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Das Horrorgenre lebt zu großen Teilen nur
davon, sich selbst immer und immer wieder bis zum Erbrechen zu wiederholen.
In gewisser Weise funktioniert das auch so lange gut, bis selbst den
größten Schnarchnasen irgendwann klar wird, dass das, was sie da gerade
sehen, schon tausende Male zuvor da war. Hatten Teeniehorrorfilme zu Zeiten
von "Scream" oder "Düstere Legenden" noch einen guten
Ruf, sind sie heute heute kaum noch ernst zunehmen, da mittlerweile derart
viele Plagiate den Markt überschwemmt haben, dass eine klare Übersicht
schlichtweg nicht mehr möglich ist. "Silent Scream", so nennt
sich nun ein weiterer, überaus dreister Versuch, aus altbekannten
Versatzstücken Kapital zu schlagen. Die Macher dieses Werkes, Matt Cantu
und Lance Kawas, beide sowohl als Regisseur, wie auch als Drehbuchautor
tätig, hielten es augenscheinlich für eine fantastische, unbedingt zu
realisierende Idee, der Horrorgemeinde noch einmal einen billigen
Teenie-Horror Abklatsch aufzutischen, weil es davon in der letzten Zeit ja
so wenige zu sehen gab. Hätten sie einen Teil des ohnehin schon geringen
Budgets lieber in einen talentierten Drehbuchschreiber investiert,
möglicherweise wäre dann ja noch etwas zu retten gewesen.
So lässt sich die Story von "Silent Scream", bzw. "The
Retreat", so der Originaltitel, nur in einem Wort zusammenfassen:
Unglaublich. Genau das ist es. Absolut unglaublich, dass so etwas im Jahre
2005 tatsächlich noch als Handlung für einen Horrorfilm herhalten muss.
Sicherlich, als Fan des Genres ist man es bereits gewohnt, nicht zu viel
Erwartungen in eine einfallsreiche Handlung zu stecken, doch das, was sich
die beiden Regisseure bei "Silent Scream" geleistet haben, ist
wirklich unter aller Kanone. Was wir hier haben ist ein einziges, großes,
ätzendes und übelriechendes Klischee. Ein Haufen notgeiler und über
Fürze lachender Vollidioten trifft sich übers Wochenende in einer
Waldhütte und wird dann umgebracht. That's it. Nicht sehr geistreich, oder?
Leider nein. Und es kommt noch schlimmer, so erzählt der Streifen diese
Story im Prinzip sogar zweimal. Es kommen nämlich nacheinander zwei Gruppen
Studenten an und immer wieder ist der Ablauf der selbe. Es wird gekifft und
gesoffen, übers Vögeln sinniert oder selbiges gar ausgeübt, bevor es dann
ans Sterben geht.
Der Teeniehorrorfilm hat sich über die Laufe der Jahre immer mehr selbst
als ernstzunehmendes Subgenre disqualifiziert, weil es die
unterschiedlichsten Regisseure immer wieder fertig brachten, genau die
selben, alten Klischees aufs Neue zu verwenden. So kam es, dass man als Fan
des Horrorfilms irgendwann von selbst von der Teenie-Sparte weggeekelt
wurde. "Silent Scream" hat deshalb kein leichtes Los gezogen, weil
er es tatsächlich schafft, beinahe alle nur möglichen Klischees des
gesamten Genres in nur 85 Minuten unterzubringen. So nutzt der weibliche
Cast jede sich bietende Gelegenheit, sich Obenrum freizumachen, während die
Jungs dagegen nur an das Eine denken und folglich auch nur dieses
Gesprächsthema besteht. Des weiteren ist die Identität des anscheinend
grundlos mordenden Killers bis kurz vor Ende unklar. Wie in den bekannten
Vorbildern scheint es unmöglich zu sein, dem Parka tragenden Mörder den
Garaus zu machen. Egal, ob auf diesen etliche Male eingedroschen wurde oder
ob er sogar in einen Kugelhagel gerät, er steht immer und immer wieder auf.
Wie soll man nun an einem Film seine Freude haben, den man im Schlaf
vorhersagen kann? Man glaubt zu absolut jeder Sekunde, das, was sich da
abspielt, schon zigfach gesehen zu haben und so stellt sich schnell
Langeweile ein. Dabei ist "Silent Scream" handwerklich nicht
einmal überaus schlecht gemacht. Die vorhersehbare Slashergeschichte in
einem verschneiten Waldgebiet ist solide gefilmt und bietet einige blutige
Morde. Eine Frau wird in zwei Hälften gerissen, ein junger Mann bekommt
eine Axt ins Gesicht geschmettert und vieles mehr. Die Freigabe ab 18 Jahren
hat sich "Silent Scream" verdient und glücklicherweise befindet
sich auch der Bodycount in einem recht hohen Bereich. Leider können aber
auch die besten Effekte nichts mehr retten, wenn sie in einen öden und
keineswegs atmosphärischen Film gebettet wurden.
Was gibt es mehr zu sagen? Zum Cast möchte ich keine Worte verlieren, er
besteht aus den üblichen Jungschauspielern, wie man sie in jedem
Teeniehorrorfilm vorfindet. Wer aber könnte wirklich seine Freude an
"Silent Scream" haben? Für ein in Sachen Horrorfilm gänzlich
unerfahrenes Publikum ist das Machwerk durchaus geeignet, alle anderen
sollten sich nach besserer Ware umsehen. Der Film ist nicht spannend,
sondern im Schlaf vorhersehbar und bis auf einen potentiell kultigen Spruch
("Wie soll sich mein Schließmuskel entspannen, wenn mich die Leiche
von .... anstarrt?!") bietet er auch rein gar nichts zu lachen. Schade
drum, da können auch die ganz passabel aussehenden Gore- und Splatterszenen
nicht mehr viel herumreißen.
Wer sich gerne selbst quält oder es liebt, sich im Nachhinein über
ausgegebenes Geld zu ärgern, der sollte, nein, darf sich "Silent
Scream" nicht entgehen lassen. Für alle anderen gilt indessen: Finger
weg von diesem Machwerk! In letzter Zeit gab es wirklich schon genug
einfallslose Teeniehorror-Schundwerke, da muss man sich diesen lieblosen
Auswurf nicht auch noch antun. Wer auf alles abfährt, in dem reichlich Blut
spritzt, der wird um "Silent Scream" nicht herumkommen, doch einen
guten Film machen einige blutige Szenen noch lange nicht. |