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Kritik
Frauen an den Herd das Schwert!
Bis Ende der 80er Jahre, konnte man(n) meinen, Ninja-Filme seien
ausschließlich Männer-Filme. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. den
genialen Trash-Perlen "Geheimkommando D.E.A.T.H." oder "Das
Frauenlager der Ninja") war es seinerzeit den Richard Harrisons, Sho
Kosugis, Stuart Steens oder Paulo Tochas der Filmwelt überlassen,
das Plastikschwert zu schwingen, Rauchbomben zu werfen und mit
Stirnband und Schlafanzug durch den Wald zu hüpfen.
Dann schlug
Anfang der 90er Jahre endlich die Stunde der Kunoichi, der
weiblichen Ninjas. Der Regisseur Masara Tsushima setzte gleich in einer
ganzen Reihe von Ninja-Filmen Frauen als tapfere Kriegerinnen in
Szene.
Kunoichi - Lady
Ninja ist nun Hitoshi Ozawas Beitrag zum fernöstlichen Furien-Fest.
Rasant
inszeniert, legt der Film weniger wert auf eine solide Story oder
leicht nachvollziehbare Handlung. Hier regieren Action, schnelle
Schnitte, abgedrehte Charaktere und Rockmusik. Die Heldinnen
verfügen über Zauberkräfte, die den Tricks der Schurken in nichts
nachstehen. Irgendwie kommt Kunoichi - Lady Ninja schon fast wie
eine Art Real-Anime rüber.
Die Story um die
Ninja-Bräute, die sich gemeinsam mit ihrem Lehrmeister Jubei Yagyu
auf den Kriegspfad gegen dämonische Schurken ist nicht gerade
weltbewegend innovativ und dient eigentlich nur als Aufhänger für
Schwertkämpfe, Wire-Fu-Einlagen und allerlei obskure Actionszenen.
Wenn ein Film allerdings versucht, in erster Linie von Action und
Bildgewalt zu leben, dann sollte den Verantwortlichen für
entsprechende Szenen auch das nötige Budget und Knowhow zur
Verfügung stehen. Dies scheint offensichtlich beim Dreh von Kunoichi
nicht der Fall gewesen zu sein. Die Spezial-Effekte der
Actionsequenzen bewegen sich auf billigstem TV-Niveau und werden nur
noch von den wirklich grausigen CGI-Animationen in negativer
Hinsicht getoppt. Für eine Film-Produktion aus der Zeit der
Jahrtausendwende ein ziemliches Armutszeugnis. Da lobt man sich doch
eher die klassische Handarbeit alter Eastern oder Ninja-Filme aus
den 70er oder 80er Jahren, die entweder perfekt (z.B. bei
Regisseuren wie King Hu oder Chang Cheh) oder zumindest unterhaltsam
dilettantisch (à la Godfrey Ho) war.
Apropos
klassisch: Die Figur des einäugigen Samurai Jubei Yagyu dürfte
Eastern-Fans bekannt sein. Bereits Jahre zuvor trat
Martial-Arts-Ikone Sonny Chiba u.a. in Fukasaku Kinjii's "Samurai
Reincarnation" (Makai tenshô) als energischer Krieger mit
Augenklappe und Schwert gegen allerlei Dämonen und Schurken an. In
Kunoichi - Lady Ninja übernimmt Regisseur Hitoshi Ozawa persönlich
den Part des großen Samurai. Seine Darstellung wird jedoch durch den
Auftritt der Ninja-Ladies in den Schatten gestellt, allen voran Yuko
Moriyama. Die zierliche Action-Lady, die unter anderem zuvor in der
"Zeiram"-Serie (1991-1993) ihre Frau stand macht als Anführerin der
Kunoichi mit Minirock und rotem Haarband eine aufregende Figur.
Schade, dass ihre
Auftritte als Schwertkämpferin in dem Film ein bisschen zu kurz
kommen. Sie ist leider keine zweite "Azumi".
Ein zweiter "Azumi"
ist dann auch der ganze Film nicht. Ihm fehlt trotz Blutfontänen,
Action und schneller Schnitte einfach die Coolness und Bildgewalt
von Ryûhei Kitamura's Meisterwerk aus dem Jahre 2003.
Ein weiteres
Manko stellt zudem die teilweise wirklich ätzende Synchronisation
dar. Die Schurken quietschen, kreischen und zischen, dass man sich
Sorgen um sein Gehör machen muss.
Bevor der
Tinnitus einsetzen kann ist der Film nach 74 Minuten Spielzeit
allerdings vorbei.
Fazit: Ein Film
wie ein Comic. Poppiges Action-Kino ohne Tiefgang. Sieben
Ninja-Frauen unterhalten ganz gut, sind aber sicherlich nicht
jedermanns Sache.
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