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Haie wurden schon derart oft als böse Killer
in Filmen verwendet, dass es unmöglich ist, alle Streifen dieses
Tierhorror-Subgenres aufzuzählen. Eines steht aber leider fest, und zwar
dass es sich meist um billige Plagiate des berühmten Weißen Haies aus dem
Jahr 1975 handelt. Nur wenige Filmemacher schaffen es, dieser limitierten
Thematik etwas Neues abzugewinnen. Um so erstaunlicher ist es, dass dies
gerade einem nur 130.000 $ teueren Independentfilm gelungen ist, der von den
Eheleuten Chris Kentis und Laura Lau aus eigener Tasche finanziert wurde.
Gedreht wurde mit einem kleinen Team meist an Wochenenden oder während den
Ferien. Die Mühen sollten sich aber noch lohnen, denn Lion's Gate Films
bezahlte später 2,5 Millionen $, um sich die Rechte an "Open
Water" zu sichern.
Allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen typischen Film aus der
Sparte Haihorror, in dem möglichst viele kreischende Opfer von einem
monströsen Killerhai aufgefressen werden. Nein, was wir hier haben ist eine
ganze Spur furchteinflößender und vor allen Dingen realistischer. Die
wiedergegebene Ausgangssituation ist absolut plausibel und authentisch und
hat sich so schon sehr oft tatsächlich derart abgespielt, wie meine
Internet-Recherchen ergaben. Dass zwei Taucher einfach im Meer vergessen
werden ist glaubhaft und verschafft "Open Water" eine viel
dichtere Atmosphäre, als sie irgend ein effektgeladener Horrorfilm jemals
aufweisen könnte.
Ausschlaggebend dafür ist auch, dass Regisseur Chris Kentis nicht nur
inhaltlich, sondern auch filmtechnisch auf Authentizität setzt. Gedreht
wurde ausschließlich mit einer an "The Blair Witch Project"
erinnernden Digitalkamera und dementsprechend "billig" sieht das
Bild im ersten Moment auch aus. Ganz klar: "Open Water" ist keine
Hollywoodunterhaltung, will dies aber auch gar nicht sein und hat dies vor
allen Dingen auch gar nicht nötig. Effekte gibt es im Film keine zu
bestaunen, die Haie sind stets echt. Die Darsteller, die bei den
Dreharbeiten insgesamt über 120 Stunden im Wasser waren, mussten sich mit
mehreren Haien abgeben, was oftmals die Frage aufwirft, ob die gezeigte
Angst echt oder wirklich nur gespielt ist.
Der Grund, wieso "Open Water" bei einem breiten Publikum eher
durchgefallen, als auf Anklang gestoßen ist, ist eine falsche
Erwartungshaltung. Der Trailer ließ auf einen spannenden Thriller hoffen.
Das ist "Open Water" zwar in jeder Hinsicht auch, allerdings nur,
wenn man sich auf ihn einlässt. Gerade der Anfang wirkt wie ein günstiges
Urlaubsvideo eines beliebigen Paares und ist auch nicht sonderlich
interessant. Dennoch war der Anfang von Nöten, um die Distanz zwischen dem
Ehepaar zu zeigen, die im weiteren Filmverlauf noch eine Rolle spielen soll.
Sobald Susan und Daniel dann an dem Tauchgang teilnehmen, baut der Streifen
schlagartig eine immense Spannung auf, die an den Nerven zerrt und ein
unwohles Gefühl ausbreitet. Man weiß, dass etwas passieren wird, wünscht
dem Paar aber dennoch, dass sie noch rechtzeitig auf das Boot kommen und
leidet sofort mit ihnen mit.
Dann aber der Schock, als das Boot weg ist. Von da an geht der Film
eigentlich erst richtig los und serviert einem einen psychologischen
Thriller, der unter die Haut geht und trotz seiner beschränkten Thematik
nicht langweilt. Susan und Daniel haben immer wieder mit neuen Problemen zu
kämpfen und werden von Stunde zu Stunde deutlich angeschlagener. Als die
Nerven dann blank liegen, ist es ungemein interessant zu beobachten, wie
sich die beiden Charaktere in dieser Extremsituation verhalten. Während
Daniel schneller aufgibt, versucht Susan um jeden Preis, einen kühlen Kopf
zu bewahren. Sobald dann die Haie auftauchen wird der Thriller zu einem
gänsehauterzeugenden Horrortrip. Dutzende Haie schwimmen unter dem
ängstlichen Paar, in der Lage, jederzeit anzugreifen und sich ihre Beute zu
holen. Immer wieder mal blitzen plötzlich Rückenflossen auf und schwimmen
schemenartige Schatten durchs Wasser, was die Spannungskurve immer höher
schaukelt.
Die beiden Hauptdarsteller sind nicht sonderlich bekannt, wobei dem einen
oder anderen sicherlich der Name Blanchard Ryan ein Begriff sein könnte.
Die Schauspielerin war schon in ein paar Streifen zu sehen, von denen aber
bis auf "Super Troopers - Die Superbullen" keiner einen all zu
großen Bekanntheitsgrad verzeichnen kann. Ryan, die zu Beginn der
Dreharbeiten noch eine wahnsinnige Angst vor Haien hatte, holt das Beste aus
ihrem Charakter heraus, auch wenn sie erst in Spannungsmomenten richtig aus
sich herausgehen kann. Daniel Travis hingegen ist deutlich anzusehen, dass
er hier erstmals vor einer Kamera stand, was ihn leider dazu bringt, hin und
wieder mal etwas dick aufzutragen. Im großen und ganzen aber eine
zufriedenstellende Leistung.
Wer sich an dem relativ günstigen Look des Films stört, ist absolut selbst
schuld. "Open Water" ist ein überraschend packender und
mitreißender Psycho-Thriller, dessen Ausgangssituation wohl zum Schlimmsten
gehört, was einem Menschen passieren kann. Dank einer Laufzeit von nur 76
Minuten und vielen Einfällen wird der Streifen zu keinem Zeitpunkt wirklich
langweilig, auch wenn der Anfang natürlich dazu da sein muss, um die
Charaktere ein bisschen vorzustellen. "Open Water" entspricht
nicht den typischen Sehgewohnheiten, weshalb es notwendig ist, sich auf den
Film einzulassen und im wahrsten Sinne des Wortes in ihn einzutauchen. Für
das was es ist, nämlich eine Low-Budget Independentproduktion war
"Open Water" jedenfalls super und sollte von jedem mal gesehen
werden. |