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Wenn ich mich nicht so sehr für Busen
interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher
werden können." - Russ Meyer
Russ Meyer gehört ohne Frage zu den berühmtesten Erotikfilmern überhaupt,
was nicht zuletzt an einer ganz besonderen Vorliebe seinerseits liegt: Sein
Faible für gewaltige Oberweiten ist legendär und verschaffte ihm schnell
eine große Fangemeinde, die ihm noch bis heute Treue schwört. Irgendwo
verständlich, denn eines ist sicher: Auch wenn Meyer's Filme keine
unnachahmlichen Meisterwerke waren, verfügten sie dennoch über einen
Charme, den heutzutage derartige Erotikproduktionen nicht mehr aufweisen
können. Wo viele Regisseure nämlich nur auf die Körper und den
Geschlechtsakt an sich setzen, konzentriert sich Meyer ebenso auf den Humor
oder die Story drum herum. Richtig los ging es mit dem Kult um Meyer aber
erst mit Streifen wie "Die Satansweiber von Tittfield"
("Faster, Pussycat! Kill! Kill!"), "Motor Psycho"
hingegen darf wohl eher als eher ungewöhnliches Machwerk Meyer's betrachtet
werden.
Ein großes Problem, dass mich begleitete, als ich mir "Motor
Psycho" zu Gemüte führte, war, dass ich mit falschen Erwartungen
behaftet war. Ich hatte mich im Voraus kaum über den Streifen informiert
und erwartete eine sleazige Tittenschlacht, wie sie bei Meyer oftmals
angekündigt werden. Doch das bietet "Motor Psycho" nicht. Was
einen hier erwartet ist vielmehr ein in Schwarz & Weiß gehaltener
Vorgänger des Rape & Revenge Subgenres. Allerdings, und das sollte
schon am Produktionsjahr 1965 erkennbar sein, ist "Motor Psycho"
noch längst nicht so provokant und verstörend anzuschauen wie andere Werke
dieser Machart, sondern vielmehr ein lockerer Unterhaltungsfilm für
zwischendurch.
Wenn man die drei Rocker über den Asphalt heizen sieht und dazu, der
damaligen Zeit entsprechende, laute Musik ertönt, dann eröffnet sich einem
sofort eine sehr schöne Atmosphäre, die wunderbar den Charme der Sixties
wiedergibt. Dennoch wollte es mir nie so recht gelingen, einen Zugang zu dem
Werk zu finden, was dazu führte, dass ich mich über weite Strecken nur
langweilte. Natürlich hat "Motor Psycho" seine interessanten
Momente und anhand der Story könnte man bestes Trash-Entertainment
erwarten, doch dieses bietet einem Meyer hier nicht. Der Film ist nicht
gänzlich ernst gehalten, will aber auch andererseits nicht als ganz und gar
stumpfsinniger Trash durchgehen und erhebt durchaus den Anspruch, seine
Handlung weitgehend witzlos zu erzählen. So gibt es wenig zu lachen, sowohl
auf der gewollten, wie auch auf der ungewollten Seite.
Mir persönlich wurde einfach nicht so recht klar, was genau "Motor
Psycho" denn nun eigentlich sein wollte. Für Trash ist das Ganze zu
ernst, für einen harten Rape & Revenge Film aber viel zu soft und
unspektakulär. Eine gewisse Frauenfeindlichkeit lässt sich aber dennoch
nicht verbergen. Eine Vergewaltigung wird hier von einem Sheriff mit den
Worten "Ihr ist nichts wiederfahren, für das ihr Körper nicht
geschaffen wurde" abgetan, weshalb den meisten Frauen wohl davon
abzuraten ist, sich dieses Werk anzutun. Im Gegensatz zu "Faster,
Pussycat! Kill! Kill!", wo die Frauen den Männern ordentlich zeigen wo
es lang geht, ist "Motor Psycho" eher auf ein männliches Publikum
zugeschnitten. Doch auch diese werden hier nicht das bekommen, was sie von
einem wahren Russ Meyer Film erwarten, denn Sexszenen gibt es gar keine und
auch die Fixierung auf gigantische Brüste ist hier noch nicht so sehr
ausgeprägt wie in späteren Machwerken des Regisseurs.
Dass Filmemacher wie Rob Zombie oder Quentin Tarantino mit derartigen
Streifen groß geworden sind, das ist schnell erkennbar, hantiert
"Motor Psycho" doch mit vielen Versatzstücken, die einem sofort
bekannt vorkommen. Russ Meyer schuf hiermit sicherlich ein recht
interessantes Machwerk, doch wer sich nicht als Fan des Regisseurs
bezeichnet und eher weniger mit älteren Filmen anfangen kann, wird hiermit
wohl keine Freude haben. Gewalt und andere provokante Schmuddeleien gibt es
hier kaum zu begutachten, doch eine gewisse coolness muss dem Ganzen schon
unterstrichen werden. Zudem spielen die Schauspieler ihre Rollen durchaus
gelungen, was man von einer derartigen Produktion wohl eher nicht vermuten
würde.
"Motor Psycho" ist ein Film, der in seinem Erscheinungsjahr
sicherlich für überfüllte Autokinos sorgte, heute aber keinen mehr zu
Begeisterungsstürmen hinreißen sollte. Was Russ Meyer hiermit hinlegte ist
eher dürftig und über weite Strecken nicht gerade spannend, doch es ist
zumindest durchaus interessant zu sehen, was der Regisseur so getrieben hat,
bevor er ganz seinem Tittenwahn verfiel. "Motor Psycho" ist nur
für Nostalgiker und Hardcore-Meyer Fans zu empfehlen, allen anderen dürfte
hierbei wohl schnell langweilig werden. |