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Lord Cunningham, ein junger wohlhabender
Aristokrat kann den Tod seiner geliebten Frau Evelyn nicht verwinden. Noch
immer befindet er sich in ihrem Bann und wird von Visionen heimgesucht, in
der er seine rothaarige Gattin vor ihrem Tod der Untreue überführt. Seine
Psychosen haben in ihm einen Hass gegenüber rothaarigen Frauen aufkeimen
lassen, der ihn sogar zu einem krankhaften Frauenmörder werden lässt.
Immer wenn ihn seine „Gefühle“ übermannen, reist er aus London in das
Landschloss seiner verstorbenen Frau, um dort zuvor aufgelesene
Prostituierte, die seiner Evelyn ähneln, zu foltern und anschließend zu
töten.
Als er die blonde Gladys kennen lernt, heiratet er sie vom Fleck weg, nicht
zuletzt auch deshalb, um endlich sein Trauma überwinden zu können. Alles
scheint zu seiner Zufriedenheit zu verlaufen, das Paar lebt harmonisch im
Kreise Cunningham’s Familie im Schloss. Da taucht plötzlich des Nachts
eine rothaarige Frau im Schloss auf. Bald darauf gibt es auch schon die
ersten Toten. Ist etwa Evelyn zurückgekehrt? Ihr Sarg leer... |
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Würde man Filme mit Fußballspielen
vergleichen, so könnte man hinsichtlich „Stumme Schreie“ sagen: Eine
bis zur Halbzeit hochgradige Partie, nach der Halbzeit verflachte das Spiel
dann leider ein wenig...
„Stumme Schreie“ kann in zwei verschiedene Abschnitte gegliedert werden.
Während sich die ersten ca. 30 Minuten als Sleaze-Kino der besten
Unterhaltung präsentiert, entwickelt sich der Film im restlichen Verlauf zu
einem eher durchschnittlichen, trotzdem aber spannenden Giallo mit
Horrorelementen.
Erika Blanc lässt sich als Opfer in Schenkel hohen Lackstiefeln nackt
auspeitschen und räkelt sich dabei (zumindest anfangs) genussvoll zum
Knallen der Peitsche. Laut eigener Aussage in einem Interview stammt
übrigens die Idee der makabren Striptease-Nummer, bei der sie sich lüstern
mit ihrem spärlich bedeckten Po voran aus einem Sarg schält, von ihr
selber. Respekt!! Frau Blanc, Sie haben durch „Stumme Schreie“
sicherlich auf ewig einen ganz dicken Stein im Brett vieler Filmfans!!! ;-)
Untermalt wird der Film von einem abwechslungsreichen Soundtrack, der sich
gelungen an die jeweiligen Szenerien anpasst. Die Musikpalette reicht dabei
von dezenter Klavierbegleitung ruhigerer Handlungspassagen, wie sie für
viele typische Gialli üblich zu sein scheint, über gruselig-düstere Töne
bis hin zu fetziger 70ies-Musik. Dabei erinnert gerade in besagter
Striptease-Szene mit Fräulein Blanc die Musik mitunter sehr stark an den
grandiosen „VAMPYROS LESBOS“ - Soundtrack von Manfred Hübler und Sigi
Schwab.
Hauptdarsteller Antonio de Teffè hat sich vor allem in den späteren 60er
Jahren durch sein Mitwirken in zahlreichen Italowestern wie z.B. „Sartana“
(„Mille dollari sul nero“, Alberto Cardone, 1966) oder „Der Fremde von
Paso Bravo“ („Los Pistoleros de Paso Bravo“, Salvatore Rosso, 1969)
einen großen Namen geschaffen. Später konzentrierte er sich dann
vorwiegend auf das Giallo-Genre, u.a. 1972 unter der Regie von Sergio
Pastore in „The Crimes of the Black Cat“ („Sette scialli di seta
gialla“). In „Stumme Schreie“ agiert er einmal mehr unter dem
Pseudonym Anthony Steffen und überzeugt in der Rolle des „Prügelprinzen“
Lord Cunningham.
Dieser ist zu Beginn des Films als fieser perverser Frauenmörder noch
eindeutig als diabolischer Bösewicht identifizierbar. Nicht zuletzt
aufgrund seiner adligen Abstammung, sondern auch wegen seiner
charismatischen Ausstrahlung und vor allem zunächst charmanten Art den
Frauen gegenüber drängen sich dabei fast schon Parallelen zu einem
berühmten vampirischen Grafen der Film- und Literaturgeschichte auf. Im
weiteren Verlauf des Films wird er jedoch zunehmend zur tragischen Figur,
die sehr unter der Qual ihrer Visionen leidet und langsam aber sicher in den
vollkommenen Wahnsinn abzudriften droht.
Atmosphärisch kann der Film durchaus überzeugen. Jedoch sieht man ihm
schon nach wenigen Minuten an, dass der dem Zuschauer vorgegebene Schauplatz
„England“ reiner Etikettenschwindel ist, und man wohl doch aus
Kostengründen auf heimische, italienische Standorte ausgewichen ist.
Nichtsdestotrotz zieht Regisseur Emilio Miraglia, der sich ein Jahr später
für den sehr schönen Thriller „La Dama rossa uccide sette volte“ (in
Deutschland unter dem etwas unpassenden Namen „Horror House“
veröffentlicht) verantwortlich zeigte, alle Register des Giallo- und
Horror- Genres:
Da knarren die Türen der spinnwebendurchsetzten Gemäuer, fast jede
vorgestellte Person macht sich in irgendeiner Weise verdächtig, schwarze
Handschuhe fehlen ebenso wenig, wie das völlig überraschende relativ
blutige Ende. (Wobei man in diesem Fall trotz aller Verdachtsmomente nun
wirklich nicht unbedingt mit einer derartigen Auflösung der Geschichte
rechnen würde...)
Schade eigentlich nur, dass der wunderschön trashige Sleaze-Faktor nicht
über die gesamte Laufzeit aufrecht erhalten wird. Der Film ist in
Deutschland übrigens auch unter dem Titel „Die Grotte der vergessenen
Leichen“ bekannt. Wo jedoch nun besagte Grotte, geschweige denn vergessene
Leichen zu finden sein sollen, bleibt wohl das Geheimnis der deutschen
Titelgeber. Passender wäre da wohl gewesen: „Frauen – entführt und zur
Ekstase gepeitscht“...
Bleibt also noch die Moral von der Geschicht’ zu verkünden:
Wenn die Nacht am tiefsten ist,
und Du ein leichtes Mädchen bist:
Folge keinem irren Freier,
der Dich am roten Haare zupft
und Dich einlädt in sein Spuk-Gemäuer,
denn sonst wirst Du dort gerupft!!!
Fazit: Sehr schöner 70ies- Horror-Giallo, insbesondere wegen seiner
sleazigen Anfangsminuten und einer wunderschönen Erika Blanc ein
MUST-SEE!!! |