Radhapura – Endstation der Verdammten

Informationen

OT:Radhapura – Endstation der Verdammten

ca.78 Minuten

Deutschland 1968

Regie

  • Hans Albin
  • Paolo Bianchini
Darsteller

  • George Nader
  • Gordon Mitchell
  • Carl Möhner
  • Femi Benussi
  • Rick Battaglia
  • u.a.

Radhapura - Endstation der Verdammten

Story

Der indische Subkontinent: Völlig erschöpft erreicht Steve das rettende Flussufer. Nach monatelanger Suche in der Wildnis, die letztendlich auch noch seinem Vater das Leben kostete, ist er zurück in der Zivilisation angelangt, einen großen Beutel wertvoller Diamanten im Gepäck. Doch seine Freude über den neugewonnenen Reichtum währt nur kurz. Nach einer Zechtour wird er in einen Hinterhalt gelockt, niedergeschlagen und seiner Diamanten beraubt. Von seinem zwielichtigen Vermieter bekommt er einen Tipp, wo er nach den Dieben seines Schatzes zu suchen hat. Er erwirbt eine Schürflizenz in einer Diamantenmine, die unter Kontrolle des unbarmherzigen Aufsehers Alfredo steht, und in der gefangenenlagerartige Zustände herrschen. Offensichtlich hat Alfredo etwas mit dem Raubüberfall zu tun. Doch zunächst heißt es für Steve erstmal, den unmenschlichen Quälereien des Lagers zu entkommen…

Kritik

Jerry Cotton im Bambuscamp des gequälten Gordon Mitchells…

Ja… wer kennt (und liebt) sie nicht, die guten alten Abenteuerfilme, in denen die Charaktere schnell als gut oder böse erkennbar sind, Affen von Bäumen gepflückt werden können und Männer ihr Leben nicht eher aushauchen, bevor sie nicht noch im Sterben ein letztes Mal an der Zigarette ziehen dürfen… Kurzum: Filme, in denen die Welt noch in Ordnung ist, und der Filmheld die paar Scharmützel, die es zu überstehen gilt, locker flockig meistert.

George Nader ist in RADHAPURA eben dieser Held. Der als Krimifigur „Jerry Cotton“ allseits bekannt, beliebt und unvergessene Recke, wird direkt zu Beginn des Films völlig erschöpft an ein Flussufer angeschwemmt. Sofort eilen zwei bildhübsche Inderinnen mit „Hawaii-Begrüßungs-Blumenkranz“ zu dem Neuankömmling und kredenzen ihm exotische Früchte!!! Derart liebevoll verwöhnt und aufgepeppelt, kann sich George mit schmuckem roten Halstuch nun aufmachen, Diamantenräuber aufzuspüren, Diamanten aus und Frauen an zu graben, den Strapazen und Qualen des Lagerlebens zu trotzen und sich mit sadistischen Aufsehern auseinander zu setzen. Das ganze allerdings stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Eine Paraderolle für George Nader, die er auch wie immer sehr solide ausfüllt.

Eigentlicher Star des Films ist allerdings Gordon Mitchell, der mit seinem markanten Gesicht und drahtiger Figur den Inbegriff des Schurken verkörpert. Der Held zahlreicher Sandalen-Filme brilliert als durchtriebener Lageraufseher, dem für das Erreichen seiner Ziele keine Intrige zu plump ist, und schien bei den Dreharbeiten in der Rolle des Fieslings wirklich unheimlich Spaß gehabt zu haben, so intensiv, wie er sich seinen Peitschenstock in die eigene Hand schlägt… Die rauchig-rauhe deutsche Synchronstimme, sowie einige Großaufnahmen seiner fast schon blau-kristallen blitzenden Augen während er seine Befehle herausschreit, runden den tollen Gesamteindruck der Schauspielerischen Glanzleistung Mitchells ab: SO (und nur SO!!!) hat ein perfekter fies-sadistischer Wärter im Film auszusehen und zu agieren!!! Kein Wunder, dass Mitchell später immer wieder in Filmen unterschiedlichster Genres die Rolle des Filmbösewichts übernehmen musste (sehr zu seinem Vergnügen, wie er selbst betonte).

Der ganze Film ist nach dem Rezept gekocht, wie es sich für gutes Unterhaltungskino im Abenteuergenre seiner Zeit gehört. Man nehme: Einfach gezeichnete „Gut und Böse“- Charaktere, wodurch die Sympathien sehr schnell vergeben sind. Eine simple Handlung, ohne Haken und Ösen, Schnörkel oder Finten. Flotte Sprüche (die für damalige Verhältnisse wahrscheinlich cool waren, heutzutage aufgrund ihrer Plattheit zwar uncool sind, dafür aber gerade dadurch schon wieder einen gewissen Charme besitzen, der den Zuschauer zum Schmunzeln bringt. (Beispiel: „Was macht so ein grässliches Geschöpf wie Sie in einer so attraktiven Gegend? Oder war es andersherum..“ (der besoffene Nader zu einer aufreizenden Brünetten). Und nicht zuletzt (schließlich handelt es sich ja um einen Abenteuerfilm vor exotischer Kulisse) wird dem Zuschauer natürlich auch die schöne Landschaft, Tierwelt und Sitten und Gebräuche, Tänze und Musik des exotischen Landes präsentiert. Fertig ist die perfekte 60er Jahre Abenteuer-Hausmannskost!! Dass ein derartig einfach strukturierter Film dann sicherlich beim jüngeren „Matrix“ oder „TripleXXX“ – Publikum keine Begeisterungsstürme entfacht, dürfte klar sein. Fans solider, klassischer Kino-Unterhaltung, besonders Nostalgiker werden garantiert voll auf ihre Kosten kommen!!!

Der Soundtrack fügt sich sehr gut in die gesamte Stimmung des Films ein. Munterer 60er Jahre Sound, wie man ihn eben z.B. aus Nader’s Jerry Cotton – Filmen kennt, wechselt sich ab mit indischer Folklore.

RADHAPURA kann als eine Art Vorläufer für die später in Scharen auf den Videomarkt geworfenen (Frauen-) Lagerfilme bezeichnet werden. Im Gegensatz zu diesen qualitativ mal mehr, meist aber weniger guten, dafür aber teilweise umso sadistischeren bzw. brutaleren Epigonen, hält sich RADHAPURA bei der Darstellung von Gewalt und Sadismus jedoch dezent zurück. Quälereien oder Morde werden nur angedeutet oder auf so harmlos naive Art dargestellt, dass sich nun wirklich niemand Angst um sein Seelenheil machen bräuchte. Unverständlich daher auch die FSK-Freigabe erst ab 18 Jahren.

Ebenso, wie beispielsweise im Kriegsgefangenen-Epos „Gesprengte Ketten“, der thematisch vom Ausbruch aus einem Kriegsgefangenenlager der Nazis handelt, beschäftigt sich Radhapura zwar auch mit einem ernsten Thema (in diesem Fall sklavereiartige Ausbeutung von Arbeitskräften), will aber auch in erster Linie unterhalten. Fragen über Sinn und Unsinn mancher Aktionen einiger Charaktere stellen sich somit auch nicht. Da werden vom Lagerkommandeur mal eben Befehle erteilt und noch im selben Moment von ihm selber wieder über den Haufen geworfen.

Angesichts des Herstellungsjahrs kann dem Film auch die teilweise etwas rassistische Darstellung einiger „Eingeborener“ nicht wirklich als vorsätzlich angekreidet werden, sondern ist wohl eher auf die relativ naive Weltanschauung jener Zeit zurückzuführen (gleiches ist ja z.B. auch bei älteren „Tarzan“-Filmen der Fall).

Den Filmcredits nach zu urteilen zeichnete sich „Heimatfilm-Ikone“ Hans Albin für die Regie verantwortlich. Einer Aussage von Gordon Mitchell als beteiligtem Darsteller zufolge wurde allerdings wohl ein Großteil des Films unter der Leitung des italienischen Regisseurs Paolo Bianchini heruntergekurbelt. Eine Arbeitsteilung, die durchaus nachvollziehbar ist, schließlich hatte Bianchini mit Werken wie „Django – Ich will ihn tot“ (1968) oder „Bleigericht“ (1967) gegenüber Albin schon Erfahrung im westernverwandten Action- und Abenteuergenre.

RADHAPURA ist ein kurzweiliger Abenteuerspaß, der, neben seinem nostalgischem Charme vor allem von der hervorragenden schauspielerischen Leistung seiner Hauptdarsteller lebt. Ein wegweisender, leider (noch) eher unbekannter Klassiker für Freunde des Genres!!! Zeitlos schön…

Bewertung

Splatter Radhapura - Endstation der Verdammten
Spannung Radhapura - Endstation der Verdammten
Story Radhapura - Endstation der Verdammten
Ekelfaktor Radhapura - Endstation der Verdammten
Atmosphäre Radhapura - Endstation der Verdammten
Gesamt Radhapura - Endstation der Verdammten

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