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Auf einen Schlag ist Kristines Leben
zerstört: Brutal vergewaltigt ein unbekannter Täter die junge Studentin in
ihrer eigenen Wohnung. Ihr Vater findet die verstörte, geschundene Frau und
benachrichtigt die Polizei.
Kommissarin Hanne Wilhelmsen wird auf den Fall angesetzt. Für die toughe
Polizistin ein Routinefall, der im Moment nur zusätzlichen lästigen Stress
bedeutet. Schließlich hat sie gerade andere Sorgen: Ein offenbar
Geisteskranker treibt in Oslo sein Unwesen. Immer samstags besudelt er
unterschiedliche Orte in der Stadt. Mit Blut! Schweineblut. In das Blut
hineingeschmiert: merkwürdige Zahlen.
Dann finden die Fahnder Spuren von Menschenblut, schließlich taucht die
erste Leiche auf. Die Tote ist eine illegale Einwanderin. Bei ihren
Ermittlungen stößt Hanne Wilhelmsen auf eine heiße Spur: Der
geheimnisvolle Mörder und Christines Vergewaltiger müssen ein und dieselbe
Person sein! Und alles deutet darauf hin, dass der Täter aus den Reihen der
Polizei kommt.
Unterdessen muss Kristines Vater mit ansehen, wie sich seine Tochter immer
mehr zurückzieht, Zuflucht im Alkohol sucht, von Panikattacken geplagt
wird. Und er leidet mit ihr. Schließlich treibt ihn nur noch ein Gedanke:
Rache für seine Tochter! Alleine macht er sich auf die Suche nach Kristines
Peiniger... |
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"Rache für meine Tochter" ist die
Verfilmung des Romans "Selig sind die Dürstenden" der
norwegischen Bestseller-Autorin Anne Holt. Wie schon in dem Vorgänger
"Justitia - Blinde Göttin" steht auch in diesem Krimi die
Kommissarin Hanne Wilhelmsen im Mittelpunkt. Anne Holt, ehemalige Polizistin
und Justizministerin Norwegens, zeigt, dass sie "vom Fach" ist.
Mit großer Detailverliebtheit schildert sie ihre Geschichte um die junge
lesbische Polizistin, so dass das Ganze sehr authentisch wirkt. Als Frau
bringt sie zudem die Themen Vergewaltigung, gleichgeschlechtliche Liebe
unter Frauen, Affären am Arbeitsplatz und die Probleme illegaler
Einwanderinnen sensibel rüber.
Dabei ist die Anfangssequenz des Films wirklich sehr eingängig, intensiv
und schockierend. Zudem auch handwerklich sehr gut inszeniert. In
Parallelschnitten wird in rascher Bildabfolge hin und hergezappt:
Zärtliches Liebesspiel der Kommissarin und ihrer Geliebten, romantisches
Bettgeflüster des Staatsanwalts und seiner Kollegin.
Zwischen diesen Szenen: Eine wimmernde, leidende junge Frau, die Hände und
Füße mit Draht ans Bett gefesselt, brutal vergewaltigt. Wirklich hart
anzusehen, dieser Kontrast zwischen Idylle und Folter, zwischen Liebe und
Leid. Hauptdarstellerin Kjersti Elvik macht wirklich eine sehr gute Figur.
Auf gewisse Art und Weise erinnert sie ein wenig an die Tatort-Kommissarin
Andrea Sawatzki, was vor allem an ihren strahlend grün-blauen Augen liegen
mag. Aber auch an dem Durchsetzungsvermögen, welches Kommissarin Wilhelmsen
ihren Kollegen gegenüber an den Tag legt. Motorradfahrerin, Lesbe,
knallharte Ermittlerin. Eine Frau, die weiß, was sie will. Geschickt
flirtet sie mit ihren männlichen Kollegen und lässt sie nach ihrer Pfeife
tanzen. Sie hat alles im Griff. Oder doch nicht? So lässt sich die
Powerfrau von ihrem Chef ständig neue Arbeit aufschwatzen, vernachlässigt
ihr Privatleben und geniert sich zunächst, ihre sexuelle Neigung den
Kollegen gegenüber preiszugeben.
Auch die übrigen Schauspieler gefallen in ihren Rollen. Allen voran
Gjertrud L. Jynge in der Rolle der jungen Kristine. Sie spielt das
Vergewaltigungsopfer wirklich überzeugend. Da können auch einige logische
Fehler im Drehbuch nicht dran rütteln. Die gewollte Authentizität, der
sensible Anstrich des Films stellt leider auch ein kleines Manko dar, weil
die Handlung durch viele nebensächliche Dialoge stellenweise ein wenig
durchhängt. Anne Holtz legt bei der Erzählung ihrer Geschichte
offensichtlich viel Wert auf die psychologischen und zwischenmenschlichen
Aspekte. Langeweile kommt dadurch dennoch nicht wirklich auf. Über Szenen,
die vielleicht etwas langatmig sind, tröstet den Zuschauer die gelungene
melancholische Stimmung, inklusive Celloklängen und Geigenspiel hinweg.
"Rache für meine Tochter" könnte auch ohne weiteres als
sonntäglicher "Tatort" durchgehen. Der Film ist unterhaltsam,
trotz des heiklen Themas nicht übermäßig hart und bietet das, was vielen
modernen Hollywood-Thrillern in den letzten Jahren abhanden gekommen ist:
Eine abgeschlossene Handlung und frische, unverbrauchte Darsteller.
Fazit: Netter Thriller im Fernseh-Style. Eine gelungene Alternative zum
Sonntags-"Tatort". |