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Bei der bloßen
Nennung des Terminus "Stephen King Verfilmung" stehen vielen Fans
des Horror-Autoren mittlerweile die Haare zu Berge. Kein Wunder, sollte man
meinen, denn die qualitativ hochwertigen Erzeugnisse aus dieser Richtung
lassen sich gut und gerne an einer Hand abzählen, während man für die
Flops oder miesen Gurken schon die zweite Hand und diverse andere
Körperteile zur Zählung mit einbeziehen müsste. Sobald dann aber der Name
Frank Darabont in den Raum geworfen wird, stellt sich bei vielen Cineasten
und King-Anhängern wieder Beruhigung ein, da der 49 jährige Franzose mit
"Die Verurteilten" und "The Green Mile" zwei Filmperlen
erster Güte aus dem Ärmel zauberte, die den Vorlagen King's durchaus
gerecht wurden und insgesamt zurecht für 11 Oscars nominiert wurden.
Eine Verfilmung der
King-Novelle "The Mist" schwebte Darabont schon seit beinahe zwei
Jahrzehnten vor, bis das Projekt dann im Jahr 2004 langsam Gestalt annahm.
Hierbei handelt es sich um den ersten Horrorfilm, den der Regisseur aus
einer Vorlage von King realisierte, während "The Green Mile" und
"Die Verurteilten" noch als reinrassige Dramen durchgingen. Um so
mehr überrascht es, wie gut dem Filmemacher der Genre-Sprung gelungen ist.
Betrachtet man allerdings die Schaffensliste Darabont's, dann liefert diese
schnell brauchbare Erklärungen hierfür ab. Der Franzose hat in seiner
Karriere nicht nur als Regisseur, sondern unter anderem auch als
Drehbuchautor gearbeitet und als solcher die Screenplays zu "Die Fliege
2", "Der Blob", "Nightmare on Elm Street 3" und
"Mary Shelleys Frankenstein" verfasst.
"Der
Nebel" lässt natürlich sofort Erinnerungen an John Carpenter's
Klassiker "The Fog" aufkommen, doch diese sollten sich schnell
wieder legen, wenn man Darabont's Verfilmung eine unvoreingenommene Chance
zuteil werden lässt. Der Streifen widmet sich in erster Linie der Angst in
all ihren Formen und verlegt zudem eine zeitgemäße Studie über das
Verhalten unterschiedlichster Menschen innerhalb einer Gruppe in einen
Horrorfilm. "Der Nebel" ist der beste Beweis dafür, dass man auch
heute noch, fernab von Torture-Porn wie "Hostel" und Konsorten,
intelligenten, mitreißenden und dennoch furchteinflößenden und zuweilen
blutigen Horror auf die Leinwand bringen kann, der nicht von dem Schauwert
alleine lebt.
An vorderster Front
der Stärken des Films stehen die Story und die Charaktere. "Der
Nebel" schafft etwas, an dem viele andere Filme schon gescheitert sind
und wirft den Zuschauer zwar von Anfang an mitten ins Geschehen und legt
reichlich Tempo vor, bringt gleichzeitig aber auch die wichtigsten Figuren
angemessen ausführlich ein. So hat man nicht nur eine gesichts- und
namenlose Masse, die sich in einem Supermarkt vor einer unbekannten
Bedrohung verschanzt, sondern kann dazwischen einige Sympathiefiguren
erspähen, die das Hineinversetzen in die Lage wesentlich erleichtern. Der
Ausbruch des Grauens kommt in "Der Nebel" im Folgenden rasch und
unvermutet, der Schrecken breitet sich binnen weniger Minuten aus und genau
wie die Protagonisten, ist auch der Zuschauer ab diesem Zeitpunkt in dem
Geschäft gefangen und verfolgt jeden Moment der Handlung mit Spannung.
Anfangs lebt der
Film noch von seiner Angst vor dem Unbekannten. Das Geheimnis des Nebels
wird zudem nie zur Gänze gelüftet, es gibt gegen Ende zwar einen kleinen
Hinweis auf dessen Herkunft, allerdings verstrickt sich der Streifen in
dieser Hinsicht nicht lange in peinlichen Erklärungsversuchen. Der
Schrecken ist einfach da. Urplötzlich und erbarmungslos holt er sich seine
Opfer, die Monster präsentieren sich hierbei äußerst abwechslungsreich.
Ob als schleimige, lebende Tentakel mit zahlreichen Mündern, gefräßige
Riesenspinnen, Flugmonster oder haushohe Lovecraft'sche Ausgeburten direkt
aus der Hölle - die Monster sind abwechslungsreich gestaltet, sehen aber
nicht immer gänzlich überzeugend aus. Gerade bei den Tentakeln schimmert
der Ursprung aus dem Computer
mehr als deutlich durch, was dem Ganzen zwar etwas den Realismus, nicht aber
die Bedrohung oder die Spannung nimmt.
"Der
Nebel" spielt sich durchgehend auf engstem Raum ab und schaukelt die
bedrohliche Situation immer höher. Während die Gefahr zu Beginn lediglich
von dem Nebel und dessen Ausgeburten ausgeht, macht sich alsbald auch Panik
bei den Menschen breit, die in ihrer blinden Verzweiflung den predigenden
Worten der verrückten Mrs. Carmody verfallen. David und ein paar wenige
andere, wie die fürsorgliche Amanda, der alte Dan und der Verkäufer Ollie,
müssen hilflos mit ansehen, wie die Menschen sich an die Worte der Frau
klammern wie an einen letzten Rettungsanker und in Folge dessen langsam
jegliche moralischen Grundsätze verlieren. Gerade dieser Konflikt bildet
einen der Kernpunkte des Films. Die Frage, wie eine Gruppe unterschiedlicher
Menschen in einer Extremsituation zusammen arbeitet oder gegeneinander
agiert, ist in diesem Werk außerordentlich spannend und leicht
gesellschaftskritisch aufbereitet.
Somit bietet
"Der Nebel" auch mehr Anspruch als der gängige Horrorfilm aus
dieser Richtung, auch wenn Horror-Fans nicht lange auf das warten müssen,
was sie im Grunde sehen wollen. Wenn die Monster zuschlagen, dann gibt es
stellenweise überraschend viel Blut und Gore-Spielereien zu sehen. Ein
Körper wird entzwei gerissen, sehr viel Fleisch aus Körpern gehackt,
Spinnen brechen zu Hunderten aus lebenden Körpern und vieles in dieser
Hinsicht mehr. Schwache Nerven sollte man also nicht mitbringen, wenn man
sich an diesen Film heranwagt. Zu erwähnen ist außerdem noch, dass
"Der Nebel" zu keinem Moment langweilig wird, auch wenn er
zeitweise auf Dialoge setzt und sich beinahe ausschließlich auf eine
Lokation beschränkt. Gegen Ende nimmt das Werk dann beinahe schon
apokalyptische Züge an, wenn sich eine kleine Gruppe Flüchtender in den
Nebel wagt und sich zu dem eindringlichen Stück "The Host of
Seraphim" der Band "Dead Can Dance" gegen die Gefahren
stellt, die darin lauern. Das Ende ist dann wohl eines der erschreckendsten
und gnadenlosesten der letzten Jahre, soll an dieser Stelle aber natürlich
nicht vorweggenommen werden.
Die Schauspieler
agieren in ihren Rollen überwiegend fabelhaft. Thomas Jane, bekannt aus
Filmen wie "The Punisher" oder "Deep Blue Sea" gibt den
aufopferungsvollen Vater ebenso überzeugend, wie den, der in den
schrecklichen Momenten immer noch einen kühlen Kopf bewahrt. Ihm zur Seite
steht eine große Riege an außerordentlich starken Mimen, die das Geschehen
auf ihre Weise allesamt bereichern. Marcia Gay Harden als fanatische
Gläubige ist erschreckend gut, Laurie Holden bringt dagegen etwas Wärme
und trostvolle Momente in den Film mit ein. Akteure wie William Sadler,
Jeffrey DeMunn und Andre Braugher runden "Der Nebel" letztendlich
auch in den Nebenrollen perfekt ab.
"Der Nebel" ist im Rahmen des derzeitigen Horror-Geschehens nicht
nur eine angenehme Abwechslung, sondern für sich betrachtet auch ein
außerordentlich starkes Stück Film. Wer Horror in seiner eigentlichen Form
sucht, wird hier fündig werden. Getragen von starken Charakteren,
ihrerseits alle von fantastischen Schauspielern verkörpert, wird eine
beklemmende und zu jedem Zeitpunkt spannende Geschichte erzählt, die
bisweilen sogar eine endzeitliche Atmosphäre annimmt. Das einzige, kleine
Manko sind dabei die offensichtlichen CGI-Effekte, doch davon abgesehen ist
"Der Nebel" ein durch und durch stimmiger, fast perfekter
Horrorfilm. Packend, mitreißend und auch in ausreichendem Maße blutig, so
dass sich im Grunde niemand eine Ausrede einfallen lassen muss, um Frank
Darabont's dritter King-Adaption aus dem Weg zu gehen. Ein Must-See, ganz
klar.
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