|
Der Eindruck, dass
das Werwolf-Subgenre langsam aber sicher ausgestorben ist, entsteht
allenfalls in Hinsicht auf den Mainstream-Bereich. Während die haarigen
Kreaturen bestenfalls mal in Popcorn-Werken wie "Van Helsing" oder
"Underworld" die Leinwand unsicher machen, ist der B-Movie-Bereich
in Sachen Werwölfe noch immer durchaus kreativ. In scheinbar kalkuliert
regelmäßigen Abständen schleichen sich immer wieder neue Werwolf-Flicks
in die deutschen Verkaufsregale, von denen aber nicht alle qualitativ
gleichermaßen hochwertig sind. "Ginger Snaps" ist ohne Zweifel
über jedwede Kritik erhaben, doch Werke wie "Skinwalkers" oder
"Blood & Chocolate" lassen trotz ihrer einigermaßen
interessanten Handlungen noch immer viele Wünsche offen. Wie man es richtig
macht, zeigt nun der Streifen "Big Bad Wolf", der weit mehr zu
bieten hat, als sein Titel vermuten lässt.
Lance W. Dreesen's
zweite Regiearbeit, ab und an ist er auch als Produzent und Drehbuchautor
tätig, erweist sich als gutgelaunte Mischung aus Teeniekomödie,
Funsplatter, klassischer Horrorstory und unverblümtem B-Trash. Vor allem
für letzteres sollte man ein gewisses Interesse hegen, da ein Einstieg in
diesen ebenso unterhaltsamen, wie schrägen Film ansonsten erheblich
erschwert werden könnte. Mit den vielen anderen, billigen Schundwerken, die
ansonsten Monat für Monat den gutgläubigen Horrorfans angedreht werden,
hat "Big Bad Wolf" auf der Gegenseite allerdings herzlich wenig zu
tun. Obwohl klar aus dem B-Sektor stammend, weißt die Inszenierung des
Werkes keinerlei Grund zum Ärgernis auf. Gleichzeitig ist auch die
Synchronisation über alle Zweifel erhaben, was bei einem Film dieser
Gattung nicht zwingend gängig ist.
Die Story dieses
trashig-sympathischen Werwolf-Flicks erscheint im ersten Moment absolut
ausgelutscht, kann im Nachhinein aber dennoch überzeugen. Eine Gruppe
Teenager, eine alte Hütte im Wald - hat man schon dutzendfach gesehen.
Insbesondere durch die Figurenkonstellation wird hier seitens des Drehbuchs
allerdings einiges wieder wett gemacht. Die Figureneinführung ist super
gelungen, wenn die Charaktere auch nicht gerade sehr detailliert gezeichnet
wurden. Dafür erfüllen sie ihren Zweck hervorragend. Zwei Pärchen, die
nur auf Sex und Spaß aus sind und dem Werwolf letztendlich zum Opfer
fallen, sowie die eigentlichen Hauptfiguren - Derek und Sam. Er ist der
typische Außenseiter, sie das toughe Powergirl, das sich von niemandem
blöd kommen lässt und neben ihrer Arbeit als Mechanikerin noch einige
weitere, männliche Attitüden aufweist.
In den Grundzügen
erinnert "Big Bad Wolf" stark an die kultige Horror-Serie
"Geschichten aus der Gruft". Der Film atmet den Geist der 80er und
hat nur wenig mit den vielen, schnell geschnittenen Horrorfilmen dieser Zeit
zu tun, die gerne mal die äußere Form über den Inhalt stellen. Lance W.
Dreesen's Werwolf-Trash erzählt eine herrlich althergebrachte Geschichte
mit leichten "Werwolf von Tarker Mills" Anleihen, die über 90
Minuten blendend unterhält. Nackte Haut, brutale Oldschool-Gore FX, ein
dämlich reimender Werwolf, der seinen Opfern auch gerne mal an die Wäsche
geht - was will man mehr? Das Monster sieht für einen budgettechnisch stark
begrenzten Film sehr gut aus, lediglich eine kurze CGI Verwandlung fällt
negativ auf. Lustigerweise hat der Werwolf die Fähigkeit zu sprechen und
zitiert so beispielsweise den großen bösen Wolf, der die drei kleinen
Schweinchen fangen wollte und wird durchaus auch mal vulgär. Zwar ist zu
jedem Zeitpunkt zu erkennen, dass hier lediglich ein Schauspieler in ein
zotteliges Kostüm gesteckt wurde, doch gerade das macht einen Teil des
Charmes aus.
Ein weiterer
Pluspunkt ist die durchaus spannende Präsentation des Handlungsverlaufs.
Für einen Horrorfilm unüblich, spielt sich ein Großteil des Films am
helllichten Tag ab und beschäftigt sich mit Derek's und Sam's Versuchen,
dem Werwolf eine Falle zu stellen. Derek und sein bedrohlicher Stiefvater
Mitchell liefern sich ein ständiges Katz- und Mausspiel, das sich immer
mehr zu steigern scheint und den Jungen in größte Gefahr bringt. Bei Laune
halten den Zuschauer dabei auch die zarten Anbandelungen zwischen Derek und
Sam, die durch den sehr eigenwilligen Charakter des Mädchens weitaus
weniger langatmig und konstruiert wirken, als sonst bei derartigen Filmen
üblich.
Wer einen
klassischen Horrorfilm sucht und sich hiervon einen düsteren Werwolffilm
erhofft, darf die Finger von "Big Bad Wolf" lassen. Der Streifen
will Spaß machen und unterhalten, was ihm auch gelingt. Die Story bleibt
konstant spannend und wird gelegentlich mit überraschend blutigen Effekten
angereichert, mit denen man anhand der 16er Freigabe nicht gerechnet hätte.
Auch wenn hier nicht pausenlos Effekte aufgefahren werden, sollten
Splatterfans durchaus ihre Freude mit dem Werk haben.
Die
schauspielerischen Leistungen der meisten Akteure weiß letztendlich auch zu
gefallen. Vor allem Richard Tyson gibt eine erinnerungswürdige Performance
als fieser Stiefvater ab, der ohne Werwolf-Make Up nicht minder bedrohlich
wirkt. Eine weitere Glanzleistung bietet Kimberly J. Brown, die als ebenso
hübsche, wie harte Freundin Derek's weiß, wie man Werwölfen in den
Hintern tritt. Der Großteil des restlichen Casts ist austauschbar, macht
seine Sache aber annehmbar.
"Big Bad Wolf" ist einer dieser Filme, denen man im ersten Moment
nicht viel zutrauen würde, die einen letzten Endes aber um so positiver
überraschen. Inszenatorisch und storytechnisch nahe an die 80er gehalten,
wird einem hier ein humorvolles und pausenlos unterhaltsames
Werwolf-Trash-Werk geboten, das als B-Movie betrachtet durchaus überzeugt.
Sex, Blut, eine annehmbare, spannende Story, überzeugende Hauptdarsteller
und ein reimender, vergewaltigender Werwolf machen aus "Big Bad
Wolf" eine durch und durch runde Sache. Als Horrorfilm vielleicht die
falsche Wahl, alles in allem aber empfehlenswert. |