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Es ist sicherlich nicht das Subgenre des
Slasher-Films, an das man sofort denkt, wenn man sich die kommerziell
größte Stärke der Asiaten im Horrorfilm-Bereich zurück ins Gedächtnis
ruft. In erster Linie waren es Streifen wie "The Grudge", The
Ring" und dergleichen, die vor einigen Jahren aus dem fernen Osten
auftauchten und auch in Europa und den USA große Erfolge verbuchen konnten.
Natürlich ließen es sich die Amerikaner nicht nehmen, die nennenswertesten
Beiträge zur asiatischen Geisterfilm-Welle mit westlich-angepassten Remakes
zu bedenken, so dass die Welle irgendwann wieder verebbte, auch wenn heute
noch immer vereinzelt Horrorfilme aus Japan, Korea und Co zu uns
herüberschwappen, die an die Erfolge ihrer Vorbilder anzuknüpfen
versuchen. Um so verwunderlicher erscheint da der südkoreanische
Horrorthriller "Fear No Evil", der uns nicht, wie erwartet, eine
weitere Geistergeschichte auftischt, sondern einen althergebrachten
Teenslasher liefert, der ganz nach den gängigen US-Vorlagen
funktioniert.
Nun muss diesbezüglich allerdings
hinzugefügt werden, dass "Fear No Evil" bereits im Jahr 2000
entstand und somit genau den Nerv der damaligen Zeit traf, als die
Erfolgswelle von Filmen wie "Düstere Legenden" und "Ich
weiß, was Du letzten Sommer getan hast" einsetzte, denen von Wes
Craven's "Scream" erst der Weg geebnet wurde. Und gerade "Ich
weiß, was Du letzten Sommer getan hast" war es ganz offensichtlich,
der es dem Filmemacher Jong-seok Kim angetan hatte, denn bis auf wenige
Differenzen wirkt sein "Fear No Evil" wie eine Neuinterpretation
des US-Vorbildes. Allerdings fällt ein direkter Vergleich schwer, da
alleine schon die Budgets in gänzlich anderen Dimensionen angesiedelt waren
und US-Unterhaltung ohnehin viel eher den Nerv des Mainstreams trifft, als
dies abgefahrene Filme aus Asien jemals vollbringen könnten.
Wer sich regelmäßig mit Filmen aus Fernost
beschäftigt, der wird feststellen, dass diese oftmals ein gänzlich anderes
Flair versprühen, als wir dies in unseren Breitenkreisen gewohnt sind.
Filme aus Japan, Thailand, Korea usw. sind nicht selten abgedreht,
unkonventionell und für viele eine gänzlich neue Erfahrung. "Fear No
Evil" ist da etwas bodenständiger und versucht sich scheinbar auch in
punkto Inszenierung mit dem US-Horror auf die selbe Stufe zu stellen. So
geschieht die Einführung der Charaktere und der Aufbau der Story nach alten
Mustern: Eine handvoll Schüler erlaubt sich einen fiesen Streich mit einem
unliebsamen Außenseiter, der dabei unglücklicherweise stirbt. Nachdem
dessen Leiche unter seltsamen Umständen verschwindet, beginnt plötzlich
das große Sterben unter der Freundesclique. Hier hielt man sich streng an
alte Motive, was aber dank neuer Gesichter und landestypischen Einflüssen
gar nicht einmal so altbacken erscheint.
Der Grundton des Films ist weit weniger ernst
gehalten, als man das noch von den zahlreichen amerikanischen Teenslashern
gewohnt ist. Zu Beginn werden die wichtigsten Personen auf durchaus
amüsante Art und Weise eingeführt und erscheinen als typische jugendliche,
denen man ihr Verhalten gerne abkauft. Erst ab der zweiten Hälfte schlägt
"Fear No Evil" in eine ernstere Kerbe und lässt die zuvor
eingeführten Personen nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip dahinscheiden.
Dabei setzt der Streifen weniger Wert auf Gore und Splatter, als vielmehr
auf dezent eingestreute Verfolgungsjagden, die eine enorme Spannung erzeugen
und stets in ebenso fiesen, wie sadistischen Mordsequenzen gipfeln. Blut
wird dabei nur sehr sparsam eingesetzt, nichtsdestotrotz lässt "Fear
No Evil" eine gewisse, kaltblütige Brutalität in diesen Momenten
nicht vermissen. Die Morde sind allerdings nicht der einzige Hingucker in
diesem Slasher nach alten Maßstäben, auch steht jederzeit die Frage im
Raum, wer denn nun eigentlich für das Ableben der Teens verantwortlich ist
- eine Frage, die der Zuschauer aber viel zu schnell beantworten kann.
Keine Frage, oberflächlich ist das, was wir
hier zu sehen bekommen, durchaus versiert und einigermaßen gekonnt in Szene
gesetzt. Für einen asiatischen Genre-Vertreter erscheint der Ablauf der
Ereignisse auch sehr berechenbar und nicht sonderlich überraschend, was ein
weiterer Hinweis auf das strikte Vorhaben des Regisseurs sein dürfte, einen
Film nach amerikanischen Konventionen abzuliefern. Optisch wirkt das
Gesehene nicht billig und effekttechnisch bekommt das Publikum soliden
Standard geboten, die Schwächen liegen demzufolge auf anderen Ebenen. Nach
gefühlten 2 Stunden Laufzeit und nur 93 Minuten tatsächlicher Spieldauer
hat man unweigerlich das Gefühl, das bei "Fear No Evil" viel zu
vieles schamlos in die Länge gezogen wurde. Ein gutes Beispiel ist der
Showdown, der einfach kein Ende zu nehmen scheint und irgendwann einfach nur
noch ausgelutscht und überstrapaziert wirkt. So ergeht es "Fear No
Evil" leider in vielen Sequenzen, die durch ihre kaugummiartige Zerrung
Langeweile entstehen lassen, wo sie im Grunde nichts zu suchen hat. So
ertappt man sich immer häufiger dabei, die bereits verstrichene Zeit zu
überprüfen, nur um festzustellen, dass wieder nur 5 Minuten vergangen
sind.
Im Jahr 2000 war das alles wohl noch ein wenig
neuartiger, aber mittlerweile hat sich der Großteil des Publikums bereits
an derartigen Teenslashern satt gesehen, so dass nur für die Wenigsten
überhaupt Motivation vorhanden sein dürfte, "Fear No Evil" eine
Chance zu geben. Der Killer in seinem roten Anzug wirkt nicht sonderlich
bedrohlich, die Spannungsmusik setzt in den nervenaufreibendsten Sequenzen
plötzlich aus, die aufgrund dilettantisch gesetzter Schnitte immer wieder
plötzlich zu uninteressanten Ereignissen wechseln. Dies geschieht während
des Streifens des öfteren und lässt ihn im Nachhinein auch nicht unbedingt
besser dastehen. Dafür machen allerdings wenigstens die Schauspieler ihre
Sache überraschend passabel. Der koreanische Cast wurde durchweg passend
besetzt und geht in seinen Rollen teilweise voll auf, das hat man definitiv
schon alles schlechter gesehen.
"Fear No Evil" bemüht sich
inständig, seinem Publikum solide Slasher-Unterhaltung zu bieten und im
Grunde gelingt ihm dies auch überraschend gut. Für eine südkoreanische
Produktion bewegt sich das Gesehene auf angenehm solidem Niveau und spricht
durch seine starke Fixierung auf typische US-Slasher auch ein Publikum an,
das asiatischen Filmen ansonsten eher vorsichtig gegenübersteht.
Letztendlich sind es aber die kleinen Schwächen, die den Gesamteindruck von
"Fear No Evil" deutlich schmälern und ihm so seiner durchaus
gegebenen Möglichkeiten berauben. Starke Spannungsmomente stehen so
beispielsweise einer permanenten Langatmigkeit gegenüber und können über
diese nur schwer hinwegtäuschen. Wer sich auch heute noch für Teenslasher
begeistern kann, darf "Fear No Evil" eine Chance geben, alle
anderen müssen ihn nicht gesehen haben. |