|
Für den
US-Reisejournalisten Pete McKell (Michael Vartan) ist es nichts weiter als
ein Routine-Auftrag, als er von seinem Vorgesetzten ins australische Outback
geschickt wird, um dort einen Bericht über die Touristen-Flussfahrt
"Crocodile watching" zu verfassen. Gemeinsam mit einigen anderen
Reisenden aus der Großstadt, sowie der sympathischen Bootsführerin Kate
(Radha Mitchell) nimmt er an dem Unterfangen teil, begegnet dem Ganzen
allerdings eher gelangweilt.
Zuerst
verläuft alles nach Plan. Kate steuert das Boot über die bekannte
Touristenstrecke und zeigt ihren Fahrgästen einige Sehenswürdigkeiten, bis
die Gruppe irgendwann am späten Nachmittag auf ein Leuchtfeuer am Himmel
aufmerksam wird. Obwohl sie damit auf vereinzelten Protest stößt, geht
Kate dem vermeintlichen Hilferuf auf den Grund und verlässt dafür die
vorgegebene Route. Tatsächlich stößt man kurz darauf auf ein gekentertes
Schiff und noch ehe die Frage aufkommen kann, wie es zu diesem Unfall kam,
wird das Touristenboot von einem riesigen Krokodil angegriffen. Kate, Pete
und die anderen Touristen müssen sich auf eine kleine Insel inmitten des
Flusses retten, doch auch dort sind sie von der monströsen Bedrohung nicht
sicher. Das Wasser steigt gnadenlos, während das Krokodil immer wieder
zuschlägt... |
|
Wer an
Tierhorrorfilme, in diesem Fall an jene mit gefräßigen Krokodilen denkt,
dem tun sich im ersten Augenblick billige Trashwerke mit peinlichen
Gummi-Monstern vor dem inneren Auge auf. Eine Übersicht brauchbarer
Vertreter aus diesem Subgenre ist schnell angelegt, gerade aus Australien
kamen 2007 zwei Werke, welche die Glaubwürdigkeit in den Tierhorror
zurückbrachten und auf ihre Art beide zu überzeugen wissen. Da wäre auf
der einen Seite David Nerlich's und Andrew Traucki's "Black
Water", der aus einem verhältnismäßig niedrigen Budget das
bestmögliche herausholte und seinem Zuschauer klaustrophobischen,
realistischen Kroko-Horror präsentierte. Als zweiter Kandidat ging Greg
McLean's "Rogue" ins Rennen, an den viele Genre-Fans im Voraus
schon hohe Erwartungen stellten, nachdem mit "Wolf Creek" bereits
ein absolut solides Debütwerk auf McLean's Konto ging.
Storytechnisch
unterscheiden sich die beiden Filme dabei nicht einmal enorm voneinander.
Während "Black Water" seinen Fokus auf drei Freunde setzt, deren
Boot im australischen Sumpfgebiet zum Kentern gebracht wird und die sich
daraufhin auf einen Baum flüchten, um dort im Folgenden von einem Krokodil
belauert zu werden, spielt sich eine ähnliche Handlung in "Rogue"
auf einer kleinen Insel ab, zudem haben wir hier eine etwas größere
Personengruppe. Der nennenswerteste Unterschied ist dabei allerdings die
Inszenierung, da "Rogue" etwas mehr finanzielle Mittel zur
Verfügung standen und hier somit eindeutig versucht wurde, ein Film für
das breite Publikum zu schaffen. Von einem B-Movie kann hierbei keine Rede
mehr sein.
Das zeigt sich schon
in den Anfangsszenen, wenn das Auge des Zuschauers mit grandiosen
Landschaftsbildern Australiens verwöhnt wird. Ganz allgemein sucht der
Genre-Kenner hier vergebens nach den Merkmalen einer Billigproduktion, denn
die optische Präsentation weiß ebenso zu überzeugen wie die spätere
CGI-Animationen des Krokodils. Ja, der Ursprung aus dem Computer ist dem
Tier anzusehen, was es aber nicht weniger bedrohlich wirken lässt. Der
minimal künstliche Look des Riesenkrokodils stört zu keinem Zeitpunkt,
zumal es auch erst gegen Ende mehr Screentime erhält und man sich bis dahin
längst daran gewöhnt hat. Zu Beginn stehen ohnehin mehr die Charaktere,
sowie der eigentliche Spannungsaufbau im Vordergrund, auch in dieser
Hinsicht kann "Rogue" bereits punkten. Die Hauptfiguren wirken
sympathisch, glaubwürdig und nicht überzogen, was eine gesunde Abwechslung
zu ähnlichen Werken darstellt.
Natürlich stehen
die Charaktere nie zu deutlich im Vordergrund, doch sie leisten durchaus
ihren Beitrag und liefern dem Zuschauer Identifikationsfiguren, was nötig
ist, um später eine bedrohliche Atmosphäre entstehen zu lassen. Diese ist
hier in jedem Fall gegeben. Nicht nur, dass die Gruppe auf einer Insel
festsitzt und von einem übergroßen, aggressiven Krokodil bedroht wird, das
Wasser steigt zudem unnachgiebig und zwingt Kate und die verzweifelten
Touristen zur Tat. Neben diesem absolut spannenden Grundplot wartet
"Rogue" noch mit einer gewissen Härte auf, die in diesem Fall
nicht unbedingt von blutigen Details bestimmt wird. Vielmehr ist es das
gnadenlos realistische Szenario, das den Ausgang der Situation sehr ungewiss
werden lässt und jeden zum potenziellen Opfer des Krokodils macht. Wenn
dieses dann zuschlägt, dann stets im Bruchteil von Sekunden. Eine
Sicherheit gibt es für die Menschen auf der Insel nicht, die Bedrohung ist
allgegenwärtig.
"Rogue"
ist extrem spannend, mitreißend und realistisch, lediglich zum Ende hin
wird das Ganze zu Gunsten eines furiosen Showdowns etwas unglaubwürdig.
Dennoch wartete der Tierhorrorfilm schon lange nicht mehr mit einem derartig
fiesen und atmosphärischen Beitrag auf, was "Rogue" zum
Pflichtprogramm aller Fans dieses Subgenres macht. Selbst die Schauspieler
wissen hier zu gefallen, mit Radha Mitchell ("Silent Hill",
"Mann unter
Feuer") findet sich sogar ein einigermaßen bekannter Name im Cast.
Mitchell verkörpert die Bootsführerin, die sich später die Schuld für
die Situation gibt, sehr charismatisch und auf ihre ganz spezielle Art.
Michael Vartan ("One Hour Photo", "Das
Schwiegermonster") hingegen gibt den etwas eingebildeten
Großstadtmenschen, der zu Beginn über den Dingen zu stehen scheint und
später über sich selbst hinauswachsen muss. Innerhalb des Casts sind
keinerlei Ausfälle zu vermelden, die Schauspieler sind also ein weiterer
Pluspunkt des Films.
"Rogue"
ist ein packender und spannender Tierhorrorfilm, der die vielen peinlichen
Trash-Eskapaden dieses Subgenres beinahe wieder vergessen macht und zeigt,
dass es eben auch anders geht. Wer Massen an Blut erwartet, ist hier im
falschen Film, im Vordergrund steht die permanente Bedrohung und die
scheinbare Aussichtslosigkeit der Lage, woraus sich eine ungemeine Spannung
ergibt. Das Krokodil weiß dabei trotz seiner Herkunft aus dem Computer zu
überzeugen, auch die Schauspieler machen ihre Sache durchgehend
hervorragend. Ein spannender, atmosphärischer Film, für all jene, die
genug von billigen B-Movie-Krokodilen haben und schon lange auf einen guten
Film aus dieser Ecke gewartet haben. Voilà, hier ist er.
|