu dem Genreklassiker „Sieben“ vermutet, liegt gar nicht mal so falsch. In „Anamorph“ geht es ebenfalls um einen Serienmörder, der mit seinen Morden etwas ausdrücken möchte. Anders wie beim Thriller mit den Polizisten Brad Pitt und Morgan Freeman liegt es hier aber nicht auf der Hand, was der Killer den Staatsschützern respektive Film-Betrachtern sagen will.

Das ist auf jeden Fall eine Menge Potential für einen gelungenen und spannenden Filmabend. Man muss aber leider nach der Betrachtung feststellen, dass das Potential nicht genügend ausgeschöpft wurde. Man ist seitens der Macher nicht genügend darauf eingegangen, den Charakter des Serienmörders zu durchleuchten. Warum tötet er? Was ist seine persönliche Beziehung zu seinen Jägern? Warum generiert er seine Kunstwerke? Und warum mit dem nicht sehr geläufigen Mittel der Anamorphose? Es bleiben sehr viele Fragen offen.

Das der Film aber dennoch zu gefallen weiß, ist der stets greifbaren Spannung und dem Hauptdarsteller zu verdanken. Spannend ist es eigentlich immer. Es gibt einige Höhepunkte im Film und die Grundspannung, da man natürlich mehr über den tötenden Psychopaten erfahren möchte. Die bizarren Morde und die düstere Kulisse sorgen zudem für ausreichend Atmosphäre.

Die Rolle des Jägers wird beeindruckend von Willem Dafoe dargestellt, der mal wieder unter Beweis stellt, dass er einer der besten Schauspieler auf diesem Planeten ist. Die Rolle kommt zwar nicht ganz so gut rüber, wie die des Agent Paul Smecker in „Der blutige Pfad Gottes“, sie kommt aber relativ dicht dran. Getragen von den Leistungen Dafoes, hinterlassen auch seine weniger bekannten Kollegen einen recht guten Eindruck. Nur vom Killer, an dieser Stelle soll jetzt nicht zu viel verraten werden, ist man vielleicht etwas enttäuscht. Der Darsteller hat aber das bereits angesprochene Problem, dass seine Rolle nicht so viel hergibt, wie man es sich vielleicht erhofft. Regisseur Henry Miller zeigt, dass er gute Filme machen kann. Sein erster großer Film zeigt dies bereits. Sicherlich gibt es noch Möglichkeiten zur Steigerung und das Ein oder Andere, dass er hätte besser machen können. Mit den Inszenierungen der Morde, den Szenenbildern und einigen interessanten Bildanimationen hat er sich den Weg nach oben offen gehalten. Das besondere Augenmerk liegt hierbei natürlich auf den Morden. Hier die Anamorphose einzusetzen ist eine brillante Idee, die auch sehr gut umgesetzt wurde. Man fiebert am Tatort mit: Was muss gemacht werden, um die Botschaft zu erkennen? Wo liegt die optische Täuschung? Und wenn man das Ergebnis dann vor Augen hat, ist man von der Idee und ihrer Umsetzung fasziniert. Genau so wie man es von dem berühmten Bild „Die Gesandten“ vom deutschen Künstler Hans Holbein (1497–1543) kennt, dass auch als Vorlage diente.

Somit bietet „Anamorph“ auf jeden Fall den Blick auf etwas Neues. Etwas Unverbrauchtes, dass vielleicht mit dem Problem kämpfen muss, zu sehr an „Sieben“, einem absoluten Ausnahmefilm, zu erinnern. In seiner Eigenständigkeit ist „Anamorph“ ein fiktiver Serienmörder-Thriller, der gut zu unterhalten weiß und lediglich das Problem mit sich bringt, dass er kaum Bezug zum Killer aufbaut. Und das ist leider ein Minuspunkt, da der Betrachter hinter die Maske eines kunstvollen Psychopaten gucken möchte…

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DVD

Die mit einer überzeugenden Bild- und Tonqualität daher kommende DVD aus dem Hause Koch-Media verfügt über Zusatzmaterialien, die das Guckvergnügen deutlich verstärken. Neben einem knapp viertelstündigen Behind the Scenes gibt es ausführliche Interviews mit Cast und Crew, die in etwa eine halbe Stunde dauern. Hier kann man als geneigter Betrachter auf jeden Fall eine Menge Informationen rund um den Film beziehen. Diese Extras gibt es in Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Den Abschluss des Zusatzmaterials machen die obligatorischen Trailer und eine Bildergalerie

Bewertung

Splatter 2008_1_5.gif
Spannung 2008_4_5.gif
Story 2008_5.gif
Ekelfaktor 2008_3_5.gif
Atmosphäre 2008_3_5.gif
Tonqualität 2008_6.gif
Bildqualität 2008_6.gif
Zusatzmaterial 2008_5.gif
Gesamteindruck 2008_4_5.gif

Ähnlicher Film:

Shadowplay – Bist du bereit zu töten?

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Informationen

Drehland USA
Drehjahr 2007
Laufzeit ca. 87 Minuten
Regie Derek Osedach
Darsteller Elly Jaresko A.J. Castro Brian Allen Kimberly Alexander u.a.
Bild
  • 1
  • 85:1 (anamorph/16:9)
Ton
  • DD5.1
  • 2.0
  • DTS
Sprachen
  • Deutsch
  • Englisch
Untertitel Deutsch
LC 2
FSK KJ
Shadowplay - Bist du bereit zu töten?

Story

Drei Personen, zwei Männer und eine Frau, finden sich plötzlich in einem abgedunkeltem Raum wieder. Ohne zu wissen wer der jeweils andere ist und was sie gemeinsam hier machen. Im Raum gibt es keine Fenster. Keine Türen oder sonstige Ausstiegsmöglichkeiten. Innen gibt es nur ganz wenige Utensilien. Eins davon ist eine Metallkiste, die mit Buchstaben bedruckt ist, welche sich merkwürdig verhalten.

Den Dreien ist klar, dass ihr Aufenthalt und ihr eventuelles Verschwinden aus dem Raum mit der Kiste zu tun hat. Es gibt also ein Rätsel zu lösen. Zu dem Rätsel gehören offenbar Erinnerungen. Erinnerungen die nach und nach wieder kommen und sich Stück für Stück in die vorbestimmte Ablaufkette eingliedern. Allerdings sorgen die Informationen nicht gerade dafür, dass es untereinander harmonischer wird. Je höher das Wissen der Gefangenen ist, umso unwahrscheinlicher scheint eine unversehrte Flucht…

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Kritik

Was macht man, wenn man die Ausgaben für einen Film so klein wie nötig halten will/muss? Klar: Man schnappt sich ein paar Schauspieler, sperrt sie in einen kleinen Raum und entwickelt dann eine Geschichte drum herum. So ähnlich hat das damals ja auch schon beim Film „Cube“ funktioniert. „Schadow Play“ greift dieses Prinzip auf, minimalisiert es und versucht das Spiel der ahnungslosen Kandidaten so interessant wie möglich zu gestallten, ohne dabei über Mittel zu verfügen, die Interessantes schaffen können.

Prinzipiell kann so etwas nicht funktionieren. Sollte man zumindest meinen. „Cube“ und seine Ableger sind längst bekannt und in Filmen wie „Saw“ hat man auch schon eingesperrte Menschen gesehen, die größere Probleme lösen mussten. Daher erstaunt es eigentlich, dass „Shadowplay“ durchaus unterhaltsam über den Bildschirm flimmert. Zumindest wenn man bereits vor der Betrachtung gewisse Abstriche bezüglich der oben erwähnten Filme macht, die auch auf dem Cover des Films angepriesen werden: .Ein Mystery-Thriller in der Tradition von CUBE und SAW“.

Der sehr sterile Hauptspielplatz und die unbekannten, aber dennoch solide agierenden Darsteller versetzten den Zuschauer in den Bann, dass erfahren zu wollen, was im Unklaren ist. Dies funktioniert auch eine ganze Zeit lang, ohne das qualitativ hochwertige Informationen zu Tage gefördert werden. Man beobachtet die leidgeplagten Protagonisten einfach bei dem was sie tun und harrt der Dinge, die da noch kommen werden. Die deutsche Synchronisation stört zwar etwas, da sie nicht als durch und durch gelungen betrachtet werden kann, dem Unterhaltungswert schadet dies aber nur wenig. Interessant gestaltet wird das Geheimnis und eine mysteriöse Kiste. Hier wird mit minimalsten Mitteln über einen recht langen Zeitraum Spannung erzeugt. Was auch gut rüberkommt sind die Szenen, in denen sich die Hauptdarsteller an ihr Leben vor dem Raum erinnern. Allerdings kann man auch nicht totschweigen, dass das Gezeigte mit zunehmender Spieldauer nicht mehr so zu überzeugen weiß. Auf Dauer wird es einfach zu monoton.

Auf Spezialeffekte jedweder Form hat man verzichtet. Es gibt weder Effekte noch blutige Szenen. Hier und da wird es zwar mal etwas ruppig, insgesamt muss man sich aber fragen, warum der Film die KJ-Einstufung bekommen hat. Die wahrscheinlichste Antwort hierfür wäre wohl, dass er gar nicht zur Prüfung angetreten ist.

Was man sich des weiteren Fragen muss ist warum der Film 87 Minuten dauert. Nach knapp 72 Minuten ist alles vorbei. Schluss. Wer in der Schule in Mathe einigermaßen aufgepasst hat, wird feststellen das da ziemlich genau eine Viertelstunde fehlt. Weil den Machern wahrscheinlich auch das Geld dafür gefehlt hat, die knapp 90 Minuten Filmmaterial zu füllen, hat man einfach einen Zeitlupen-Abspann hinten drangehangen, der sage und schreibe 15 Minuten dauert. Zwar ist die Musik, die mitläuft, nett, dennoch muss man den Verantwortlichen Etikettenschwindel vorwerfen. Dem Filmfan kann das an sich egal sein. Denn 15 Minuten mehr Story hätten den Film sicherlich mit einigen Längen aufgebläht. Nur muss man beim Betrachten klug genug sein, um nicht zu meinen das da nach oder im Nachspann eventuell noch etwas kommen kann.

Es wird sicherlich niemanden wundern, dass „Shadowplay“ mit seinen offensichtlichen Vorbildern „Cube“ und „Saw“ nicht mal im Ansatz mithalten kann. Es ist halt ein sehr minimalistischer Film, der dem nicht gefallen wird, der nichts mit B-Movies anfangen kann. Wer dies allerdings kann, für den wird „Shadowplay“ zu einem netten, klaustrophobischen Zeitvertreib.

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DVD

An Extra gibt es auf der DVD einen Audiokommentar (Wohl nur auf der Verkaufsversion) und Trailer. Das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Das Bild und der Ton sind durchwachsen. Nicht von bester Qualität, was an sich aber keine Rolle spielt, da sich der Film nicht so auf das Optische konzentriert und kaum Soundeffekte beinhaltet.

Bewertung

Splatter 2009_1.gif
Spannung 2009_3_5.gif
Story 2009_3.gif
Ekelfaktor 2009_1.gif
Atmosphäre 2009_3.gif
Tonqualität 2009_5.gif
Bildqualität 2009_5.gif
Zusatzmaterial 2009_2.gif
Gesamteindruck 2009_3.gif

Ähnlicher Film:

Fido – Gute Tote sind schwer zu finden

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Informationen

Drehland Kanada
Drehjahr 2006
Laufzeit ca. 88 Minuten
Regie Andrew Currie
Darsteller Carrie-Anne Moss Billy Connolly Dylan Baker u.a.
Bild
  • 2
  • 35:1
Ton DD5.1
Sprachen
  • Deutsch
  • Englisch
Untertitel Deutsch
LC 2
FSK 16
Fido - Gute Tote sind schwer zu finden

Story

In den 50er Jahren gelangt radioaktiver Staub eines an der Erde vorbeirasenden Meteors auf die Erde und sorgt für eine Epidemie unermesslichen Ausmaßes. Jeder, der stirbt, verwandelt sich kurz darauf in einen Zombie und giert nach dem Fleisch der Lebenden. In einem Krieg kann sich die Menschheit allerdings gegen die Zombies durchsetzen und lebt jetzt in gesicherten Zonen, die ringsherum mit sichernden umgeben sind, während außerhalb noch immer die Untoten umherwanken. Durch eine Erfindung des Konzerns ZomCon ist es den Menschen mittlerweile sogar möglich, die Zombies zu zähmen. Ein besonderes Halsband lässt die Untoten ihren Heißhunger auf Menschenfleisch vergessen und macht sie zu braven Haushaltssklaven. Auch in dem kleinen aber beschaulichen Vorort Willard ist es inzwischen in Mode gekommen, sich einen Zombie für den privaten Gebrauch zuzulegen. Sei es nun für die Erledigung aller anfallenden Arbeiten im Haushalt oder gar als Postboten oder Milchlieferanten – die ruhiggestellten Zombies sind aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Der Einzige, der sich noch gegen diesen Trend sträubt, ist Bill Robinson (Dylan Baker), der seinen Vater in den Zombiekriegen erschießen musste und seitdem eine gewisse Abneigung gegen die Untoten hegt – sehr zum Leidwesen seiner Frau Helen (Carrie-Anne Moss). Diese hätte schon gerne einen Zombie für den Hausgebrauch, insbesondere, da mit Mr. Bottoms (Henry Czerny) erst kürzlich der Sicherheitsbeauftragte von ZomCon nebenan eingezogen ist und Helen in ihrer Nachbarschaft nicht als Außenseiter gelten möchte. So schafft sie sich eines Tages ohne die Einwilligung ihres Gatten einen Zombie (Billy Connolly) an, was vor allem bei Sohnemann Timmy (K’Sun Ray) nach einiger Zeit auf sehr positive Resonanz stößt. Der Kleine freundet sich schnell mit dem verwesenden Untergebenen an und nutzt diesen auch, um sich gegen tyrannische Klassenkameraden zur Wehr zu setzen. Doch eines Tages kommt es zur Katastrophe: Als der Familienzombie, genannt Fido, im Park die alte Mrs. Henderson erschreckt, wird diese handgreiflich, zerstört dessen Halsband und wird prompt zum Mittagessen des Untoten. Timmy versucht zwar, die Angelegenheit zu vertuschen, beschwört damit aber nur ein noch größeres Chaos herauf. Während sich in Willard die Leichen häufen, stellt Mr. Bottoms Ermittlungen an und hat die Robinsons schon bald in Verdacht…

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Kritik

"Noch eine Zombiekomödie?" werden sich viele Horrorfans angesichts von "Fido" fragen. Ja, es gehört durchaus Mut dazu, nur wenige Jahre nach "Shaun of the Dead" einen weiteren Streifen dieser Güteklasse ins Rennen um die beste Horrorkomödie zu schicken, kam die ausgesprochen britische Zombie-Comedy doch sowohl bei den Fans, als auch den Kritikern ausgesprochen gut an. Da braucht es, wie erwähnt, entweder Mut oder andernfalls eine verdammt gute Idee und die Crew um Regisseur Andrew Currie dürfen von sich behaupten, in voller Linie von letzterem profitiert zu haben. Die Fans erwartet hier absolut kein lahmer Aufguss des offensichtlichen Vorbildes, sondern vielmehr ein liebenswertes, ausgesprochen einfallsreiches Werk, das sogar viele Ansätze zum potenziellen Kultfilm aufweist. Der Ausgangspunkt und die Kernidee des Films ist ebenso simpel wie brillant. Nach einem weltweiten Krieg gegen die altbekannten Untoten kam ein großer Konzern mit einer revolutionären Erfindung daher, die die fleischfressenden Bestien kurzerhand zu zahmen Schoßhündchen umfunktioniert und sie zu nützlichen Werkzeugen des Alltags werden lässt. Zeitlich wird man dabei in das Amerika der 50er zurückversetzt, "Fido" erinnert mit seinem zuckersüßen Aufguss und seiner grellbunten Optik nicht umsonst an "Pleasentville". Wir befinden uns in einem typischen Vorort à la "American Beauty", in dem jeder vorgibt, den amerikanischen Traum zu leben, in dem offensichtlich alles perfekt ist. Die Frauen kümmern sich um den Haushalt, die Männer gehen gemeinsam Golfen und die Kinder werden zu braven Musterschülern erzogen. Doch hinter der Fassade läuft so einiges schief. Die biederen Hausfrauen haben es faustdick hinter den Ohren und fühlen sich entgegen ihres braven Images sexuell unbefriedigt und von ihren Männern missachtet. Eine typische Satire auf das spießige US-Leben – mit Zombies, wohlgemerkt. Besonders ohne diese scheinbar heile Welt der 50er Jahre, wäre "Fido" nicht einmal im Ansatz das, was er jetzt ist. Beschwingte, alte Jazzmusik dudelt aus den Radios, während die Zombies die Post austragen, die Rasen mähen und den Müll raustragen. Andrew Currie und seinem Team gelang es dabei außerordentlich gut, den Geist der damaligen Zeit einzufangen und dem Streifen ein beachtliches Stück Nostalgie einzuhauchen, natürlich nicht, ohne dabei die typisch bissigen Seitenhiebe außer Acht zu lassen. Die Satire auf das spießige Kleinbürgertum funktioniert dabei allerdings ebenso hervorragend wie die erfrisch lustige Zombiekomödie, die die Untoten hier mal von einer ganz anderen Seite zeigt. "Fido" geht durch und durch in seiner Geschichte auf, die Zombies sind hier wirklich in allen Bereichen des Alltags verankert. Die Untoten gelten bereits als Statussymbol, die das Ansehen einer Familie erheblich steigern, während man in der Schule das Schießen mit scharfen Waffen beigebracht bekommt und schon mit 12 Jahren eine Handfeuerwaffe besitzen sollte. "Fido" ist einfach so perfekt durchkonstruiert, dass es jederzeit Spaß macht, dem allmählichen Zerfall des blankpolierten Vorstadtlebens beizuwohnen. Nervenzerreißende Spannung sollte man aber zu keinem Zeitpunkt erwarten, ebenso handelt es sich hierbei weniger um einen typisch-blutigen Vertreter des Zombiefilms. Natürlich sorgen die Untoten bei Versagen ihrer Halsbänder gelegentlich schon einmal für einen ausgerissenen Arm oder angeknabberte Hälse, aber alles in allem dominiert hier eine absolut humorvolle, niemals sehr ernstzunehmende Grundstimmung. Die Handlung fokussiert sich auf die Familie Robinson und deren neu erworbenen Zombie Fido, der im Laufe der Handlung für gehörig Unruhe sorgt. Mit dem Tod der alten Mrs. Henderson vermehren sich die frischen und unkontrollierbaren Zombies plötzlich mit rasender Geschwindigkeit und als wäre das noch nicht genug, droht den Robinsons auch noch die Verbannung in die "wilde Zone" außerhalb der sicheren Zäunen von Willard. Würde nicht gelegentlich mal etwas Blut spritzen, könnte "Fido" glatt als gutgelaunte Unterhaltung für die ganze Familie durchgehen. Fido entwickelt sich schnell zu einem guten Freund des kleinen Timmy und ersetzt der Hausfrau Helen in manchen Belangen sogar ihren Gatten Bill, der lieber mit seinen Freunden Golfen geht, als Zeit mit seiner Familie zu verbringen. In erster Linie die Tatsache, das hier vielmehr die ruhigen, humorvollen Töne dominieren, macht "Fido" zu etwas Besonderem. Und der Erfolg gibt dem Film recht. Der Streifen kommt fast durchweg sehr gut an und ist deshalb mit "Shaun of the Dead" durchaus ebenbürtig. Schauspielerisch bekommt man dabei auch sehr viel geboten. Die aus "Matrix" allseits bekannte Carrie-Anne Moss passt wie die Faust aufs Auge in die Rolle der verführerischen, aber ebenso unterversorgten Hausfrau, während Charakterdarsteller Dylan Baker bestens die Phobien und Ängste des Familienvaters Bill an den Mann bringt. K’Sun Ray macht seine Sache, trotz seines Alters, hervorragend, während Henry Czerny bestens den fiesen Unsympath, Kriegshelden und Sicherheitsbeauftragten Mr. Bottoms verkörpert. Eine Rolle für sich ist auch die des schrägen Nachbarn Mr. Theopolis, herrlich gespielt von Tim Blake Nelson, der sich einen geschminkten, weiblichen Zombie als Sexsklaven hält. "Fido" ist eine durch und durch spaßige Parodie auf den american way of life, die gekonnt aufzeigt, dass selbst hinter der saubersten Oberfläche bei weitem nicht alles stimmt. Hinzu kommt eine einfallsreiche und super umgesetzte Story um gezähmte Zombies, die wohl jedem Fan von intelligenten Horrorkomödien zusagen dürfte. Mit einem Übermaß an Spannung oder Gewalt sollte man hier allerdings nicht rechnen, auch wenn das Blut natürlich hin und wieder schon dezent spritzt. "Fido" richtet sich letztendlich aber mehr an Liebhaber schräger und irrwitziger Komödien und als solche betrachtet ist sie auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert, sondern beinahe schon ein Pflichtkauf.

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DVD

Hierzulande befindet sich "Fido" im Vertrieb von Ascot-Elite und ist seit dem 18.12.07 im Verleih, während die Verkaufs-DVD erst ab dem 14.02.08 zu haben ist. Laut bisherigen Informationen soll das Teil als edles Digipack erscheinen, zudem sollen weitaus mehr Extras als auf der bisherigen Verleih-VÖ enthalten sein, auf der man lediglich Trailer anfinden konnte.

Die Qualität der Verleih-DVD in Hinsicht auf Bild und Ton ist schon einmal sehr überzeugend und da dies vermutlich auch auf die Verkaufs-DVD zutreffen wird, sollte man sich den Titel schon einmal jetzt dick im Kalender notieren.

Bewertung

Splatter 2008_2_5.gif
Spannung 2008_5.gif
Story 2008_3_5.gif
Ekelfaktor 2008_1_5.gif
Atmosphäre 2008_5.gif
Tonqualität 2008_6.gif
Bildqualität 2008_6.gif
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