|
Rechtsanwalt Rob (Robert Taylor) und seine
schöne Frau, die Französin Pia (Nadia Farès), möchten einen gemeinsamen
Ausflug in das australische Backwood noch mit einer schönen Bootsfahrt
abschließen. Aus diesem Grund mieten sie sich ein kleines Motorboot und
schippern damit aufs Gewässer hinaus. Als irgendwann ein Sturm aufzieht und
die Nacht hereinbricht, verliert Rob vollständig die Orientierung und
bleibt zu allem Überfluss auch noch im viel zu flachen Gewässer vor einem
Eiland stecken. Die Beiden scheinen jedoch Glück im Unglück zu haben, denn
auf der abgelegenen Insel finden Pia und Rob eine alte Farm, die verwahrlost
und verlassen wirkt. Um sich der nassen Neoprenanzüge zu entledigen und
wieder zu Kräften zu kommen, betreten sie das Haus durch die offenstehende
Hintertür.
Das soll sich bald als erheblicher Fehler herausstellen, denn das Paar wird
kurzerhand von den Bewohnern des Hauses überrascht, die sich nicht
unbedingt als gastfreundlich herausstellen. Schlimmer noch, Brett (Mathew
Wilkinson) sein Halbbruder Jimmy (David Lions) und der sadistische Poppy
(John Brumpton) sind drei debile Rednecks, die sich von Anfang an einen
Spaß daraus machen, das Paar zu schikanieren. Als sie Rob und Pia immer
mehr bedrängen, artet die Situation schließlich aus. Die Brüder wenden
Gewalt an und sperren die Beiden in die Scheune. Es steht außer Frage, was
mit ihnen geschehen wird. Um nicht vergewaltigt und getötet zu werden,
rüstet das Paar zum Gegenschlag. Was als friedlicher Angelausflug begann,
wandelt sich alsbald zum brutalen Kampf auf Leben und Tod... |
|
Derzeit grassiert die sogenannte
"Terrorfilm-Welle" noch recht erfolgreich und so ist es auch kein
Wunder, dass mehr und mehr auf die Stärken der großen Vorbilder gesetzt
wird. Suspense und innovative Storys gehören der Vergangenheit an, die neue
Generation der Genre-Filme setzt stattdessen auf beinharte Folter,
detailliert eingefangenes Leiden und möglichst realitätsnahe Blutbäder.
Da dabei möglichst jeder ein Stück vom Kuchen abhaben will, musste man als
Horror-Fan in der letzten Zeit leider auch schon einige absolute Tiefflieger
wie "Hollywood Kills" oder "Sportkill" ertragen, doch
dafür entschädigt nun der neueste australische Genrebeitrag "Storm
Warning". Dieser wirbt schon auf dem Cover groß damit, von den Machern
von "Wolf Creek" inszeniert worden zu sein und alleine das lässt
einen als Fan der härteren Filmkost schon aufhorchen. Der Backwood-Thriller
"Wolf Creek" verstand es damals nämlich durchaus gut, einen
gewissen Realismus mit der nötigen Portion sadistischer Härte zu verbinden
und konnte daher auch beinahe nur positive Resonanz einfahren.
Die Frage, die nun im Raum steht, ist die, ob es sich bei dem Coverspruch
nur um geschickt platzierte Werbung handelt, hinter der sich aber dreister
Etikettenschwindel verbirgt, oder ob "Storm Warning" tatsächlich
an die Qualitäten des genannten Genre-Kollegen anknüpfen kann. Wirft man
allerdings einen näheren Blick auf die Liste der Verantwortlichen des
Streifens, macht sich schnell Ernüchterung breit. Bis auf einen Produzenten
finden sich kaum bekannte Namen aus dem Stab von "Wolf Creek".
Pure Aufmerksamkeitshascherei also? Nein, denn obwohl der Regisseur ein
anderer ist, muss sich "Storm Warning" keinesfalls vor "Wolf
Creek" verstecken. Den Regieposten nahm Jamie Blanks ein, der schon mit
"Düstere Legenden" und später noch einmal mit "Schrei wenn
du kannst" bewiesen hat, dass er es sehr gut versteht, auf einer Welle
mitzuschwimmen und den Fans das zu bieten, was sie sehen wollen.
Und in dieser Hinsicht leistet auch "Storm Warning" erstklassige
Arbeit. Dem Publikum wird hier nichts Neues geboten, nicht einmal im Ansatz.
Dennoch machen schon die ersten Filmminuten bemerkbar, dass es dieses Werk
schafft, sich von der breiten Masse an ähnlichen gestrickten
Torture-Porn-Flicks abzuheben. Obwohl von einer Bedrohung zuerst weit und
breit nichts zu sehen ist, erwecken die optisch beeindruckenden Bilder, in
denen Pia und Rob mutterseelenallein über ein endlos scheinendes Gewässer
rudern, von Anfang an ein beklemmendes Gefühl. Man weiß nicht genau, wie
sich die Spannung schließlich aufheben wird, um sich in garstigen und
brutalen Bildern zu entladen, aber das Bewusstsein darüber, dass bald etwas
geschehen wird, ist stets spürbar. Unruhig, lauernd, um nicht zu sagen auf
seine Chance wartend. Gerade die ruhigen Anfangsminuten des Films lassen
durch diesen Effekt die dichteste Atmosphäre entstehen.
Plötzlich aber ein rascher Stilwechsel. Von prachtvollen Natur- und
Wasserkulissen zu der schäbigen Hütte auf dem verlassenen Eiland, die in
ihrer schmutzigen Enge von Anfang an wie ein Gefängnis wirkt. Die Musik,
die übrigens den gesamten Film perfekt untermalt, überzeugt derweil durch
ihre soften, technoartigen Rhythmen und sorgt ein ums andere Mal für
Gänsehaut. Mit dem Auftauchen der Hillbillys lenkt sich "Storm
Warning" dann endgültig in bereits vorgeebnete Bahnen, denn diese
Psychopathen sind weder neu, noch unterscheiden sie sich von von denen aus
anderen Horrorfilmen. Eins aber hat "Storm Warning", was diese
Tatsache sofort vergessen macht: Sympathische Hauptprotagonisten. Rob und
Pia wirken nicht gekünstelt oder unglaubwürdig, sondern bringen das
charismatische, verliebte Paar perfekt rüber. Man leidet sofort mit dem
Rechtsanwalt und der zurückhaltenden Französin mit, da sich die Schlinge
um ihren Hals immer enger schnürt. Pia ist den ganzen Film über permanent
der Gefahr der Vergewaltigung ausgesetzt, während Rob sie angesichts der
bewaffneten sadistischen Brüder nicht beschützen kann. "Storm
Warning" erweist sich somit als bedrückendes und intensives
Kammerspiel auf engstem Raum, in dem die beiden Hauptfiguren stets der
Willkür und den Launen ihrer Peiniger ausgesetzt sind.
Zuerst funktioniert der Streifen lediglich durch seine Atmosphäre, nur um
dann all seine Spannung plötzlich in einer unerwartet brutalen Goreplatte
kulminieren zu lassen. "Storm Warning" wartet mit ebenso
graphischen, wie einfallsreichen Kills auf und dürfte in punkto Gekröse
alle blutlechzenden Horrorjunkies zufrieden stellen. Um nicht an
Glaubwürdigkeit einzubüßen, lässt es Jamie Blanks in dieser Hinsicht
nicht durchgehend blutig hergehen, sondern konzentriert sich vielmehr auf
ein paar wenige, wirklich drastische Szenen, die schnell erklären, wieso
der Film den deutschen Prüfern zu brutal war und deshalb die SPIO/JK
Einstufung erhalten musste. Besonders lang bleibt einem dabei insbesondere
eine Vergewaltigungsszene in Erinnerung, die durch ein zuvor präpariertes
Geschlechtsorgan mit einer besonderen Überraschung für den Vergewaltiger
aufwartet.
Die einzige Schwäche des Films erklärt sich schon von selbst. Auch wenn
"Storm Warning" beim Horrorpublikum nicht mehr viele Wünsche
offen lassen wird, war das eben alles schon zuvor einmal da, das lässt
einen auch die stimmige Inszenierung nicht vergessen. So bleibt das
Geschehen stets durchaus kalkulierbar, was den Sehspaß aber nur milde
trübt. Zumindest gelang es Jamie Blanks, einen durch und durch super
agierenden Cast zusammen zu trommeln, der von Robert Taylor und Nadia Farès
perfekt angeführt wird. Die beiden verkörpern das intelligente und
hilflose Pärchen so, wie man es sich wünscht. Mathew Wilkinson und David
Lyons durften sich währendher einmal im Baukasten fürs
gestörte-Redneck-Einmaleins austoben und bringen die
verabscheuungswürdigen Psychos glaubhaft rüber. Auch John Brumpton liefert
eine solide Leistung als nicht weniger durchgeknallter Vater der Beiden, der
von allen noch das größte Rad ab hat.
"Storm Warning" liefert einen sehr guten Beitrag zum sicherlich
bald ausgelutschten Torture-Horror Genre ab, der insbesondere durch seine
schnörkellose, geradlinige Aufmachung zu überzeugen weiß. Jamie Blanks
wusste ganz genau, was er wollte und inszenierte seinen Streifen ohne
Rücksicht auf eventuelle Plagiatsvorwürfe und das ist auch gut so. Endlich
mal wieder ein Streifen, der rücksichtslos Terror-Feeling verbreitet und
jedem Fan des Genres das liefert, was er sehen will. Spannung und
Atmosphäre gehen hier sehr eng beieinander, um schließlich in einem
brutalen Gewalterguss zu gipfeln. "Storm Warning" ist kurzweilig,
unterhaltsam und mit nur sehr wenigen Längen versehen und stellt somit ein
uneingeschränkt zu empfehlendes Must-See für Fans von derartiger
Unterhaltung dar. |