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Wenn man einmal die letzen
zwei Sätze meine Storybeschreibung ignoriert könnte man meinen man hat es
mit einem waschechten Liebesfilm zu tun. Wenn dem aber so währe hätte ich
mir den Film sicherlich nicht gekauft, da ich absolut nicht auf schnulzige
Liebesgeschichten stehe. Es muss also einen anderen Grund geben, denn im
Grunde ist der Film zu beginn doch ein Liebesfilm in Reinform. „Audition“
ist eindeutig in zwei Hälften aufgeteilt auf die ich jetzt mal beide
eingehen werde.
In der ersten Hälfte passiert
eigentlich nicht sonderlich viel. Okay es passieren natürlich schon ein
paar Sachen aber es ist alles sehr langsam erzählt und Spannung gibt es so
gut wie keine. Alles was wir hier zu sehen bekommen ist wie Aoyama seine
Frau verliert, daraufhin mit seinem Sohn, der inzwischen logischerweise
älter geworden ist, lebt und schließlich die Audition veranstaltet. Dort
lernt er auch schon Asami kennen und versucht sie zu gewinnen, was nicht all
zu lange dauert und es läuft alles wunderbar. Hört sich jetzt
wahrscheinlich ultralangweilig an, ist es aber nicht wirklich. Es gibt zwar
die ein oder andere Szene die man hätte kürzen können, bzw. weglassen
aber richtige Langeweile hab ich eigentlich nicht empfunden. Meiner Meinung
nach hätte man aber die 60 Minuten erste Hälfte ruhig auf 45 Minuten
komprimieren können, aber das ist nur meine Meinung. So tragisch ist es
aber nicht. Ich sag immer, lieber der Anfang als das Ende.
Seine wahre Stärke aber zeigt
„Audition“ in der zweiten Hälfte, die ungefähr 45 Minuten geht. Ab
hier wandelt sich die Liebesgeschichte nämlich in einen immer mehr und mehr
bedrückenden Psychothriller um. Auf der Suche nach Asami stößt Aoyama
immer wieder auf Hinweise die uns in einer Art Bilderrausch und Visionen
über Asamis Vergangenheit gezeigt werden. Als er dann daheim ankommt und
einen Drink zu sich nimmt kippt er auf einmal um (Es war eine Art
Betäubungsmittel drin) und erfährt die ganze erschreckende Wahrheit über
diese Frau durch Visionen. Diese taucht auf einmal auf und gibt ihm eine
Spritze die ihn vorübergehend lähmt und ihn sehr schmerzempfindlich macht.
Asami fängt an ihn zu foltern und die letzten 15 Minuten werden damit zu
einem schockierenden Horrorfilm.
Während die erste Hälfte
sehr ruhig und langsam erzählt wird, werden wir ab hier mit allen
möglichen schockierenden Bildern bombardiert, die uns die ganze Wahrheit
zeigen. Asami ist nämlich in Wirklichkeit eine durchgeknallte Psychopathin
die sich an der Männerwelt rächen will, da sie in ihrer Kindheit sexuell
missbraucht und misshandelt wurde. Jeder der sie in irgendeiner Form
hintergeht wird grausam bestraft, so wie wir es an Aoyama sehen
können.
Wüsste man als Zuschauer
nicht im Vorfeld was in der zweiten Hälfte so alles passiert, würde man es
sicherlich nie für möglich halten das Asami zu solchen Taten fähig ist.
Sie macht nämlich nicht einmal annähernd den Eindruck das sie eine
Psychopathin ist. Sie ist zwar etwas seltsam, aber sind wir das nicht alle
irgendwie *gg*?! Der Charakter des Aoyama wird perfekt verkörpert und man
gewinnt als Zuschauer sofort Sympathie für ihn, die auch niemals abbricht.
Am Ende leidet man sogar richtig mit ihm mit, da er so ein netter Kerl ist,
der das ganze wirklich in keiner Weise verdient. Anderseits währe es
natürlich wiederum langweilig wenn ihm nichts passieren würde, denn dann
währe der ganze Film ja total sinnlos. Gerade durch die Sympathie zum
Hauptdarsteller ist es umso drastischer ihn in den letzten 15 Minuten leiden
zu sehen. Meiner Ansicht nach ist das alles sehr Meisterhaft inszeniert, so
das man auch nach dem Abspann noch an den Film denkt. Insgesamt gesehen
schlägt der Film aber in der kompletten zweiten Hälfte, die wie schon
erwähnt 45 Minuten geht, ein wie eine Bombe. Wahrscheinlich kommt es einem
gerade wegen dem sehr langsamen Anfang noch drastischer und beklemmender vor
als es ohnehin schon ist.
In den letzten 30 Minuten gibt
es dann sogar noch ein paar Splatterszenen zu sehen. Zum einen wird uns
wiedereinmal demonstriert zu was eine Klavierseite alles gut sein kann
außer zum Klavierspielen. Übrigens hat uns das ja auch schon Lucio Fulci
in „Nightmare Concert“ gezeigt. Auch noch zu erwähnen ist auf jeden
Fall die Szene mit den Nadeln die sogar beim Zuschauen richtig weh tut, da
man den Schmerz richtig mitspürt. Ich sag da mal nur, „Und stich und
stich und stich und stich“. Das alles ist ziemlich krass inszeniert und
dürfte für jeden Ottonormalfilmgucker ziemlich harte Kost sein und bei dem
ein oder anderen sicherlich ein unwohles Gefühl in der Magengegend
auslösen. Aber, ganz so hart wie man es auf diversen Internetseiten immer
wieder zu lesen bekommt ist das Finale nicht. Ich hatte mir es jedenfalls
nach allen möglichen Kritiken ein bisschen härter vorgestellt, aber
wahrscheinlich bin ich da schon so arg abgehärtet. Wer am Ende jedenfalls
auf Oberkranke Folterszenen im Stil von „Guinea Pig“ 1 und 2 hofft wird
enttäuscht sein, soviel kann ich schon mal vorwegnehmen. Das Ende bei „Audition“
ist zwar hart aber nicht übertrieben brutal (Dieser Satz gilt natürlich
nur für Leute die in Sachen Splatter eingeweiht sind).
„Audition“ überzeugt eher
viel mehr durch seine beklemmende Atmosphäre und man liegt wohl nicht
daneben wenn man ihn grob als Psychothriller einordnet. Wo wir schon bei
Genre sind muss ich sagen das es extrem schwer ist diesen Film zuzuordnen,
oder eine Zielgruppe zu finden. Leute die gerne Liebesfilme anschauen werden
sich zwar in der ersten Stunde köstlich amüsieren, danach aber empört den
Raum verlassen und diesen Film als Schund abstempeln. Als Thriller bzw.
Horror wiederum kann man ihn auch nicht bezeichnen, da einfach zu viele
Elemente für ein solches Genre fehlen. Genau sowenig ist „Audition“ ein
Spaltterfilm, da es splattertechnisch nur sehr wenig zu sehen gibt. In
Sachen Splatter trifft wohl auch so mehr oder weniger der Satz zu „In der
Kürze liegt die Würze“. Man kann den Film im Grunde nicht richtig
einordnen, es ist einfach ein bizarrer Film für Leute die gerne mal etwas
abgedrehtes und ein bisschen zum nachdenken sehen wollen jenseits der
üblichen Mainstraime Filme.
Die Schauspielerische Leistung
ist übrigens auf sehr hohem Niveo, besonders bei den zwei Hauptdarstellern
Aoyama und Asami. Auch die Nebenrollen wie zum Beispiel der Freund oder der
Sohn sind perfekt besetzt, so dass keiner in irgend einer Form gestellt
wirkt. Positiv finde ich auch die deutsche Synchronisation, die diesmal
wirklich brauchbar ist. Gerade bei japanischen Filmen kommt es nämlich oft
vor das die deutsche Synchronisation unter aller Kanone ist. Als bestes
Beispiel währe da wohl „Battle Royale“ oder „Ring“, bei denen die
Hauptdarsteller zwar glaubwürdig reden, die Stimmen der Nebendarsteller
aber gar nicht passen. Bei „Audition“ hingegen passt wirklich alles und
wer dennoch nicht zufrieden ist kann immer noch auf japanisch umschalten und
deutsche Untertitel einblenden.
Regisseur Takashi Miike ist
übrigens auch nicht unbekannt. Hierzulande kennen ihn Wahrscheinlich nicht
sehr viele, aber in Japan ist er ein Kultregisseur der seine Filme wirklich
wie am Fließband runterkurbelt.
Eine Kleinigkeit noch.
Irgendwie erinnert der Film mich auch an die „Geschichten aus der Gruft“,
denn im Grunde ist er nach dem selben Prinzip aufgebaut. Aoyama kommt
nämlich nur durch einen hinterhältigen Trick, die gestellte Audition, an
Asami heran und bekommt deshalb am Ende seine Quittung. Der Unterschied aber
ist, dass Aoyama sehr sympathisch und das alles nicht verdient, was man ja
bei den Leuten aus „Geschichten aus der Gruft“ nicht immer behaupten
kann. Das aber nur so am Rande.
Meine Meinung basiert auf der
ungeschnittenen deutschen DVD Version von rem rapideyemovies/One World
Entertainment die ich, wenn ich mich richtig erinnere, für 19 Euro gekauft
habe. Und ich bereue den Kauf keinesfalls, da die Scheibe in sehr guter
Qualität daherkommt! Die Bildqualität ist Top und in Widescreen. Der Ton
ist auch in 1A Qualität und wird in Dolby Digital präsentiert. Bei den
Sprachen kann man zwischen dem Originalton japanisch oder dem wirklich
gutsynchronisierten deutschen Ton wählen. Untertitel sind deutsche und
englische vorhanden. Als Extras gibt es den Trailer zum Film selber, Trailer
zu anderen Filmen ein Interview mit dem Regisseur Takashi Miike, Bio-/
Filmographien und Setfotos. Nicht gerade viel, aber besser als nichts. Die
Menüs sind animiert und die Film ist ab 18 freigegeben (echt unglaublich
das er noch von der FSK freigegeben wurde!). Die deutsch DVD ist sehr zu
empfehlen, nur dummerweise findet man sie nicht überall. Unter umständen
müsst ihr da schon etwas herumsuchen und auch etwas mehr bezahlen als
sonst.
Ebenfalls ungeschnitten ist
die deutsche VHS Fassung vom selbigen Label, welche ich bisher aber auch nur
ein einziges mal zu kaufen gesehen habe. Solltet ihr keine deutsche Fassung
finden könnt ihr aber immer noch zur englischen oder Amerikanischen DVD
greifen, die ebenfalls ungeschnitten sind und über die man auch in vielen
Auktionshäusern und Onlineshops immer wieder stolpert.
Leute die mal einen etwas anderen Film sehen wollen und nichts gegen das
asiatische Kino haben können ruhig mal einen Blick riskieren. Bedenkt aber
zwei Sachen. 1) „Audition“ ist ein sehr ruhiger Film. 2) Dieser Film hat
ein sehr drastisches und krasses Finale, mit dem nicht jeder klarkommen
wird. Ottonormalfilmgucker sollten gänzlich die Finger von ihm lassen! |