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Jeder eifrige
Horrorfilm-Konsument gelangt irgendwann an den Punkt, an dem er mit gutem
Gewissen davon ausgehen kann, mittlerweile von nichts mehr geschockt werden
zu können und eigentlich schon alles gesehen zu haben. Im Jahr 2005
erschien dann allerdings ein Machwerk, dass diese Überzeugung verdrängen
dürfte und der Welt ein gänzlich neues Genre präsentierte, das alles
zuvor gesehene noch einmal in den Schatten stellen sollte:
"Vomit-Gore". Wer seinerzeit im Englischunterricht einigermaßen
aktiv war, dürfte an dieser Stelle bereits 1 und 1 zusammenzählen und sich
ausmalen können, was einen in dieser Filmgattung erwartet. Allen anderen
sei es an dieser Stelle kurz erläutert Vomit-Gore bezeichnet eine
Filmgattung, die nicht nur auf reichlich exzessive Gewalt setzt, sondern
dies zudem mit sich übergebenden Akteuren verbindet. Der 08/15-Horrorfan,
dessen Kenntnis extremer Machwerke bereits bei Titeln wie "Hostel"
und Co. endet, wird sich an dieser Stelle natürlich fragen, was einige
Leute dazu verleitet, sich so etwas freiwillig anzusehen. Dies lässt sich
wohl nur mit dem Reiz begründen, den das Exploitation-Genre schon immer auf
seine Zuschauer ausgeübt hat und der einen ständig dazu bringt, seinen
Horizont in Sachen grenzüberschreitender Unterhaltung zu erweitern.
Eines darf man dem
Regisseur mit dem klangvollen Namen Lucifer Valentine definitiv respektvoll
zugestehen. In einer Zeit, in der selbst im extremen Underground-Bereich
alles gezeigt wurde, was das Publikum schocken könnte, hat er kurzerhand
ein neues Genre ins Leben gerufen und die Exploitation auf ein ganz neues
Level gehoben. "Slaughtered Vomit Dolls" war für seinen Schöpfer
jedoch weit mehr als nur bloße Provokation. Valentine selbst bezeichnet
sich als Emetophiler, der sexuelle Erregung von Erbrochenem bezieht, was
deutlich macht, in welche Richtung sich sein Filmdebüt bewegt.
"Slaughtered Vomit Dolls" ist, wenn man so will, Pornographie für
Kotzfetischisten. Das wird nicht nur mit Gewaltszenen, sondern auch mit
einer wirren und äußerst surrealen Inszenierung verbunden, was aus
"Slaughtered Vomit Dolls" definitiv eine einmalige Erfahrung
macht.
Aber: Will man das
wirklich sehen? Hat man, auch als Fan des Exploitation-Genres, wirklich das
Bedürfnis, minutenlange Kotzszenen zu verfolgen? Und das ist in diesem Fall
noch längst nicht alles. Hinzu kommt, dass das Werk keinerlei vernünftige
Story aufweist und sich bestenfalls jenen halbwegs erschließen dürfte, die
währenddessen dem Audiokommentar lauschen oder sich im Voraus über das
Geschehen kundig gemacht haben. Für sich betrachtet ist "Slaughtered
Vomit Dolls" lediglich eine Ansammlung extremer und zusammenhangloser
Bilder, die zwar anfangs noch schockieren, später aber sehr schnell
langweilen. Hier beweist sich wieder einmal eindrucksvoll, dass ein Film
noch so grenzüberschreitend oder widerwärtig sein kann, ohne einen roten
Faden geht selbst daran alsbald jedes Interesse verloren. "Slaughtered
Vomit Dolls" ist nichts anderes, als eine epileptische, 71-minütige
Schnittreihenfolge, die zwar einen enormen Ekelfaktor für sich verbuchen
kann, dabei aber weder Spannung, noch inhaltliche Qualitäten bietet.
Wer das Werk nur
aufgrund seiner Ekelszenen sehen möchte, kommt natürlich auf seine Kosten.
Minutenlang kotzen sich die Darsteller die Seele aus dem Leib, was zu keiner
Sekunde gefaked wurde. Alle derartigen Szenen sind echt. Das ist jedoch
längst nicht alles. In einer Sequenz kotzt ein übergewichtiger Mann
beispielsweise munter in ein Bierglas, nur um diesen Inhalt dann kurz darauf
wieder zu trinken. Stellenweise wird derartiges dann auch mit technisch
durchaus überzeugenden Goreszenen verbunden, etwa wenn einem Opfer die
Schädeldecke geöffnet wird, nur um sich daraufhin munter in dessen Kopf zu
erbrechen. Natürlich bietet "Slaughtered Vomit Dolls" noch viele
derartiger Szenen mehr, die jedoch an dieser Stelle nicht weiter erläutert
werden, da ansonsten noch der Eindruck entstehen könnte, dass sie das Werk
eventuell sehenswert machen. Dies ist ganz klar nicht der Fall. Ein gewisses
künstlerisches Gespür darf Valentine dennoch hinsichtlich der Regie
attestiert werden, denn obwohl dem Streifen offensichtlich kaum ein Budget
zur Verfügung stand und mit einer verwackelten Handkamera gefilmt wurde, so
erweist sich die Inszenierung doch als recht experimentell. Valentine
arbeitete mit Bildverfremdungen, Wiederholungen und einer sehr intensiven
Geräuschkulisse, was den grenzwertigen Inhalt angemessen transportiert.
Schauspieler im
eigentlichen Definitionssinn bekommt man in diesem Werk nicht zu sehen. Die
Hauptdarstellerin Ameara Lavey etwa ist eine Prostituierte, die nicht nur
mit dem Regisseur befreundet ist, sondern wohl auch dessen Vorlieben teilt,
anders lässt sich ihre Zusage, in diesem Werk aufzutreten, nicht erklären.
Selbiges gilt auch für die anderen Akteure, die allesamt kein Problem damit
zu haben scheinen, in beinahe schon pornographischen Nacktszenen aufzutreten
und sich permanent in eigener oder auch fremder Kotze zu suhlen.
Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so ist es auch zu akzeptieren,
dass "Slaughtered Vomit Dolls" in vielen Kritiken sehr gute
Wertungen bekam und als neuer Underground-Hit in der Tradition von
"Mordum" & Co. gefeiert wurde. Sicherlich - einzigartig und
grenzüberschreitend mag das Gezeigte definitiv sein, doch permanente
Schock- und Ekelszenen über die gesamte Laufzeit machen eben noch keinen
guten, wirklich sehenswerten Film aus. Geschätzte 95% aller Horror- und
Experimentalfans würden sich dieses Werk zwar ohnehin niemals freiwillig
antun, doch auch allen anderen sei von dieser Erfahrung abgeraten. Neben all
dem Ekel und dem skandalösen Ruf ist "Slaughtered Vomit Dolls" im
Grunde einfach nur überaus belanglos und all das um ihn herum entstandene
Aufhebens nicht wert. |