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Die
drei jungen Filmstudenten Heather (Heather Donahue), Josh (Joshua Leonard)
und Mike (Michael Williams) begeben sich mit Film-Equipment ausgerüstet
nach Burkitsville, Maryland, um dort eine Dokumentation über die
sagenumwobene Hexe von Blair zu drehen. Elly Kedward, so will es die
Legende, soll im 18. Jahrhundert in Burkittsville gelebt haben und damals
wegen Hexerei aus der Stadt vertrieben worden sein. Plötzlich verschwanden
daraufhin einige Kinder, was natürlich auf Elly Kedward zurückgeführt
wurde. Doch damit noch nicht genug. Mehr als 150 Jahre später kam es erneut
zu grausamen Kindermorden, die von dem verrückten Einsiedler Rustin Parr
begangen wurden. Er lockte die Kinder tief in seine kleine Hütte im Wald,
um sie dort in einem verließartigen Keller zu töten. Parr gab vor Gericht
an, von der Stimme einer Frau zu den Bluttaten getrieben worden zu sein.
Heather, Josh und Mike interviewen zuerst einige Passanten in Burkittsville
und fahren anschließend in den Black Hills Forest. Dort wollen sie,
ausgerüstet mit Verpflegung, Videokameras, Schlafsäcken und Zelten die
Schauplätze der einstigen Bluttaten aufsuchen. Der Wald gestaltet sich
größer und labyrinthischer als zuerst vermutet, weshalb Heather die Karte
für unbrauchbar erklärt und die Gruppe nach ihrem Gefühl anführt. Es
dauert nicht lange, bis die drei sich eingestehen müssen, dass sie sich
hoffnungslos verirrt haben. Als ob das noch nicht genügen würde, kommt es
in den Nächten immer wieder zu unerklärlichen Geschehnissen, so ist etwa
ein entferntes Kinderschreien zu vernehmen. Panik und Aggressivität bricht
innerhalb der Gruppe aus, es scheint als gebe es keinen Weg hinaus aus dem
Wald. Ist die Hexe von Blair mehr als nur ein Mythos? |
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Derartige
Hypes, wie ihn "The Blair Witch Project" schon vor seinem
Erscheinen auslöste, sind in der Kinogeschichte selten und verlangen nach
einer perfekt durchdachten Vermarktungsstrategie. Gemeinsam erschufen die
beiden Regieneulinge Daniel Myrick und Eduardo Sanchez ein bis in den noch
so kleinsten Winkel gut durchdachtes Franchise, und bewiesen Hollywood, dass
es nicht immer teure Effekte und namenhafte Schauspieler braucht, um aus
einem Film einen Millionenerfolg zu machen. "Blair Witch Project"
ist Independent-Kino, das allerdings mehr durch seine geschickte
Vermarktung, als durch den Film an sich zu einem bekannten Namen kam. Die
Geschichte, die die beiden Regisseure entwarfen, behauptete von sich, auf
wahren Tatsachen zu beruhen, und um diesen Schein zu wahren, war den Machern
keine Mühe zu groß. Es wurden Bücher über die Hexe Elly Kedward auf den
Markt gebracht, die im 18. Jahrhundert in Burkittsville gelebt haben soll,
es wurden Internetportale mit angeblich echten Polizeiakten des Falles der
drei verschwundenen Filmstudenten ins Leben gerufen und noch vieles mehr.
Alles sollte den Anschein erwecken, dass "Blair Witch Project" die
gefundenen Aufnahmen von Heather Donahue, Joshua Leonard und Michael
Williams waren. Zum damaligen Zeitpunkt waren keine Infos über diese
Akteure im Umlauf und selbst auf der internet movie database wurden sie als
"vermisst" gekennzeichnet. All dies führte dazu, dass das
amerikanische Publikum dem Schwindel Glauben schenkte und "Blair Witch
Project" ins Unermessliche hypte. Mittlerweile ist natürlich längst
bekannt, dass nichts Wahres an der ganzen Sache dran ist, doch der Film
büßt dadurch nichts an seiner Faszination ein.
Betrachtet man den Streifen an sich, so ist er nichts besonderes und auf den
ersten Blick dürfte es für manch einen fraglich sein, wie die Hysterie
zustande kam. Wir sehen drei junge Leute, die mit verwackelter Kamera einige
Passanten interviewen und Essensrationen für ihre bevorstehenden Ausflug in
den Wald kaufen. Das Ganze sieht wirklich so aus als hätten es drei junge
Nachwuchsfilmemacher mit ihren Amateurkameras gedreht. So entsteht ein
authentischer, echter Eindruck. Bereits jetzt kann einem schon das kalte
Grauen den Rücken hinunterlaufen, wenn man sich so die Schilderungen der
Bewohner von Burkittsville über die Hexe von Blair anhört. Es überkommt
einen ein ungutes, bedrohliches Gefühl.
Der folgende Teil des Films beschäftigt sich dann ausschließlich nur noch
mit der Wanderung der drei jungen Leute durch die Wälder. Hierfür haben
sich Daniel Myrick und Eduardo Sanchez etwas ganz besonderes einfallen
lassen. Die Regisseure schickten ihre Hauptdarsteller alleine in den Wald
und unterteilten ihnen lediglich per Walkie Talkie ungefähre Instruktionen.
Sie gaben ihnen zwei Kameras mit und teilten ihnen auf, den Film per
Improvisation in den Kasten zu bringen. Alles, was man sieht, ist also
insofern authentisch, dass es keine Drehbücher und keine anderen Personen
im Wald abgesehen von Heather, Josh und Mike gab. Die drei wurden zwar
jeweils unterrichtet, wie diverse Szenen auszusehen hatten, doch das meiste
war von den jungen Schauspielern spontan gespielt. Um ein noch größeres
Realitätsgefühl einfließen zu lassen, wurden die drei Darsteller in den
Nächten förmlich von den Regisseuren in Angst und Schrecken versetzt und
irgendwann ging es zudem auch mit der Nahrung zu neige. Heather, Josh und
Mike wussten übrigens bis nach Fertigstellung des Films nicht, dass die
Legende um die Hexe von Blair frei erfunden war.
"Blair Witch Project" hebt sich dadurch von anderen Horrorfilmen
ab, dass er einen das Grauen zwar ständig spüren lässt, es aber nie klar
zeigt. Wir bekommen im gesamten Film keine Hexe zu sehen und auch sonst
keine garstigen Horrorgestalten. Vielmehr sind es einfache, gut
nachvollziehbare Elemente, die für Angst sorgen. Wenn Heather, Josh und
Mike etwa völlig die Orientierung verlieren und in der Nacht von
unerklärlichen Geräuschen geweckt werden und in Panik geraten, dann ist
das authentischer und unheimlicher als es jeder überteuerte
Hollywood-Horrorfilm es jemals vermitteln könnte. Man fühlt sich beim
Betrachten des Films alleine schon dadurch unwohl, da man sich gut mit den
Hauptdarstellern identifizieren kann. Ihre Situation wird von Tag zu Tag
aussichtsloser, sie verlaufen sich immer tiefer in dem riesigen Wald. Als
selbst Karte und Kompass nichts mehr nützen bricht Streit und alsbald schon
pure Verzweiflung aus. Die Angst vor der Nacht und vor dem, was in der
Dunkelheit auf sie lauern könnte, wird für die drei jungen Leute
unerträglich.
Wer sich nur an Schauwerten und blutigen Effekten aufgeilt, wird mit
"Blair Witch Project" keine Freude haben. Es ist vielmehr ein
psychologischer Gruselfilm und wirkt als solcher überaus gut. Obwohl es
heute kaum noch jemanden geben dürfte, der diesen Streifen für echt hält,
macht ihn das nicht weniger beklemmend und unheimlich. Mit diesem
Independent-Film ist den beiden Machern ein kleines Meisterwerk gelungen,
das sich vor keiner Großproduktion verstecken muss. Hier stimmt einfach
alles, Spannung ist ständig vorhanden und die Atmosphäre steigert sich von
Minute zu Minute mehr. Auch die damals noch unbekannten Schauspieler agieren
überragend und lassen keinen Zweifel an der -gefakten- Authentizität von
"Blair Witch Project" aufkommen. Wer sich zu Halloween mal wieder
richtig schön gruseln möchte, ist hiermit bestens bedient! |