Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

Informationen

og_title OT: Gyakufunsha Kazoku
origin_date
  • Japan
  • 1984
duration ca. 102 Minuten
Regie Sogo Ishii
Darsteller Katsuya Kobayashi Mitsuko Baisho Yoshiki Arizono Youki Kudoh
Bildformat
  • 1
  • 78:1 (anamorph / 16:9)
Tonformat Deutsch Dolby Digital 1.0 Japanisch Dolby Digital 1.0
Sprachen
  • Deutsch
  • Japanisch
Untertitel Deutsch
Ländercode Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb
Freigabe Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb
Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

Story

Der Familienvater Katsuhiko Kobayashi (Katsuya Kobayashi) macht sich ernsthafte Sorgen um seine Familie, bei der er schon seit geraumer Zeit erste Anzeichen von Geisteskrankheit festzustellen glaubt, weshalb er all das gesparte Geld, das er über die Jahre in einem großen Konzern verdient hat, zusammenkratzt, um mit seiner Familie aus der erstickenden Großstadt zu fliehen. Gemeinsam ziehen sie in ein hübsches Häuschen in einem Vorort von Tokio. Alle sind begeistert über die Idylle des Eigenheims: Katsuhiko’s Frau Saeko (Mitsuko Baisho) bringt dies zum Ausdruck, indem sie sich ihrem Mann "schenkt", während Tochter Erika (Youki Kudoh), die noch immer dazu neigt, in Babysprache zu sprechen, in ihrem eigenen Zimmer endlich für ihre künftige Karriere als Sängerin oder Catcherin üben kann.

Anfangs läuft alles seinen geregelten Gang, doch als Katsuhiko irgendwann eine Termite im Haus entdeckt, geht er mit allen Mitteln gegen die vermeintlichen Schädlinge vor. Auch bei den restlichen Familienmitgliedern zeigen sich nach und nach wieder die Anzeichen der alten Krankheit. Sohnemann Masaki (Yoshiki Arizono) zieht sich Tag und Nacht in sein Zimmer zurück, um für seine Collegeprüfung zu lernen und bringt sich durchaus auch selbst Schmerzen bei, um nicht einzuschlafen. Als dann auch noch Katsuhiko’s Vater Yasukune (Hitoshi Ueki) bei ihnen einzieht, gerät die Situation völlig aus den Fugen. Katsuhiko schlägt mitten im Wohnzimmer ein Loch in den Boden, um seinem Vater ein neues Zimmer auszuheben, wo er allerdings auf weitere Termiten stößt. Da verliert er vollends den Verstand und sieht für sich und seine Familie nur noch einen Ausweg: Gruppenselbstmord! Die restliche Familie ist von dieser Idee jedoch ganz und gar nicht begeistert, so dass es schnell zu einem gnadenlosen Überlebenskampf in den eigenen vier Wänden kommt…

Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb  Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

Kritik

Den Japanern macht einfach niemand etwas vor, was verrückte Filmideen angeht. Was schon lange Gewissheit ist, bestätigt sich durch "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" wieder einmal bestens. Hinter dem höchst seltsamen Titel verbirgt sich eine schräge und rabenschwarze Komödie, die mittlerweile mit 23 Jahren schon etwas älter ist, im Laufe der Zeit aber einen gewissen Bekannt- und Beliebtheitsgrad erlangen konnte, der dem Film auch hierzulande in gewissen Kreisen einen bestimmten Kultstatus verleiht. "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" ist eine sehr überzeichnete Parodie auf das schöne Bild des perfekten Familienlebens und zersetzt dieses Bild gnadenlos durch die schrägsten Einfälle. Der Einfluss dieses Films auf andere Regisseure ist unverkennbar. Wer sich etwas auskennt, weiß, dass für Filme wie "2LDK" oder "Visitor Q" nicht nur einmal zu "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" gelinst wurde. Der etwas merkwürdige Filmtitel findet seinen Ursprung im Übrigen in einer in Japan üblichen Redewendung, die auf einen Vorfall zurückgeht, bei dem ein japanischer Pilot in einem plötzlichen Anfall von Verwirrung die Turbinen einer vollbesetzten Passagiermaschine auf Schubumkehr setzte und diese somit zum Absturz brachte.

Mindestens so schräg wie der Titel ist auch der ganze Film geraten, auch wenn davon zu Beginn nur recht wenig zu erahnen ist. Dem Zuschauer wird die typische japanische Kleinfamilie vorgestellt: Der in einem großen Konzern hart arbeitende Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter kümmert sich um den Haushalt, der Sohn widmet die gesamte Freizeit seinen Schulbüchern und die Tochter blickt zu den großen Stars auf und möchte einmal Sängerin werden. So weit nichts ersichtlich, was auf eine abgefahrene Komödie ohne jegliche Grenzen hindeuten würde, allerdings ist schnell klar, dass Sôgo Ishii’s Bilder einer ganz normalen Familie nur Fassade sind. Dahinter liegt nackter Wahnsinn blank, der sich in immer verrückteren Taten entlädt. Wer an dieser Stelle nun meint, den Namen des Regisseurs schon einmal gelesen zu haben, der wird ihn mit Sicherheit in Verbindung mit "Electric Dragon 80.000 V" kennen, bei dem Ishii ebenfalls Regie führte und der hierzulande gemeinsam mit "Tetsuo – The Iron Man" auf DVD erschien.

Das Besondere an dem Film sind in erster Linie seine Charaktere, auf denen der Streifen geschickt aufbaut und ohne die er witzlos wäre. Sie alle wirken auf den ersten Blick ganz normal, haben aber dann ausnahmslos ihre mehr oder weniger große Macken, die sich mit fortschreitender Spieldauer immer mehr bemerkbar machen. Gerade der Vater ist eine Sache für sich. Er ist so sehr auf das Wohl seiner Familie aus, dass er gar nicht bemerkt, wie sehr er von allen nur ausgenutzt wird. Als er sich gar nicht anders zu helfen sieht, hält er den Gruppenselbstmord für die letzte Lösung. Das Tolle an den Charakteren ist sicherlich ihr, auf den ersten Blick, normales Erscheinungsbild, das aber nur schwer über die Probleme hinwegtäuscht, die sie alle mit sich zu tragen haben. Dabei sind sie alle sehr überspitzt dargestellt, insbesondere die kleine Tochter, die ständig nur in der dritten Person von sich spricht und somit von kaum jemand ernstgenommen wird. Klasse ist auch der Großvater, der sich bestens darüber amüsiert, wenn er einem kleinen Kind im Park einen Ball ins Gesicht wirft.

Manchmal hat man gerade so als Europäer seine gewissen Probleme mit japanischen Filmen, da einem ein direkter Bezug zum Geschehen fehlt, hier ist das jedoch ganz anders. Jeder wird sich in einer der Figuren vielleicht wiedererkennen, zudem wird man durch immer neue Einfälle stetig bei Laune gehalten. Gerade das immer stärkere Abdriften des Vaters in den Wahnsinn ist sehr humorvoll dargestellt. Irgendwann ist er so sehr davon besessen, die weißen Ameisen (Termiten) zu bekämpfen, dass er es am Arbeitsplatz nicht mehr aushält, nach Hause rennt (sehr schön in einer Kamerafahrt vor ihm her festgehalten) und dem Ungeziefer dort mit Feuer zu Leibe rückt. Auch, die tolle Idee, mitten in der Wohnung ein Loch buddeln zu müssen, bis er auf eine unterirdische Quelle stößt und das Haus unter Wasser setzt, sorgt immer wieder für das eine oder andere schmunzeln.

Das einzige Problem des Films ist, dass er mit über 100 Minuten etwas zu lang geraten ist, was sich an manchen Stellen schon bemerkbar macht. Manche Szenen hätte man durchaus kürzen können, hin und wieder wird der sonstige Drive das Ganzen dadurch etwas ausgebremst. Entschädigt wird man dadurch aber durch ein grandioses Finale, das in einem wirren Überlebenskampf endet, nachdem die Idee des Gruppenselbstmordes nicht auf Anklang stoßen konnte. Die Familienmitglieder heizen sich gegenseitig kräftig ein, Highlight ist dabei die Szene, in der der Großvater droht, seine Nichte zu vergewaltigen, wenn die anderen nicht kapitulieren. Dies ist dabei so abgehoben dargestellt, dass man nur noch darüber lachen kann. Sogo Ishii’s Gesellschafts-Satire wird sich sicherlich nicht jedem erschließen, allerdings werden alle, die sich auch für andersartige, alternative Ideen öffnen können, ihren Spaß mit dem Streifen haben. Die Schauspieler gingen zum Teil mit dem typischen Overacting zu Werke, das man aus asiatischen Gefilden schon kennt, allerdings verkörpern sie ihre Charaktere sehr passend. Manche von ihnen sind auch durchaus bekannt, so ist Youki Kudoh beispielweise bald in "Rush Hour 3" zu sehen, während auch die restlichen Hauptdarsteller schon in zahlreichen anderen Streifen tätig waren.

"Die Familie mit dem umgedrehten Düsenantrieb" ist ein Film, den man mögen oder hassen kann, dazwischen gibt es nicht viele Möglichkeiten. Entweder man kann sich mit der überdrehten Machart des Films anfreunden und lacht herzhaft, wenn sich eine japanische Kleinfamilie an die Gurgel geht, oder eben nicht. Stellenweise macht sich zwar schon etwas Langatmigkeit breit, dafür wird man dann aber immer wieder von großartig-absurden Situationen entschädigt, die nicht selten so abstrus sind, dass sie einfach nur urkomisch wirken. "Die Familie mit dem umgedrehten Düsenantrieb" ist eine bissige und sarkastische Gesellschafts-Satire und sollte auch als solche verstanden werden, ein Reinschauen lohnt sich hier auf alle Fälle.

Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

DVD

Bei uns wurde "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" von AFN / Ascot Elite auf DVD herausgebracht, allerdings sollte man seine Erwartungen als Käufer etwas zurückstellen. Obwohl die deutsche Synchronisation durchaus gefallen kann, muss man sich hierbei und auch beim japanischen Originalton mit Monosound zufrieden geben. Das Bild ist dem Alter des Films entsprechend, schließlich hat dieser sein 20 jähriges Jubiläum bereits hinter sich gelassen und zählt somit nicht mehr zu den neuesten Machwerken. Überaus enttäuschend ist hingegen, dass keinerlei Extras ihren Weg auf die Scheibe gefunden haben, nicht einmal eine Trailershow.

Bewertung

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